Parcours D’Amour – Kritik und Trailer zum Film

Parcours D’Amour – Kritik und Trailer zum Film
Wenn Gino, Eugene und Christiane aus dem schummrigen Pariser Tanzclub “Le Memphis” taumeln, ist es hell draußen. Nicht, weil es schon früher Morgen, sondern weil es noch Nachmittag ist. Die Drei sind jenseits der 80. Das hält sie aber vom Tanzen und der Suche nach Zweisamkeit nicht ab, wie Regisseurin Bettina Blümner in ihrem charmanten Dokumentarfilm “Parcours d’amour” zeigt. Ab Mittwoch im Kino.

Wien. In Pariser Tanzlokalen wie dem “Memphis” oder “Chalet du Lac” treffen sie aufeinander: betagte Singles auf der Suche nach der späten, großen Liebe, gealterte Schwerenöter auf Aufriss sowie betuchte Damen, die mit professionellen “Tanz-Escorts” wie Michel übers Parkett fegen. Michel ist zwar teuer, behandelt seine Tanzpartnerinnen aber mit Respekt, wie diese betonen. Andere, wie die Playboys Gino und Eugene etwa, drücken einen nach ein paar Sekunden schon so fest an sich, dass man gar keine Luft mehr bekommt, wie Christiane und ihre Freundin beklagen. Sie können eben nicht anders bei schönen Frauen, rechtfertigen sich die beiden Altherrenfreunde.

Die deutsche Regisseurin Bettina Blümner (“Prinzessinnenbad”) begleitet ihre Protagonisten über einen Sommer und einen Winter hinweg, lässt sie abseits der Tanzfläche über ihr (Liebes-)Leben sprechen, über ihre – teils schwere, meist vaterlose – Kindheit, über enttäuschte Erwartungen und gescheiterte Ehen. Der Eine öffnet sich dabei mehr als der Andere: So prahlt Eugene mit dem prall gefüllten Fotoalbum seiner Eroberungen, während Gino schwermütig eingesteht, seit einer Operation keine Erektion mehr haben zu können. Christiane hat erst nach ihrer Brustkrebsdiagnose gemerkt, wie sehr sie sich nach einem Partner sehnt, während sich Michel nach einem Leben als Draufgänger endlich mit einer Frau niedergelassen hat.

Kritik zu “Parcours D’Amour”

Auf der in schummriges Licht getauchten Tanzfläche lassen sie all das hinter sich, verstummen, lassen die Tanzbeine sprechen. Blümner filmt sie ganz nah und dann wieder aus der Ferne, wie sie flirten, trinken, tanzen, oder gar in verborgenen Ecken wie Teenager schmusen. Trotz dieser stimmungsvollen Momente ist “Parcours d’amour” weniger ein Film über Tanz, sondern vielmehr über jene, die durch Tanz am Leben festhalten – respektvoll in Szene gesetzt, oft berührend, und vor Energie sprühend. Und nicht zuletzt ein Bild einer bisher verborgenen Pariser Clubszene.

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