Pflegeskandal: Wiens Patientenanwältin fordert Whistleblower-Anlaufstelle

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In dem Pflegeheim in NÖ sollen Patienten gequält worden sein.
In dem Pflegeheim in NÖ sollen Patienten gequält worden sein. - © APA (Symbolbild)
Wiens Patienten- und Pflegeanwältin Sigrid Pilz plädiert nach dem Pflegeskandal in Niederösterreich für eine Anlaufstelle, wo Mitarbeiter Auffälligkeiten ansprechen können.

Wiens Patienten- und Pflegeanwältin Sigrid Pilz fordert angesichts der Causa Pflegeheim in Kirchstetten/NÖ und der darauffolgenden Einstellung zweier verdächtiger Pfleger in einer Wiener Einrichtung eine Art Whistleblower-Anlaufstelle für Mitarbeiter, die Auffälligkeiten bemerken. Außerdem plädierte sie am Montag im APA-Gespräch für die Etablierung einer systematischen Qualitätssicherung.

“Das eine ist die Rechtssituation. Das andere ist die Frage der internen Kommunikation – also ob es gewünscht und gefördert wird, dass jemand Missstände oder Auffälligkeiten beobachtet und diese auch kommunizieren kann oder ob er dann als Vernaderer hingestellt wird”, sagte Pilz. Wie die Praxis zeige, würden “Insellösungen” nicht funktionieren: “Es braucht eine zentrale Stelle, an die man sich wenden kann, zu der sich Leute trauen hinzugehen, ohne das Gefühl zu haben, beim Salzamt zu sein.” Eine solche könnte beispielsweise beim Dachverband der Pflegeeinrichtungen angesiedelt sein.

Darüber hinaus brauche es eine “transparente, systematisch aufgesetzte Qualitätssicherung”, im Zuge derer die einzelnen Häuser verschiedene Kriterien erheben. “Wenn es Auffälligkeiten gibt – also etwa höhere Zahlen beim Einsatz von Psychopharmaka, bei Freiheitsbeschränkungen, bei Dekubitus (Wundliegen, Anm.), Spitalseinweisungen oder Beschwerden von Bewohnern oder Angehörigen -, sollte man wie im Spitalsbereich Peer Reviews einleiten. Das heißt: Externe Teams der gleichen Berufsgruppe schauen sich Abläufe an”, erklärte die Wiener Patientenanwältin.

Schwerwiegende Vorwürfe gegen Pfleger

Mit dem Verweis auf den aktuellen Fall – zwei der Misshandlung von Pflegebedürftigen beschuldigte Pfleger haben nach ihrer Entlassung aus dem Heim in Kirchstetten (NÖ) in einer Wiener Einrichtung gearbeitet -, betonte sie außerdem, dass hermetische Systeme innerhalb einer Einrichtung “immer schlecht” seien: “Man sollte Teams durchmischen und wechseln.”

Kopfschütteln bereitet Pilz, die auch Vorsitzende der Wiener Heimkommission ist, außerdem die Tatsache, dass die beiden – inzwischen auch aus dem Wiener Haus entlassenen – Verdächtigen in dem Wiener Heim trotz der Verdachtslage sogar zusammen arbeiten durften: “Der Umstand, dass man diese zwei Leute, von denen man wusste, dass etwas nicht stimmt, gemeinsam den Nachtdienst verrichten lässt, nimmt einem die Luft.”

Was die Rechtssituation anbelangt, unterstützt Pilz grundsätzlich bereits erhobene Forderungen nach einer Änderung dahingehend, dass bei gravierenden Verdachtslagen ein vorübergehendes Berufsverbot auch im Pflegebereich eingeführt werden soll – ähnlich wie es das bereits bei Ärzten gibt. “Aber auf den Einzelnen abzustellen reicht nicht aus”, ergänzte die Patientenanwältin. Der gesamte Bereich sei unterfinanziert, verfüge über zu wenig Personal und finde meist nur bei einem Skandal öffentliche Beachtung.

(APA, Red.)

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