Prozess um Mord in der Schule

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Wegen Mordes an einem Klassenkameraden muss sich ein mittlerweile 16 Jahre alter Schüler vor Gericht verantworten – 14-jähriger Mitschüler wurde mit Fixiermesser getötet – Schüler bestreitet Tötungsabsicht.

„Ich bekenne mich schuldig. Aber nicht auf Mord. Ich hätte keine Sekunde gedacht, dass das passieren könnte“, erklärte am Mittwoch im Straflandesgericht jener mittlerweile 16-jährige Bursch, der am 15. September in einer Polytechnischen Schule in Wien-Währing einen 14 Jahre alten Mitschüler erstochen hat.

“Ich wollte mit dem Messer angeben”

Die Tatwaffe – ein Messer mit einer acht Zentimeter langen Klingenlänge – hatte er sich zwei Tage vorher auf dem Weg in die Schule in einem Handy-Shop gekauft, wo offensichtlich Waren aller Art gehandelt werden: „Ich wollte damit angeben. Ich wollte mich wichtig machen.“

In der Klasse versuchte er, die Aufmerksamkeit der ihm noch unbekannten Mitschüler – der Unterricht hatte erst eine Woche vorher begonnen, Freunde aus der Hauptschule waren nicht darunter – auf sich zu ziehen, indem er mit dem Messer etwa den Bleistift spitzte oder von mehreren Mädchen nachdrücklich ein Taschentuch verlangte. „Ich war allein“, beschrieb der kräftige, trainiert wirkende Jugendliche – er betreibt seit seinem neunten Lebensjahr Taekwondo und hat den so genannten schwarzen Gürtel – dem Schöffensenat (Vorsitz: Andreas Binder-Hautz) seinen Stand in der Klasse. Der Großteil seiner Mitschüler sei „zu kindisch“ gewesen.

“Wollte ihm Angst machen”

Als es in der Großen Pause zwischen zwei Burschen zu einer zunächst verbalen Auseinandersetzung kam, wurde einer der beiden von der Klasse gehänselt, weil er einen Stoß nicht erwidert hatte. Auch der später zu Tode gekommene 14-Jährige spottete. „Das hat mir nicht so gefallen. Deswegen habe ich mich eingemischt“, erinnerte sich der Angeklagte. Der Jüngere, der in der ersten Reihe saß, habe darauf hin ihn geschimpft: „Ich hab’s aber nicht verstanden. Da bin ich aufgestanden, habe mein Messer aufgeklappt und bin nach vor gegangen.“

Der 14-Jährige saß auf seinem Tisch. „Ich hab’ mir gedacht, wenn er nichts macht, gehe ich zurück auf meinen Platz. Ich wollte ihm Angst machen“, gab der Angeklagte zu Protokoll. Der Klassenkollege dürfte sich jedoch nicht besonders gefürchtet haben. Er versetzte dem anderen einen Schubser. „Wir haben uns gestoßen. Gestritten. Und ich hab’ aus Reflex halt zugestochen.“

“Das Messer war in der Hand”

Er habe geglaubt, der Mitschüler werde ihn schlagen, behauptete der 16-Jährige: „Da ist meine Hand automatisch nach oben gefahren. Er habe ihm bloß „die Faust“ geben wollen: „Dann war aber das Messer in der Hand.“ Der Mitschüler habe „nicht sofort geschrien“. Warum er denn nicht hingeschlagen, keinen Gebrauch von seinen Kenntnissen in der fernöstlichen Kampfkunst gemacht habe, fragte der Richter. Die Antwort: „Ich wollte, dass er mehr Angst hat.“

Das Urteil wird für Donnerstag erwartet.

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