Parov Stelar präsentiert “The Demon Diaries” in der Wiener Marx Halle

Parov Stelar bei einem Konzert in Nord Spanien
Parov Stelar bei einem Konzert in Nord Spanien - © EPA
Der gebürtige Linzer Marcus Füreder hat es wieder getan: Er bringt mit seinem Projekt Parov Stelar am 1. Mai das neue Album “The Demon Diaries” auf den Markt und vermengt in typischer Manier tanzbare Retrosounds mit modernen Beats. “Ich denke, dass es in der Kunst unheimlich wichtig ist, Gegenpole zu schaffen”, erklärte der Musiker, der die neuen Songs am 30. April in der Wiener Marx Halle vorstellt.

Die Anhänger Füreders dürfen sich jedenfalls auf reichlich Material freuen, sind die dämonischen Tagebücher doch wie bereits “Coco” oder “The Princess” ein Doppelalbum geworden. “Das passiert einfach”, meinte er dazu. “Da sind wir genau beim Thema: dieser Dämon, der einen Künstler antreibt. Die ‘inner driving force’ gefällt mir als Bezeichnung ganz gut. Du kannst gar nicht anders, und der Output passiert nicht, weil ich mich zusammenreiße und sage: Du musst jetzt etwas tun! Das ist automatisch da.”

Parov Stelar live in der Marx Halle Wien

Den Cut haben schließlich 24 Titel geschafft, die sich auf zwei unterschiedlichen Seiten wiederfinden: Während CD 1 den “typischen Parov-Stelar-Sound, den man sich erwartet und den ich auch sehr gerne mache”, bietet, habe Füreder auch “Schritte abseits meiner Wege” machen wollen. “Dafür ist die zweite CD da, eine Spielwiese, auf der ich mich austoben kann.” Derzeit bedeutet das einen atmosphärisch dichten, melancholischen Touch. “Ich wollte es mit Organischem verbinden, also mit Streichern, mit einem Orchester. Da fängt alles dann wirklich zum Atmen an, was man spürt.”

Reduzierter, teils zurückhaltender

Wo also der “Demon Dance” Retro-Charme exerziert und im Electroswing angesiedelt ist, kommen Stücke wie “The Sun” mit Vocals von Claudia Kane oder “Walk Away”, auf dem Anna F. für den Gesang zuständig zeichnet, reduzierter, teils zurückhaltender daher. “Viel davon ist in der Nacht passiert. Für mich war das eine cineastische Anlehnung, ich liebe Musik mit Bildern. Und zu diesen Songs hatte ich immer auch Bilder im Kopf. Melancholie bedeutet zudem für mich nicht unbedingt etwas Negatives, es gibt auch diese positive Melancholie. Das heißt: Kraft aus Vergangenem zu schöpfen, um gestärkt in die Zukunft zu gehen.”

“Sie ist wahrscheinlich subtiler als die erste”

Die zweite Hälfte des Albums sei also jene, “um sich hinzusetzen, ein Glas Rotwein einzuschenken und dann die Songs durchlaufen und auf sich wirken zu lassen”, so Füreder. “Sie ist wahrscheinlich subtiler als die erste.” Gerade im Zusammenspiel mit den flotteren Stücken entstünde aber eine spannende Dynamik. “Bruchstellen oder Reibungspunkte sind notwendig, nur dann kann etwas entstehen, das berührt. Ich möchte Musik machen, die eine gewisse Nachhaltigkeit bedient, die man sich vielleicht in vier oder fünf Jahren noch genauso anhören kann. Das ist mein Grundbestreben in meinem künstlerischen Schaffen.”

Erfolge in ganz Europa

Bis dato ist Füreder damit jedenfalls bestens gefahren: Seit den ersten Veröffentlichungen als Parov Stelar vor knapp zehn Jahren hat er sich eine internationale Fangemeinde erspielt, baute sein elektronisches Grundkonzept sukzessive zur mehrköpfigen Liveband aus und sicherte sich nicht zuletzt sechs “Amadeus”-Awards. “Zum einen war es für mich ein großer Glücksfall, dass wir in ganz Europa Erfolge gehabt haben, weil ich auf den österreichischen Markt nicht angewiesen war.” Parov Stelar werde nicht primär als österreichische Band wahrgenommen. “Das bringt auch einen großen Vorteil mit sich, man kann nicht so schnell eingegrenzt werden auf etwas. Und dieser Freiraum bedeutet: Alles kann und nichts muss.”

“Eine kleine Odyssee in der eigenen Seele”

Musikalisch gesehen könne er weitere Entwicklungen noch nicht abschätzen. “Ich glaube, die guten Dinge passieren im Prozess, die kann man sich nicht vornehmen.” In seinem Fall gebe meist ein Starttrack die Richtung vor, “und die forciere ich dann”, so Füreder. “Aber in den eineinhalb bis zwei Jahren des Schaffensprozesses verändern sich auch die eigenen Geschmäcker und das ist so eine kleine Odyssee in der eigenen Seele. Es ist immer wieder spannend, was am Schluss rauskommt.” Ein Hit lasse sich jedenfalls ebenso wenig planen wie ein Album.

Viele konzerte geplant

Jetzt stehen aber ohnedies die Konzerte an. “Sie sind sicher um einiges anders strukturiert als die vorhergehenden Shows”, verspricht Füreder den Besuchern Neues. “Ich will die Leute nicht nach drei Jahren heimschicken, weil sie uns schon zweimal live gesehen haben. Da muss etwas passieren.” Letztlich sei Musik “etwas höchst Emotionales, und diese Emotion bekommt man eben über dieses Live-Feeling”. Das habe auch Auswirkungen auf das Musikbusiness: “Die Plattenverkäufe gehen runter, das Livebusiness geht rauf. Da wo viel Licht, da auch viel Schatten. Man kann es nicht abstellen, es verändert sich immer nur.”

(APA/Red.)

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