ORF-“Sommergespräche”-Moderator Tarek Leitner will “Gang zurückschalten”

Moderator Tarek Leitner bedauert Absage Stronachs
Moderator Tarek Leitner bedauert Absage Stronachs - © ORF/Thomas Ramstorfer
Als Moderator der ORF-“Sommergespräche” will Tarek Leitner seinen Gästen die Möglichkeit geben, in einer “politisch turbulenten Zeit einen Gang zurückzuschalten”. Er plant Gespräche, “in denen man einen Bogen spannen, ein paar Gedanken entwickeln kann.”

Dies sagte Leitner der APA. Die Absage Frank Stronachs bedauert er, dessen Rückblick auf seinen Ausflug in die Politik hätte “erhellend sein können”.

Bedauern über Stronach-Absage: “Hätte sehr erhellend sein können”

“Ich hätte gerne mit ihm gesprochen”, auch, um Bilanz zu ziehen und einen “Blick auf unser politisches System” zu werfen: “Ich denke, das hätte sehr erhellend sein können, wie unser politisches System funktioniert, woran man scheitern kann, was die großen Unterschiede sind darin, in einem Unternehmen – in seinem Fall ein Weltkonzern – erfolgreich zu sein oder als Führer einer Oppositionspartei”. Dass Stronach mit der Begründung absagte, keine “faire Behandlung” vom ORF erwarten zu können, kommentiert Leitner so: Ursprünglich habe der scheidende Parteigründer ja zugesagt – und zu diesem Zeitpunkt hätten “all diese Gründe, die er jetzt für die Absage anführt, auch schon bestanden”.

ORF-“Sommergespräche” haben eine lange Geschichte

Statt Stronach lädt der ORF nun kommenden Montag Bürgerinnen und Bürger ins “Sommergespräche”-Studio vor dem Parlament. So etwas habe man jedenfalls geplant, nun nütze man die Studiozeit. “Ich möchte ungefiltert hören, was die Menschen denken über die Entwicklung unserer Gesellschaft, die Politik in Österreich”, sagt Leitner. Und auch darüber, wie sie diese Themen medial vermittelt bekommen. Das Ergebnis wird in der TVthek sowie im Facebook-Channel der “ZiB” zu sehen sein.

Die “Sommergespräche” haben eine lange Geschichte. “Man kann sie nicht richtig machen, man kann sie nur machen”, ist das Credo des ZiB 2-Anchormans. Die Herangehensweise der Interviewer hänge weniger von unterschiedlichen Vorstellungen von Journalismus ab sondern vom persönlichen Gesprächsstil. “Die Funktion des Formats hat sich verändert”, findet Leitner auch. Waren sie früher quasi dazu gedacht, ein paar Schlagzeilen fürs Sommerloch zu finden, “gibt es heute kaum noch Gelegenheiten, wo wir eine knappe Stunde Zeit haben, um ein bisschen in die Tiefe zu gehen”. Leitner will “auch das ergründen, was mit dem etwas veralteten Begriff Ideologie zu umschreiben ist: Da steckt das Wort Idee drinnen.” Die “Idee” hinter dem Politiker interessiert ihn.

Tarek Leitner fürchtet keine Ermüdung beim Publikum

Erstmals finden die “Sommergespräche” auch in einem Wahlkampf-Jahr statt, das heißt zusätzlich zu – sehr vielen – TV-Konfrontationen der Spitzenkandidaten. Eine Gefahr der Ermüdung beim Publikum sieht Leitner aber nicht: “Da bin ich guter Dinge, denn die Zuseherzahlen bei all diesen Sendungen in Vorwahlzeiten zeigen: Das Interesse ist da.” Leitner wird – gemeinsam mit Claudia Reiterer – die Konfrontationen ebenfalls moderieren. Auch das ein Grund, warum er das “Sommergespräch” anders und hintergründiger anlegen will. Grundsätzliche Fragen hier, konkrete Festlegungen in Detailaspekten da, lautet sein Zugang.

Turbulente Zeiten und Angriffe auf Interviewer

Die TV-Information des ORF hat turbulente Zeiten und Angriffe auf Interviewer hinter sich. “Die Art und Weise, wie man sein Handwerk macht, kann nicht jedem in gleicher Weise gefallen”, meint Leitner, dazu gefragt. “Aber Erkenntnis zu gewinnen und Klarheit zu schaffen zählt zu den wichtigen Aufgaben, die wir zu erledigen haben.” Kritik sei legitim, “aber was man nicht aushalten muss, das ist die Hetze” vor allem in den sogenannten sozialen Medien. Und besteht tatsächlich die Gefahr, dass die Parteien ihren Druck auf den ORF erhöhen? Darauf antwortet der ORF-Journalist diplomatisch: “Ich gehe davon aus, dass eine neue Regierung ganz sicher viele Ideen hat, wie sie die Rahmenbedingungen für das Arbeiten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gestalten wird.”

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(apa/red)

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