Premiere von “Die Frau ohne Schatten” in Linz umjubelt

Chefdirigent Markus Poschner riss das Ensemble mit
Chefdirigent Markus Poschner riss das Ensemble mit - © APA
Mit einer begeistert aufgenommenen Premiere der Oper “Die Frau ohne Schatten” von Richard Strauss hat am Samstag die Opernsaison am Linzer Musiktheater begonnen. Gleichzeitig hat sich damit der neue Opern- und Orchesterchef Markus Poschner auch an seiner neuen Wirkungsstätte eingeführt. Die Aufführung wurde mit Jubel und Standing Ovations für alle Mitwirkenden quittiert.

Als Märchenoper mit tiefer symbolischer Bedeutung ist die “Frau ohne Schatten” ein weiteres Ergebnis der mehrfachen Zusammenarbeit von Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss. Sie erfordert großes Orchester – in Linz rund hundert Musiker – sowie stimmgewaltige Sänger-Darsteller und verlangt auch der Bühnentechnik Einiges ab. In Linz war die “Frau ohne Schatten” zuvor zum ersten und bisher einzigen Mal 1970/71 auf dem Spielplan gestanden.

Markus Poschner hatte sowohl die Klangmassen dieses Werks als auch die kammermusikalischen und solistischen Aufgaben im Orchester im Griff. Mit weit ausholenden animierenden Armbewegungen übertrug sich seine Energie auch auf die Bühne. Dass dabei die Lautstärke gelegentlich zu kräftig wurde, fiel aber nicht wesentlich ins Gewicht. Das Bruckner Orchester Linz ließ sich jedenfalls vom Dirigat Poschners anstecken und bot makellose Leistungen, wobei auch die intimen Violin- und Cello-Soli nachhaltigen Eindruck hinterließen.

Für die sängerischen Hauptpartien wurden durchwegs Gäste verpflichtet, die ihren Aufgaben vollauf gerecht wurden. Heiko Börner als Kaiser und Brigitte Geller als Kaiserin verkörperten die überirdische Geisterwelt, Katherine Lerner sorgte als Amme mit intensiver Stimme und starker Gestaltung für die Verbindung zur Menschenwelt, verkörpert von Adam Kim als Färber und Miina-Liisa Värelä als seine Frau. Letztere steigerte sich eindrucksvoll im Laufe des Abends hochdramatisch bis zur Entscheidung, ihren Schatten – als Symbol des Menschseins – der schattenlosen Kaiserin zu verkaufen. Diese jedoch entscheidet sich schließlich anders. Sie will für ihr Glück nicht andere ins Unglück stürzen – und wird für diesen Schritt dennoch mit dem “Leben spendenden” Schatten belohnt.

Die Regie des komplexen Stoffes hat Hausherr Hermann Schneider persönlich übernommen. Er sorgt sowohl für den märchenhaften mythologischen Grundton als auch für die irdische Realität der Arbeitswelt der Färbersleute. In der Personenführung schwankt die Regie allerdings zwischen lebhafter Bühnen-Aktion und frontal zum Publikum gerichtetem Gesang. Überzeugend gestaltete Falko Herold (der auch für die zeitlosen Kostüme und die Videozuspielungen verantwortlich war) die riesige Bühne mit den beiden Welten: Kaiser und Kaiserin sind von romantischen Naturerscheinungen umgeben, während die Färber in der harten Realität der menschlichen Arbeitswelt zu Hause sind. Diese irdische Welt ist schließlich auch von Krieg und Zerstörung gekennzeichnet – ein Bezug nicht nur zur Entstehungszeit der Oper mitten im Ersten Weltkrieg, sondern zeitlos auch heute gültig.

Die kleineren Partien der Oper – wie Baraks Brüder und der Bote – waren Ensemblemitgliedern anvertraut und dort in besten Händen und Stimmen. Chor und Jugendchor des Landestheaters Linz vervollständigten sehr zufriedenstellend die Gesamtleistungen.

Das Landestheater Linz zeigt mit dieser “Frau ohne Schatten” das hohe musikalische Niveau aller Akteure. Die selten auf den Spielplänen stehende Oper lohnt auch eine weite Anreise.

(APA)

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