Premiere von “Heimwärts” im Volx/Margareten

Onkel Hussein, ein in den 1970er-Jahren nach Wien ausgewanderter Syrer, stirbt auf seiner letzten Reise ins heimatliche Aleppo, wo er begraben werden will. Sein Tod hindert ihn aber nicht daran, sich weiterhin ins Leben derer einzumischen, die seine Leiche eskortieren und an einer türkischen Grenzstation festsitzen. Das ist eine der gelungenen Ideen der Groteske “Heimwärts” von Ibrahim Amir.

Die Österreichische Erstaufführung des kürzlich in Köln uraufgeführten Stücks am Freitagabend im Volx/Margareten, der Nebenspielstätte des Wiener Volkstheaters, bietet jedoch leider auch einige weniger gute Ideen. Vor allem setzt die junge Regisseurin Pinar Karabulut auf ein knalliges, überdrehtes Setting, in dem die an sich schon absurde Grundkonstellation nicht nur unübersichtlich wird, sondern auch kaum vorstellbar ist, dass den Ausgangspunkt des Stücks eine wahre Begebenheit bildet. Die Reise von Amirs Onkel hat, in Begleitung vom Bruder des Autors, hat es tatsächlich gegeben. Wohl ohne Konversationen mit dem Toten.

Die eingeschobenen Zweierszenen von Hussein (Günter Franzmeier als schrulliger Alter im “orientalischen” Schlafrock und einer Vorliebe für Mozartkugeln, Sachertorte und Melange) und seinem Neffen Khaled (Kaspar Locher als sympathischer “Normalo”), in denen es um Erinnerungen, Heimat und Familie geht, sind jene zentralen Momente, in denen der ansonsten allzu turbulente 75-minütige Abend zur Ruhe kommt. Die restliche Zeit turnt das Ensemble auf einem von Ausstatterin Aleksandra Pavlovic aufgebauten, mit rotem Stoff überzogenen, zwischen Felsblock und Skulptur angesiedelten Kunstobjekt herum und lässt Assoziationen zu Faschingspartys und schrägen TV-Shows aufkommen.

Günther Wiederschwinger und Isabella Knöll haben als österreichischer Arzt mit türkischen Wurzeln und transsexuelle Krankenschwester ebenso Mühe, einen Zusammenhang zwischen absurdem Inhalt und greller Verpackung zu vermitteln wie Oktay Günes und Sebastian Pass als sture türkische Grenzbeamte. Die Idee, dass zeitweise Türkisch gesprochen wird, hält man auf Dauer nicht durch, denn auch sonst wird es mit dem plötzlichen Eingreifen des Putschversuchs vom Juli 2016 in das Geschehen ziemlich kompliziert. Im Bestreben, einer grotesken politischen Realität eine theatrale Entsprechung zu geben, überzeugt der Abend bestenfalls in Ansätzen und reicht nicht an den Erfolg von Amirs “Ehrenmordkomödie” “Habe die Ehre” heran.

In Kürze bekommt man einen weiteren Anlauf des in Wien lebenden syrischen Autors zu sehen, heiße gesellschaftliche und politische Stoffe knallig und witzig zu verarbeiten. “Homohalal” zeigt, was aus den Flüchtlingen und den Flüchtlingshelfern von heute werden könnte. Nach der kurzfristigen Absage der Uraufführung durch das Volkstheater wurde das Stück mittlerweile am Dresdner Staatsschauspiel erfolgreich auf die Bühne gebracht. Am 18. Jänner folgt nun die Österreichische Erstaufführung durch Ali M. Abdullah im Werk X.

(APA)

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