Parov Stelar im Interview: Neues Album mit gänzlich neuer Inspiration

Das neue Album von Parov Stelar erscheint am 21. April.
Das neue Album von Parov Stelar erscheint am 21. April. - © APA/HERBERT P. OCZERET
Am Freitag erscheint das neue Album von Parov Stelar, davor sprach Marcus Füreder über seine neue Inspiration, seine bisherigen Erfolge und wieso er sich auch ein bisschen nach einem normalen Leben sehnt.

An Arbeit mangelt es Marcus Füreder nicht: Der Linzer Musiker sorgt als Parov Stelar seit über Jahren für volle Dancefloors und Konzerthallen, veröffentlicht Alben am laufenden Band und ist auch Dauergast beim Amadeus Award. Am 21. April erscheint mit “The Burning Spider” sein neuestes Werk. Davor sprach Füreder über eine neue Inspiration und den Wunsch nach einem normalen Leben.

Parov Stelar im Interview

Auf dem neuen Album haben Sie Blues und Jazz als Grundlage für Ihre Songs entdeckt. Wie kam es dazu?

Jedes Mal, wenn ein Album fertig ist, stürzt man in ein großes Loch. So war es auch beim Vorgänger “The Demon Diaries”. Du arbeitest zwei Jahre intensiv daran, bist darauf fokussiert – und plötzlich ist dieses Ding fertig. Danach habe ich gewusste, dass ich etwas verändern muss. Mein Ziel war ein Album, das auch ich mir wieder anhören würde. Wenn ich nur meine Electroswing-Linie durchziehe, dann wird es mir zu fad. Und dann hörte ich einen Song von Lightnin Hopkins, “Mojo Hand”, der mich sehr beeindruckt hat. Eine Gitarre, die falsch klingt; ein Typ, der im klassischen Sinn nicht unbedingt singen kann; aber da kommt was rüber in einer Authentizität, die unfassbar ist. Dann habe ich – mit viel Respekt – etwas probiert. So ging das los. Blues mit Tanzmusik.

Die weitere Arbeit hatte wohl viel mit Recherche und Suche zu tun. Wie kann man sich das vorstellen?

Ich bin eingetaucht in diesen Kosmos, habe viel gelesen, auch über Muddy Waters. Leicht hatten es diese Bursche nicht! Da denkst du dir: Hütet euch davor, ein bekannter Musiker zu werden, denen geht es immer schlecht. (lacht) Aber irgendwie hatte es eine Kraft. Ich habe versucht, trotzdem das Positive rauszuholen. Beziehungsweise war es eine positive Melancholie, die der Antrieb war. Ein leicht angenehmes Suhlen im eigenen Armsein sozusagen – aber man hat noch nicht aufgegeben.

War die Verknüpfung von elektronischer Musik und dem Schmerz des Blues schwierig?

Es hat ein sehr respektvolles Zerstören begonnen. Wenn du etwas Neues machen willst, dann musst du das Vorhandene vorher eigentlich kaputt machen. Wir renovieren gerade ein Haus aus dem 14. Jahrhundert. Wir wollten es gerne wieder im Originalzustand herrichten, vielleicht mit ein paar modernen Elementen. Und jetzt stehen nur mehr die Außenmauern. Vor dem Aufbau ist zuerst der Abbruch – und so ist es auch in der Musik. Ich habe die Songs komplett zerschnitten und zerlegt, und dann habe ich versucht, sie wieder zu einem neuen Ganzen zusammenzufügen.

Fällt das mit bestimmten Songs leichter?

Jene, mit denen ich mir besonders schwergetan habe, schafften es meist nicht aufs Album. Man verfranst sich dann irgendwie. Da kann es ein Super-Sample geben, einen tollen Loop, aber dann bekomme ich das Arrangement oder den Aufbau nicht hin. Irgendwann gibst du auf. Aber jene Songs, die drauf sind: Da beginnst du einfach mit einem kleinen Element, hast vielleicht gar keinen Druck, hörst etwas anderes, probierst noch dies und das – und wie selbstverständlich greift alles ineinander. Das ist fast wie Magie. Dinge, die leicht gehen, gehören wohl auch so. Das ist nichts Erzwungenes.

War es ein anderes Arbeiten als bei vorherigen Alben?

Es war für mich vor allem ein sehr befreiendes Arbeiten. Ich wusste, dass ich etwas Neues mache und dachte nicht darüber nach: Darf ein Parov Stelar das machen oder nicht mehr? Natürlich fürchtet man sich davor, wenn es anders klingt, wie die Leute reagieren. Gerade ein Stück wie “Step 2” ist ja beinahe schon ein funkiger Poptrack. Daher war ich überrascht und sehr dankbar, wie es angenommen wurde.

Wie setzten Sie das Album schlussendlich zusammen?

Was mir gefällt, das ändert sich manchmal wöchentlich. Am Schluss muss man sortieren und selektieren. Es war hart. Viele Leute sagen ja: Ein Album interessiert heute ohnehin niemanden mehr, wir sind in einem Trackbusiness. Ich bin da vielleicht altmodisch, denn ich fühle mich als Schriftsteller, der ein Buch schreibt und nicht nur lauter Kurzgeschichten. Ein Album ist die Reflexion eines gewissen Zeitabschnitts, der akustisch sehr intim erzählt wird. Es ist natürlich jedem überlassen, wie er es danach zerpflückt.

Ihre Konzerte wurden zuletzt immer größer und größer. Wo kann das noch hingehen, machen Sie sich diesbezüglich Gedanken?

Darüber denkt man viel nach. Manchmal liegen dir solche Erfolgsetappen sogar im Weg. Klar ist es motivierend, aber gleichzeitig: Je größer das Projekt wird, umso angreifbarer wirst du, es wird mehr Kritik geben. Ich habe mit dem Album insgesamt versucht, das alles auszublenden. So wirklich steuern kannst du das ohnehin nicht. Es wächst einfach. Du selbst kannst nur ehrlich sein und hoffen, dass es jemanden interessiert.

Wie ist das Gefühl, wenn Zehntausende zu den eigenen Stücken tanzen?

Mir macht es Angst. Ich habe immer das Bild von Ikarus vor Augen – geht es noch einen Meter näher zur Sonne oder fängst du schon Feuer? Da weiß man auch selber, dass man das nicht jedes Jahr machen kann, wie beispielsweise die ausverkauften Stadthallen-Konzerte. Bisher hat es geklappt, ist es immer größer geworden. Aber man denkt schon an den Punkt, wo es möglicherweise bergab geht. Von dem muss man sich aber befreien. Wie damals, als Falco seine Nummer 1 in den US-Charts hatte. Alle freuten sich und er meinte nur: “Was soll ich jetzt noch machen?” Mein Papa hat schon immer gesagt: “Hüte dich vor den Ankommenden.” Das stimmt schon, wie beim Pensionsschock. (lacht) Stehst du an so einem Punkt, musst du vielleicht eine andere Ausfahrt nehmen und etwas Neues probieren.

Hatten Sie in den vergangenen Jahren auch mal das Gefühl, dass Ihnen alles zu viel wird?

Schon. Gerade zuletzt ist es ein so großer Apparat geworden, so dass ich mich gerne mehr zurückgezogen hätte. Ich würde gerne wieder kosten, wie ein normales Leben schmeckt. Ich weiß nur nicht, ob ich das noch kann. Einmal Zirkuskind, immer Zirkuskind. Manchmal fühle ich mich wie ein Langzeitarbeitsloser, der einfach nicht mehr vermittelbar ist in ein normales Leben. (lacht)

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

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