Pixies live im Wiener Gasometer: Harmonie trotz Erwartungsdruck

Die Pixies sind wieder da.
Die Pixies sind wieder da. - © AFP/Patricia del Melo Moreira
Vier wegweisende Alben in ebenso vielen Jahren, danach Funkstille: Was die US-Rockband Pixies bis Anfang der 90er vorlegte, kann man wohl als Kult bezeichnen. Als die Gruppe um Black Francis vor zehn Jahren plötzlich wieder auftauchte, waren die Erwartungen hoch. Dass man an der Erfüllung nicht interessiert ist, zeigte auch das Konzert in Wien.

“Surfer Rosa”, “Doolittle”, “Bossanova” und “Trompe le Monde”: Diesen Platten war ursprünglich zwar nur mäßiger Erfolg beschieden, die Nachwirkungen halten aber bis heute an.

Bands wie Nirvana, Weezer oder Radiohead zählten die Pixies zu maßgeblichen Einflüssen, das Zusammenspiel von Francis mit Bassistin Kim Deal und die Spannung zwischen den beiden galt als legendär. Spätestens, als Hollywoodregisseur David Fincher den Song “Where Is My Mind?” für die ikonische Schlussszene seines Films “Fight Club” (1999) wählte, wurde auch eine neue Generation aufmerksam.

Überraschende Reunion

Dieser wandte sich die Gruppe wenige Jahre später (und doch überraschend) mit einer Reuniontour zu. Offenbar höchst lukrativ, aber ohne den Anspruch, neues Material aufzunehmen, wie mehrfach versichert wurde. Dass nichts in Stein gemeißelt ist, wurde 2013 deutlich, als es doch neue Songs gab – wobei das Ergebnis nur leidlich überzeugend ausfiel. Deal hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon verabschiedet, aktuell nimmt Paz Lenchantin diesen Platz ein. Die argentinisch-amerikanische Musikerin ist bewandert im Umgang mit exzentrischen Frontmännern, hat sie doch bereits mit Billy Corgan (Smashing Pumpkins, Zwan) oder Maynard James Keenan (A Perfect Circle) gearbeitet.

Die Chemie im Quartett, komplettiert durch Gitarrist Joey Santiago und Drummer David Lovering, dürfte aber passen. Vor dem Konzert war zwischen Francis und Lenchantin jedenfalls viel Kichern angesagt. “Vor meinem ersten Auftritt mit ihnen war ich sehr nervös, ich war ganz grün im Gesicht”, schmunzelte die Bassistin. “Aber grundsätzlich war es ein leichter Einstieg, weil sich dieser Weg einfach richtig für mich anfühlte. Und seitdem funktioniert es sehr gut.” Ähnlich formulierte es Francis. “Es gibt einen gewissen Band-Humor, den nicht jeder versteht. Und Paz kann da gut mit.”

Pixies in Harmonie bei Konzert in Wien

Auch live machten die Pixies am Dienstagabend in dieser Aufstellung einen harmonischen Eindruck. Mit einem – gerade für Gasometer-Verhältnisse – sehr druckvollen Sound ausgestattet, ging es auf eine zweistündige Rundreise durch die eigene Rockgeschichte, angereichert mit allerlei aktuellen Bezügen. Alte Großtaten wie “Monkey Gone To Heaven” oder “Wave Of Mutilation” wurden begeistert begrüßt, neue Stücke von der kürzlich vorgelegten und durchaus überzeugenden Platte “Head Carrier” immerhin anerkennend zur Kenntnis genommen. Wobei sich Songs wie das eingängige “Oona” oder der wütende Schnellschuss “Baal’s Back” bestens in die Show einfügten und durchaus auf Augenhöhe mit den Klassikern anzusiedeln sind.

Für Francis scheint mit dem neuen Output jedenfalls eine “Übergangsphase” abgeschlossen, die mit dem Comeback vor mehr als zehn Jahren begann. “Damals stellten viele die Frage: ‘Okay, ihr seid wieder da. Aber was kommt jetzt?’ Das hat gedauert, bis Paz dazustieß”, so der Sänger und Gitarrist. “Nun fühlt es sich eher wie die ursprüngliche Version an. Aber natürlich sind wir älter, man kann ja die Zeit nicht zurückdrehen.” Dass gewisse Dinge sich nicht ändern, zeigte das Konzert aber auch: Die Interaktion mit dem Publikum ist weiterhin nicht vorhanden, Ansagen waren Mangelware, stattdessen wurde einfach ein Song nach dem anderen in die Halle geschleudert.

Where Is My Mind?

Aber warum auch nicht? Als der große Hit “Where Is My Mind?” knapp zur Hälfte des mehr als 30 Stücke umfassenden Sets erklang, wurde er nicht anders zelebriert als seine Vor- und Nachgänger. Zwar sang das Publikum lauthals jedes Wort mit und wurden die Arme in die Höhe gereckt, Francis aber spielte stoisch die Akkorde runter, ganz nach dem Motto: Ein weiteres Lied fertig, das nächste kann kommen. Der Mythos um die Band, wie auch immer er aktuell ausschauen mag, er kümmert die Protagonisten sichtlich nicht.

Ähnlich verhält es sich bei Francis auch mit dem Songwriting per se. Angesprochen auf das neue Album, meinte er: “Ich analysiere es nicht zu viel. Mir geht es eher um Eigenschaften wie gut und schlecht, spannend und langweilig.” Zwar verspüre er durchaus Druck, “man will ja einem gewissen Standard entsprechen. Aber wie der genau ausschaut, kann ich auch nicht sagen”, überlegte der Musiker. “Das ist eher nebulös.” Diese Beschreibung traf auch den Konzertschluss: Das mächtige “Into The White”, gesungen von Lenchantin, markierte den Höhepunkt, wobei die Band dabei komplett vom Bühnennebel eingehüllt wurde. Die Pixies sind auch 2016 nicht wirklich zu greifen. Und eigentlich ist das ganz gut so.

(APA)

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