Pflegeeltern – "Schauen wir mal, wie schwierig es wird"

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Ein lesbisches Paar, 32 und 37 Jahre, bewirbt sich darum, ein Pflegekind aufnehmen zu dürfen. Die arbeitsrechtliche Situation stellt dabei ein großes Problem dar.

Ein Pflegekind zu sich zu nehmen, dürfte für jedes Paar eine schwerwiegende Entscheidung darstellen – und als homosexuelles Paar wird die Sache nicht leichter. Dennoch haben bereits zehn gleichgeschlechtliche Wiener Paare Pflegekinder aufgenommen, vier weitere durchlaufen gerade das Bewilligungsverfahren. Eines der lesbischen Elternpaare in spe hat sich zu einem anonymen Interview mit der APA bereitgefunden.

Die 32-Jährige und die 37-Jährige sind in der Medizin- beziehungsweise der Finanzbranche tätig und gehen seit rund einem Jahr mit dem Gedanken schwanger, ein Pflegekind zu sich zu nehmen. Dazu gab nicht zuletzt die Kampagne des Jugendamtes den Anlass, bei der unter anderem ein lesbisches Paar plakatiert wurde. “Ich muss ehrlich sagen, ich wusste es vorher nicht”, gesteht die 37-Jährige. Seither hat man sich informiert und absolviert seit Herbstbeginn die Schulungen, die werdenden Pflegeeltern vorgeschrieben sind.

Dann steht der Besuch einer Sozialarbeiterin an, bei dem die Wohnverhältnisse überprüft werden. Ein Kinderzimmer hat das Paar schon auserkoren. So lange das Alter ihres Pflegekindes nicht feststeht, fällt das Einrichten allerdings schwer. Voraussichtlich ab Februar wird es für die beiden soweit sein.

Zuvor muss noch ein Fragebogen ausgefüllt werden, bei dem man das Wunschprofil des Kindes bezüglich Geschlecht, Alter oder Krankengeschichte der Eltern. “Wenn es nach mir geht, ich möchte schon ein kleineres, also null bis sechs Monate”, meint die ältere der beiden. Bedenken habe sie lediglich bei Kindern mit schweren Krankheiten: “Da weiß ich nicht, ob ich mir das zutrauen würde.” Ob sie auf lange Sicht mehr als ein Pflegekind zu sich nehmen wollen, haben die beiden Frauen noch nicht entschieden: “Schauen wir mal, wie schwierig es wird”, so die 37-Jährige – “Oder wie leicht”, ergänzt ihre Partnerin.

Keine Bedenken haben die beiden, als lesbisches Elternpaar auf große Widerstände in der Gesellschaft zu stoßen. Man dürfe sich nicht verstecken und müsse offensiv mit dem Thema umgehen. Dass sich FPÖ und Kirche in dieser Frage anders positionierten, sei nicht anders zu erwarten.

Größere Sorgen macht den beiden Frauen ihre Arbeitssituation, zumal man als Pflegeelternteil keinen Karenzanspruch habe. Ihre Arbeitgeber wissen dementsprechend noch nichts vom bevorstehenden Mutterglück ihrer Mitarbeiterinnen. Man müsse diese dann leider vor vollendete Tatsachen stellen: “Das ist eine große Hürde”, meinte die Jüngere der beiden. Schließlich habe man keinerlei rechtlichen Schutz, nicht gekündigt zu werden. “Und wenn es ein kleines Kind wird, muss man von heute auf morgen aufhören zu arbeiten”, gibt die 37-Jährige zu bedenken.

Die beiden verstehen ihre Entscheidung, sich als lesbisches Paar um ein Pflegekind zu bemühen und nicht andere denkbare Varianten anzustreben, ein Kind zu bekommen, auch als soziale Entscheidung. “Der Sinn der Pflege ist ja, dass sich die leibliche Familie so weit entwickeln kann, dass das Kind wieder zurückkommen kann”, so die Jüngere. Ihre Partnerin hat zwar größere Angst, sollte sie ein Pflegekind wieder an die leiblichen Eltern zurückgeben müssen. Sie tröstet sich aber damit, dass 80 Prozent bis zur Volljährigkeit bei den Pflegeeltern verbleiben.

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