Präsidiumssitzung: SPÖ plant Neuaufstellung in der Opposition

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Das SPÖ-Präsidium tagt am 23. Oktober.
Das SPÖ-Präsidium tagt am 23. Oktober. - © APA/ROBERT JAEGER
Die SPÖ möchte in der Opposition einen Prozess der Neuaufstellung starten. Dies gab Parteichef Christian Kern nach der Präsidiumssitzung bekannt. Bei der Besetzung der Nationalratsmandate ergab sich, dass Bundesgeschäftsführer Christoph Matznetter leer ausgeht.

Die SPÖ will in der Opposition einen Prozess zur Neuaufstellung starten und sich als Gegengewicht zum “Spektakel” der “Brot- und Spiele-Politik” von ÖVP und FPÖ positionieren. Das gab Parteichef Christian Kern nach dem SPÖ-Vorstand bekannt. Eine kleine Überraschung gab es bei der Besetzung der Nationalratsmandate. Bundesgeschäftsführer Christoph Matznetter geht leer aus.

Kern: Zu viel Trennendes mit ÖVP und FPÖ

Was die künftige Ausrichtung der Sozialdemokraten angeht, kündigte Kern eine klare Gegenansage zum Rechtspopulismus an. Er habe nach der Wahl Gespräche mit ÖVP und FPÖ geführt. Das Ergebnis sei gewesen, dass das inhaltlich Trennende nicht überwindbar sei, ohne den Preis der Selbstaufgabe dafür zahlen zu müssen. Es gebe erhebliche Differenzen im Bereich der Steuer-, Wohn-, Sozial- und Umweltpolitik.

Zufrieden ist Kern mit der Aufstellung des künftigen Parlamentsklubs. Besonders hob er eine Verjüngung hervor, zudem werde eine Frauenquote von über 44 Prozent erreicht. Jedes zweite Mitglied der SP-Fraktion sei neu im Hohen Haus.

Doris Bures als zweite Nationalratspräsidentin

Zum Klubobmann soll Kern selbst gewählt werden. Andreas Schieder wird ihm als geschäftsführender Klubchef zur Seite gestellt. Doris Bures bleibt im Nationalratspräsidium, künftig jedoch nur noch als Zweite Präsidentin.

Fixiert wurde im Vorstand auch, wer die sieben erreichten Bundesmandate annehmen soll. Die eigentlich geplante Belohnung für Matznetter, der sich in der Silberstein-Affäre geopfert und die Bundesgeschäftsführung übernommen hat, findet nun doch nicht statt. Zwar bleibt Vorgänger Georg Niedermühlbichler im Wiener Landtag, jedoch haben offenbar nicht genug andere vor Matznetter auf der Liste platzierte Kandidaten verzichtet. Somit wechselt Bundesrat Mario Lindner in den Nationalrat. Kern meinte bloß, man habe sich entschlossen, die vor der Wahl festgelegte Reihenfolge einzuhalten.

Matznetter hat keine Chance auf einen Sitz

Die anderen Mandate gehen an Kern, Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner, FSG-Chef Wolfgang Katzian, Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek, Kanzleramtsminister Thomas Drozda und die Bürgermeisterin von Altmünster Elisabeth Feichtinger. Staatssekretärin Muna Duzdar erhält das dritte Wiener Landeslisten-Mandat. Durch die Finger schaut die gewerkschaftliche Prominenz. Frauenchefin Renate Anderl und pro-ge-Vorsitzender Rainer Wimmer müssen darauf hoffen, dass im Laufe der Gesetzgebungsperiode vor ihnen gereihte Kandidaten die Lust an ihrem Mandat verlieren. Wohl keine Chancen mehr auf einen Sitz in den kommenden fünf Jahren haben Matznetter, zugleich auch Vorsitzender des sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands, sowie die Chefinnen der SP-Jugendorganisationen Katharina Kucharowits und Julia Herr.

Rote Jugendorganisationen unterstützen Oppositionsansage

Von roten Jugendorganisationen kommt Zustimmung zur Oppositionsansage von Parteichef Christian Kern (SPÖ). Der Verband Sozialistischer Student_innen in Österreich (VSStÖ) erklärte in einer Aussendung: “Machen wir Schwarz-Blau die Hölle heiß!” Schon letzten Freitag hatte die Sozialistische Jugend (SJ) in Oberösterreich in einem umstrittenen Facebook-Posting den Gang in die Opposition gefordert.

Die SJ OÖ begründete ihre Ablehnung gegen eine Koalition mit der FPÖ unter anderem mit fehlenden inhaltlichen Überschneidungen, aber auch “weil Niessl, Doskozil und Luger hald scheisse sind!” Die drei SPÖ-Politiker hatten sich einer rot-blauen Regierung nicht abgeneigt gezeigt.

“Die Entscheidung in die Opposition zu gehen war das einzig Richtige der SPÖ”, fand am Montag die VSStÖ-Vorsitzende Katharina Embacher. “Eine schwarz-blaue Regierung steht uns ins Haus und somit Jahre des neoliberalen Spardiktats, unter denen breite Teile der Gesellschaft leiden werden”, erklärte sie in der Aussendung weiter. Dafür brauche es eine geeinte und offensive Opposition.

APA/Red.

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