“Der Ort bleibt geheim”: Fund von
“Nazi-Zug” in Polen offiziell bestätigt

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Angeblich Zug mit Nazigold gefunden - Behörden bestätigen "Fund"
Angeblich Zug mit Nazigold gefunden - Behörden bestätigen "Fund" - © EPA
In Niederschlesien gibt es nicht nur die Legende von Rübezahl. Seit Jahrzehnten kursieren Gerüchte über Schätze und Raubgold in den Tunneln und Stollen der Bergbauregion. Seit Tagen sorgen Gerüchte über einen nun entdeckten Zug voller Nazigold für Aufregung. Nun die offizielle Bestätigung: Der legendenumwobenen “Nazi-Zug” existiert tatsächlich. Nur: Ist er voller Gold?

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Aber von vorne: Vor einer Woche sorgte das Schreiben des Anwalts Jaroslaw Chmielewski an den Gemeindevorstand von Walbrzych (Waldenburg) für Aufregung weit über die Region Niederschlesien hinaus. Die beiden Mandanten Chmielewskis – einer der Männer soll ein Deutscher sein – meldeten Ansprüche auf Finderlohn für einen angeblich von ihnen entdeckten 120 bis 150 Meter langen gepanzerten Zug aus dem Zweiten Weltkrieg an. Ehe ihnen nicht zehn Prozent der angeblichen Edelmetalle und Militaria zugesichert würden, wollten sie keine näheren Angaben machen. Die Berichte über den Fund heizten in Polen Gerüchte um einen “Nazi-Zug” voller Gold und Schmuck an, der gegen Ende des Krieges in der Region verschwunden sein soll.

“Wir sind bereit, Sicherungsmaßnahmen durchzuführen”

In Walbrzych gaben sich die Behörden daraufhin bedeckt: Ja, das Schreiben sei eingegangen, die Angelegenheit werde geprüft. Als völlig abwegig wurde der angebliche Fund in der Bergbaustadt offenbar von Beginn an nicht behandelt; schon vor dieser Bestätigung gab ein Treffen mit Vertretern von Polizei, Feuerwehr und Militär. “Wir sind bereit, Sicherungsmaßnahmen durchzuführen”, sagte eine Polizeisprecherin im Nachrichtensender TVN24.

Nazi-Zug 70 Meter unter der Erde “wahrscheinlich vermint”

Gemeindevorstand Jacek Cichura ging es erst einmal vorrangig um die Sicherheit der Bevölkerung. “Wenn der Zug tatsächlich existiert, ist er wahrscheinlich vermint. Er kann auch eine große Menge (des Grubengases) Methan erhalten” sagte er der “Gazeta Wyborcza”. Die Zeitung berichtete vergangenen Donnerstag unter Berufung auf einen anonymen Informanten, die Schatzsucher hätten den Zug mithilfe von Georadaren in der Umgebung Walbrzychs gefunden. Er soll sich bis zu 70 Meter unter der Erde befinden.

Codename “Riese”

In der Nähe von Walbrzych gibt es eine ganze Reihe unterirdischer Stollen, die die Nazis unter dem Codenamen “Riese” hatten bauen lassen. Geschützt vor Luftangriffen der Alliierten sollten dort ursprünglich Waffen produziert werden. Ein Teil der Stollen ist heute für Touristen offen. Das Tunnelsystem zieht aber auch viele Schatzsucher an. Denn seit Jahrzehnten kursieren Gerüchte um Schätze, die die Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs etwa von ermordeten Juden geraubt hatten und die sie vor dem Ende des Krieges nicht mehr rechtzeitig in den Westen schaffen konnten.

EPA Credit: EPA ©

Mai 1945: Zeitzeugen berichten von Konvoi mit Zeichen der Reichsbank

Ebenfalls am Donnerstag berichtete der Rundfunksender “Radio Wroclaw” von neuen Spekulationen über den Fundort – der Zug befinde sich womöglich unter einer ehemaligen Bahnstation in Walim, wo im Mai heimlich gegraben wurde. Sechs Bohrlöcher wurden auf dem Gelände entdeckt – einen Antrag auf Grabungserlaubnis habe niemand gestellt, so Bürgermeister Adam Hausman. Zeitzeugen zufolge wurde im Mai 1945 in Walim ein Konvoi gesichtet, dessen Wagen die Zeichen der Reichsbank trugen.

