Plädoyer gegen die Angst: Eagles Of Death Metal live im Wiener Gasometer

Die Eagles Of Death Metal zelebrierten die Kraft des Rock'n'Roll in Wien.
Die Eagles Of Death Metal zelebrierten die Kraft des Rock'n'Roll in Wien. - © APA
Nachdem die US-Rockband Eagles Of Death Metal den verheerenden Terroranschlag auf den Pariser Club Bataclan im vergangenen Herbst überlebt hat, setzt die Gruppe um Frontmann Jesse Hughes aktuell ihre Europatournee fort – auch in Wien.

Am Montagabend gastierte die Band nun im Wiener Gasometer – und lieferte ein Plädoyer für saftigen Rock’n’Roll.

Den Abend des 13. November 2015 wird nicht nur die Rockformation wohl nie wieder vergessen: In einer konzertierten Aktion wurden mehrere Orte in der französischen Hauptstadt von islamistischen Terroristen attackiert, alleine bei dem Konzert der Band kamen 90 Personen ums Leben. Die Tour wurde abgebrochen, der Schock saß tief. Und doch standen Hughes und Konsorten nur wenige Wochen später mit U2 wieder auf einer Pariser Bühne. Mitte Februar wurde schließlich die Europarundreise der kalifornischen Band, die im Herbst ihr viertes Album “Zipper Down” veröffentlicht hatte, fortgesetzt.

Eagles Of Death Metal kehrten nach Paris zurück

Dass diese Konzerte keine ganz alltäglichen werden dürften, stand für viele schon vorher fest: Stockholm, Oslo oder München wurden beispielsweise abgeklappert. Und natürlich Paris. Eigentlich zu früh, wie manch Kritiker monierte. Die Eagles Of Death Metal hielt das aber nicht davon ab, vergangene Woche im Olympia eine musikalische Therapie für sich selbst und die Fans zu absolvieren. Es wurde der Opfer gedacht, viel Liebe ausgetauscht und vor allem gerockt.

Vor allem der Humor stand auch in Wien im Fokus – das wurde bereits von den White Miles dick unterstrichen. Medina Rekic und Hansjörg “Lofi” Loferer ließen von Beginn ihres Sets keine Zweifel aufkommen, dass man sich selbst sowie den Zuschauern eine gute Zeit bieten wollte. Druckvoll und energiegeladen ging es eine gute dreiviertel Stunde lang durch altes und neues Material des am 1. April erscheinenden Werkes “The Duel”.

“Musik hören, Bier trinken, Leute treffen”, fasste Rekic die Essenz eines Rockkonzerts zusammen. “Das ist doch das Allerschönste.” Songs wie “Can’t Stop” oder das mächtige “A(n) Garde” machten dieses Vorhaben zu einem Leichten.

Hüftschwung statt Terrorangst

Und schließlich hieß es bei den Eagles Of Death Metal Hüftschwung statt Terrorangst: Zu den Klängen von Falcos “Rock Me Amadeus” betrat die Band die Bühne und ließ sich gleich ordentlich feiern. Bis zum ersten herzhaften “I love you, motherf***s” aus dem Munde Hughes’ dauerte es folglich nur wenige Momente. Und dann stand für beinahe zwei Stunden hemdsärmeliger, lauter, räudiger Rock im Mittelpunkt der Darbietung. Wobei: Schon der Opener “I Only Want You” wurde wie ein Rausschmeißer zelebriert, immer wieder abgebrochen, die Spannung aufgebaut und dann doch wieder ins Riff gesprintet.

Es wurde geboten, was zu erwarten war: “Shit goddamn! I’m a Man” hieß es bei “Whorehoppin'” für all jene, denen Hughes’ überdimensionaler Schnauzer sowie seine Liebesbekundungen an die “Ladies” noch nicht Hinweis genug war. Und stets zelebrierte man die “eigenartige, aber wunderbare Kraft”, die so einem Rockkonzert doch innewohne. Von Paris, von Terror war keine Rede. Stattdessen verteilte man viel Liebe, warf unzählige Gitarrenplättchen sowie Drumsticks schon während des Auftritts ins Publikum, dazu gab es klassische Animationsrituale zwischen Band und begeistertem Auditorium.

Erst in der Zugabe, die Hughes zunächst solo an der Gitarre als Wunschkonzert bestritt, wurde es kurz nachdenklicher. “Es waren ein paar merkwürdige Monate”, gab der Sänger zu. “Aber was wir hier haben, kann uns verdammt nochmal niemand wegnehmen!”

(APA)

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