Polizist bei Amtshandlung verletzt: Student vor Gericht

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Polizist erlitt bei Amtshandlung Sehnenriss: Student vor Gericht
Polizist erlitt bei Amtshandlung Sehnenriss: Student vor Gericht - © APA (Sujet)
Ein Student, der sich bei einer Festnahme so arg zur Wehr gesetzt haben soll, dass er dabei einen Polizisten schwer verletzte, muss sich nun wegen Körperverletztung am Wiener Straflandesgericht  verantworten.

Ein 23-jähriger Student aus Linz hat sich am Mittwoch, den 8. April wegen versuchten Widerstands gegen die Staatsgewalt und schwerer Körperverletzung im Straflandesgericht in Wien verantworten müssen. Dem jungen Mann wurde vorgeworfen, sich am 4. Juni 2014 in der U-Bahn-Station Schottentor gegen seine Festnahme gewehrt zu haben. “Er hat keinen aktiven Widerstand geleistet”, meinte Verteidigerin Nadja Lorenz.

Demonstrant wurde von Beamten wiedererkannt

Der 23-Jährige, der in Wien und Linz Jus studiert, hatte an einer Demonstration gegen Burschenschaftler teilgenommen, als er mit der U-Bahn heimfahren wollte. In der U-Bahn-Station bemerkte er, wie ein Großaufgebot von WEGA-Beamten auf eine Gruppe von Demonstranten zulief und einen Mann aus der Menge holte. Wie sich später herausstellte, war der 44-Jährige von Beamten als einer jener Demonstranten wiedererkannt worden, die bei der Anti-Akademikerball-Kundgebung 2014 gegen die Exekutive vorgegangen waren. Konkret hatte der 44-Jährige mit einer Fahnenstange auf eine junge Polizistin eingeschlagen. Nun sollte er deswegen festgenommen werden.

23-Jährige mischte sich ein

Der 23-Jährige mischte sich in diese Amtshandlung ein, “weil ich sie unverhältnismäßig gefunden habe”, wie er Richter Andreas Hautz erklärte. Die Polizei habe aus seiner damaligen Wahrnehmung einfach jemanden aus der Menge gezogen: “Ich habe gesehen, dass die Person am Kopf geblutet hat und dass die Polizei sie im Schwitzkasten mitgeschliffen hat.” Er habe sich daher vor die Beamten gestellt und verlangt, man möge den offenbar Verletzten ins Krankenhaus bringen. Weil die Polizei nicht reagierten, habe er die Gruppe treppabwärts Richtung U-Bahn begleitet.

“Ich kann bei solchen Sachen nicht wegschauen.”

Auf die Frage des Richters, weshalb er sich nicht entfernt hätte, zumal er den Mann, der abgeführt wurde, ja nicht kannte, verwies der 23-Jährige auf seine Lebensgeschichte: “Ich war Schulsprecher und Migrantenbetreuer. Ich kann bei solchen Sachen nicht wegschauen.” Die Polizisten dürften sich irgendwann von dem Jus-Studenten gestört gefühlt haben. Ein Beamter in Zivil forderte schließlich einen Uniformierten – angeblich mit den Worten “Den nehmen wir mit” – auf, den jungen Mann festzunehmen. Sechs Polizisten hätten sich darauf auf ihn gestürzt, schilderte der 23-Jährige dem Gericht.

Beamter verletzt: Prozess in Wien

Im weiteren Verlauf soll er einen 45 Jahre alten Beamten verletzt haben. Dieser packte den jungen Mann an der Schulter und versuchte, jenen in seine Richtung zu drehen, um die Festnahme vollziehen zu können. Der Angeklagte habe “sich ruckartig nach unten gestoßen”, um sich dem Zugriff zu entziehen, so der Polizist im Zeugenstand. Der Mann sei “in die Knie gegangen” und habe “nach unten gezogen”. Er habe ihn aber nicht mehr losgelassen. Immer wieder habe sich der Angeklagte “ruckartig bewegt und gezogen. Er hat nicht losgeschlagen nach mir. Er hat wild herumgestikuliert. Aber nicht nach mir. Es war ein aggressives Fuchteln der Arme. Es war ein Um-sich-Hauen, würde ich sagen. Aber nicht gegen mich”, erklärte der Beamte.

Das Ganze habe sich auf sechs bis acht Treppenstufen abgespielt und zehn bis 15 Sekunden gedauert, schätzte der Polizist, der bei der Amtshandlung einen Sehnenriss im linken Bizeps erlitt, seither zu 20 Prozent Teilinvalide ist und vom Angeklagten nun eine finanzielle Wiedergutmachung von knapp 8.900 Euro verlangt. Die Verhandlung wird am 11. Mai fortgesetzt.

(APA)

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