Paradies! Paradies! – Trailer und Kritik zum Film

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Paradies! Paradies! – Trailer und Kritik zum Film
In einem von Rosa und Hello Kitty dominierten Kinderzimmer in Kurdistan stellen vier Kinder und Jugendliche eine Enthauptungsszene nach. Als der verhüllte Henker außer Gefecht gesetzt wird, tanzt man zu Eurodance. Von Ver- und Entwurzelung zweier Generationen erzählt das so persönliche wie unterhaltsame Dokulangfilm-Debüt “Paradies! Paradies!” der Nachwuchsfilmerin Kurdwin Ayub.

Wer die Kurzfilme der im Irak geborenen und in Wien aufgewachsenen Filmemacherin und Performancekünstlerin kennt, der schätzt ihr Talent, wunderbar charmant und ironisch mit Erwartungshaltungen und Rollenklischees zu spielen. Während sie beim Großteil ihrer Videominiaturen im Youtube-Stil in die Kamera performt – in “Adele 1” etwa schmettert sie kongenial die Schmachtballade “Someone Like You” -, führte ihre Arbeit “Familienurlaub” sie zu Verwandten nach Erbil, Hauptstadt des kurdischen Autonomiegebietes im Nordirak. Von hier flüchtete Ayub 1991 als Einjährige mit ihrer Familie nach Österreich – und hierher begleitet sie ihren Vater fast 25 Jahre später.

Anlass der Reise: Ayubs Vater Omar, wie seine Ehefrau als Arzt in Wien tätig, will in seiner Heimatstadt eine Wohnung kaufen. Als Investition, aber auch, um in der Pension in dieses “Paradies! Paradies!” auf Erden, wie er euphorisch proklamiert, zurückzukehren. “Wieso so viel ausgeben, wenn wir in Österreich leben?”, fragt Kurdwin Ayub, hier Regisseurin, Kamerafrau und Protagonistin zugleich. Während der Vater Kulinarik, Produkte und Landschaft seiner alten Heimat anpreist und sich durch Wohnungen in vermeintlichen Luxuswohnsiedlungen führen lässt, fühlt sich Ayub hier fremd – ebenso wie ihre Cousinen und Cousins, die mit ihren Eltern aus dem Exil in Deutschland zurückgekehrt sind und sich, ebendort sozialisiert, in ihre deutsche Heimat zurücksehnen.

Paradies! Paradies! – Handlung und Kritik

Konflikte und Missverständnisse zwischen den Generationen, Fragen von Exil und Heimat, von Sicherheit und der Stellung der Frau in der Gesellschaft werden im Laufe der knapp 80-minütigen Doku klug und unterhaltsam verpackt. Kurdwin Ayub entgegnet dem Patriotismus ihres Vaters mit gespielter Naivität; er wiederum begegnet fast jeder ihrer Regieanweisungen mit Skepsis. Mit zunehmendem Verlauf wird der Film persönlicher, politischer – spätestens dann, wenn Omar und Kurdwin mit den als Nationalhelden gefeierten Peschmerga an die Front fahren – “IS-Kämpfer filmen”. Ayub hält skurrile Szenen wie das Posieren ihres Vaters in Tarnjacke und mit Waffe nahe des Kampfgebiets fest, lässt aber auch ihre wachsende Nervosität hinter der Kamera spüren. Und Omar, der mit seiner Familie einst vor dem Krieg flüchtete, muss erkennen, dass militärische Konflikte hier abermals gefährlich nah sind.

Mit “Paradies! Paradies!” ist Kurdwin Ayub ein anarchisches, wirklich lustiges und aufschlussreiches Familienporträt gelungen, das einen zweiten Blick abverlangt – über das vermeintlich harmlose Homemovie und die verklärte Konstruktion von Heimat hinaus. Eine spannende Zukunft als Dokumentarfilmerin ist ihr gewiss.

>> Alle Filmstartzeiten zu “Paradies! Paradies!”

(APA)

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