Opferverbände besuchen Srebrenica

Opferverbände besuchen Srebrenica
Mehrere Verbände von Angehörigen der Opfer des Massakers von Srebrenica haben am Montag die Schauplätze des 14 Jahre zurückliegenden Völkermordes in Ost-Bosnien besucht und Blumen niedergelegt.

Die bosnisch-serbischen Behörden ließen laut Medienberichten zum ersten Mal seit Kriegsende (1992-95) auch Besuche in den Ortschaften Karakaj, Kozluk und Pilica zu.

Nach Einnahme der UNO-Schutzzone Srebrenica am 11. Juli 1995 hatten Truppen der bosnischen Serben rund 8.000 bosniakische (muslimische) Einwohner in der Umgebung der ostbosnischen Stadt ermordet. Der verantwortliche Militärchef Ratko Mladic ist weiterhin flüchtig. Auf dem Erinnerungsfriedhof in Potocari wurden am Samstag 534 im Vorjahr identifizierte Srebrenica-Opfer beerdigt.

Die Vertreterinnen der Verbände “Bewegung der Mütter der Enklaven Srebrenica und Zepa”, “Mütter von Srebrenica”, “Frauen der Drina-Region” (Podrinje) und “Frauen von Srebrenica” besuchten auch das Fußballstadion in Nova Kasaba und das Landgut in Kravice, wo im Juli 1995 rund 1.000 Einwohner Srebrenicas erschossen worden waren. Die Kundgebungen wurden von bosnisch-serbischen Polizisten bewacht. Es gab keine Zwischenfälle – anders als am Sonntagabend, als es nach Provokationen der serbischen nationalistischen Organisation “Antlitz” (Obraz) fast zum Zusammenprall mit lokalen Bosniaken gekommen wäre.

Anhänger der Organisation waren in mehreren Autos angereist und hatten im Stadtzentrum mit Rufen wie “Dies ist Serbien” provoziert, worauf Bosniaken lautstark “Das ist Bosnien” erwiderten. In Polizeibegleitung musste die serbische Gruppe die ostbosnische Kleinstadt wieder verlassen.

Einen Tag nach der Gedenkfeier in Potocari gedachten am Sonntag auch bosnische Serben in der naheliegenden Grenzstadt Bratunac ihrer Kriegsopfer. In der Region Ostbosniens kamen während des dreijährigen Krieges auch 3.267 bosnische Serben, darunter Zivilisten, ums Leben.

Das schwerste Verbrechen an bosnisch-serbischen Zivilisten wurde am 7. Jänner 1993 angerichtet, als die Truppen des damaligen Kriegskommandanten von Srebrenica, Naser Oric, in den frühen Morgenstunden des serbisch-orthodoxen Weihnachtstages die Ortschaft Kravice überfielen. 48 Einwohner, darunter viele Greise und Kinder, wurden getötet. Oric wurde im Vorjahr vom UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag vom Vorwurf der Kriegsverbrechen freigesprochen, was heftige Proteste in Russland, Serbien und der bosnisch-serbischen Republik auslöste

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