Orkantief "Franz" wütete in Europa

Orkantief "Franz" wütete in Europa
Entwurzelte Bäume, umgestürzte Lastwagen und stürmische See: Orkantief “Franz” hat in der Nacht auf Freitag über Europa gewütet und mindestens sieben Menschen in den Tod gerissen.

In Deutschland tobte der Sturm mit Windgeschwindigkeiten von 140 Stundenkilometern vor allem an der Küste, das Unwetter verursachte aber nach Polizeiangaben vergleichsweise geringe Schäden. Im Hamburger Hafen wurde der Fischmarkt überschwemmt. Die Halligen an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste meldeten „Landunter“. Der Fährverkehr an der Ost- und Nordsee wurde teilweise eingestellt.

Vor der Küste Irlands ertranken mindestens fünf Fischer bei stürmischer See. „Es hat nur Sekunden gedauert, bis die aufgewühlte See die „Pere Charles“ verschlungen hat“, sagte ein Einsatzleiter der irischen Küstenwache. Acht Stunden später verlor die Besatzung der „Honey Dew II“ ihren Kampf gegen die Atlantikwellen. Männer eines Rettungsschiffes zogen zwei der vier Männer der „Honey Dew“ aus der tobenden See. Die anderen beiden wurden vermisst. In Großbritannien war schon am Donnerstag ein Autofahrer von einem umstürzenden Baum erschlagen worden.

Die Chancen, die sieben vermissten Seeleute aus Irland, Litauen und Polen lebend zu finden, wurden von den Rettungsdiensten nur noch als gering eingeschätzt. „Leider sieht es so aus, als ob wir nur noch nach Leichen suchen“, sagte die Sprecherin der Küstenwache, Veronica Scanlan. Mehr als 24 Stunden nach dem Unglück sei eine dritte Rettungsinsel leer gefunden worden.

Zwei vor Großbritannien in Seenot geratene Schiffe mit insgesamt 103 Menschen an Bord wurden von Rettungsschiffen ins Schlepptau genommen. „Beide Schiffe werden in sichere Häfen gebracht, niemand wurde verletzt“, sagte ein Sprecher der britischen Küstenwache.

An der französischen Nordküste tobte der Orkan mit mehr als 120 Stundenkilometern und brachte den Schiffsverkehr von und nach Calais zum Erliegen, mehrere tausend Haushalte waren zeitweise ohne Strom. Eine Schule mit 600 Schülern in Boulogne-sur-Mer wurde evakuiert, weil der Sturm Teile des Daches weggerissen hatte. In Belgien verunglückte am Donnerstag auf der Autobahn von Brüssel nach Lüttich ein Autofahrer in dem Sturm tödlich.

In Hamburg erreichte die Flut am Freitagmorgen mit 2,68 Metern über dem mittleren Hochwasser ihren Höhepunkt. Der Fischmarkt und ein Bürohaus standen unter Wasser. Die Speicherstadt und das nördliche Elbufer wurden gesperrt, Autos aus der Gefahrenzone abgeschleppt. In Nordfriesland meldeten die Halligen „Landunter“. Helgoland war am Freitag weiter vom Festland abgeschnitten.

Die deutsche Versicherungswirtschaft zeigte sich gelassen: Die Branche werde vermutlich nicht mit größeren Sachschäden konfrontiert, sagte eine Sprecherin der Hannover Rück. Dabei handele es sich aber um eine vorläufige Einschätzung. Ähnlich äußerte sich auch die Münchener Rück.

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