“Mich wundert, dass von Gold die Rede ist”

“Das ist ein Fund von Weltrang, vergleichbar mit der Titanic”, trumpfte Anwalt Chmielewski im Gespräch mit Radio Wroclaw auf. Doch dem Juristen geht es eher um die historische Bedeutung. “Mich wundert, dass von Gold die Rede ist”, sagte er. “Niemand weiß, was im Inneren (des Zuges) ist. Das kann ganz gewöhnliches Industriematerial sein.” Über seine Klienten schweigt sich der Anwalt aus. Er wisse doch eigentlich gar nichts über den Fall, versichert er aufgeregten Journalisten. “Ich habe nur eine Rechtsberatung gegeben.”

Lokalhistorikerin: Zwei Züge mit Nazigold verschwanden um Walbrzych

Joanna Lamparska, niederschlesische Lokalhistorikerin, verwies darauf, dass in der Region um Walbrzych gleich zwei Züge mit Nazi-Gold in der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs verschwunden sein sollen. So jedenfalls erzählt es die örtliche Legende. “Niemand konnte jemals die Existenz dieses Zuges beweisen”, warnte sie im Gespräch mit TVN24 vor überhöhten Erwartungen – auch wenn ein tatsächlicher Fund eines deutschen Zuges eine “unglaubliche Entdeckung” wäre.

Legendäres Bernsteinzimmer in Niederschlesien versteckt?

Ganz neu ist Schatzsuche in den Tunneln und Schächten Niederschlesiens nicht. In der Nähe von Walbrzych befand sich während des Zweiten Weltkriegs ein weitreichendes Tunnelsystem. Wegen der Luftangriffe in der Endphase des Krieges sollte Industrieproduktion unter die Erde verlagert werden.

Poland Nazi Train Credit: AP/ str ©

Vor Jahren machten bereits einmal Gerüchte die Runde, dass sich das legendäre Bernsteinzimmer in der Region befinden könnte, etwa in einem Tunnel mit Verbindung zum Fürstenschloss von Walbrzych. Bisher wurde nichts gefunden. Auch nun blühen wieder Spekulationen. So werden einmal bis zu 300 Tonnen Gold in dem geheimnisvollen Zug vermutet, einmal eine Ladung Diamanten.

FILE POLAND WALBRZYCH NAZI GOLD Das Fürstenschloss von Walbrzych. EPA ©

“Meiner Meinung nach ist noch niemand auf die Spur des Zuges gestoßen”

Andrzej Gaik, der heute Touristen durch das alte Fürstenschloss von Walbrzych führt, glaubte jahrelang an die Legende vom “goldenen Zug” und ging auf Schatzsuche – vergeblich, wie er am Mittwoch im polnischen Fernsehen einräumte. “Meiner Meinung nach ist noch niemand auf die Spur des Zuges gestoßen”, sagte er voller Skepsis.

“Der Ort bleibt geheim”: Behörden bestätigen “Fund”

Seit Tagen sind die Relikte des Projekts “Riese” nun in den Schlagzeilen. Zweifel bei den einen, für andere von vornherein eine mit Hoffnung durchwobene Sensation. Am Mittwochabend folgte, womit vermutlich selbst letztere kaum gerechnet hätten: die offizielle Bestätigung der Existenz des legendenumwobenen “Nazi-Zugs” in Niederschlesien.

“Der Ort bleibt geheim”, konstatierte Zygmunt Nowaczyk, Vize-Bürgermeister von Walbrzych. Dabei vermied er jedoch eines: Von einem Zug zu sprechen. Oder gar von einem Zug voller Gold oder einer Ladung Diamanten. Denn was sich tatsächlich darin befindet, darüber darf noch eine Weile spekuliert werden. 

Stattdessen benutzte Nowaczyk das Wort “Fund”. Und er stellte umgehend klar, dass der “Fund” unabhängig von seinem Wert dem polnischen Staat gehöre. Der Anwalt der beiden Finder, Jaroslaw Chmielewski, sagte, die “staatlichen Instanzen” müssten entscheiden, was aus dem “Fund” werde. (red-jim/dpa/APA)

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