Opernball-Proteste und massive Ausschreitungen: Eine Chronologie

Auch im Jahr 2000 fand eine Opernball-Demonstration statt.
Auch im Jahr 2000 fand eine Opernball-Demonstration statt. - © APA/Hans Klaus Techt (Archiv)
1987 fand der erste Protest während des Wiener Opernballs statt, ein jahr später richtete sich die Demonstration gegen den Ball selbst. Eine Chronologie der Opernball-Demos und warum es in den letzten Jahren so ruhig war.

Am Anfang stand Franz-Josef Strauß. Weil der bayerische CSU-Ministerpräsident massiv den Bau der atomaren Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf betrieb und wie jedes Jahr den Wiener Opernball besuchte, gab es 1987 – vor 30 Jahren – zum ersten Mal Proteste rund um den Opernball. Und schon bei der ersten Auflage berichtete die APA von “massiven Ausschreitungen” bei der angemeldeten Demo.

Es flogen Steine, die Polizei setzte Schlagstöcke ein. Der damalige Grünabgeordnete Manfred Srb sprach von “Sauerei” und “Polizeistaat”. Es gab mehrere Verletzte und rund 40 Festnahmen. Die Grünen erhoben massive Vorwürfe gegen die Exekutive, die wahllos Personen verprügelt, niedergestoßen und durch die Stadt gejagt hätte. Der damalige Innenminister Karl Blecha (SPÖ), heute Chef des SP-Pensionistenverbandes, verteidigte den Einsatz. In der Oper warfen Atomgegner bei der Eröffnung Flugblätter in den Ballsaal und entrollten ein Transparent.

1988 richtete sich der Protest erstmals gegen den Ball selbst. Trotz eines Demo-Verbotes der Polizei versammelten sich zwischen 2.500 (Angaben der Exekutive) und 4.000 (Veranstalter) vor dem Sangeshaus. Es gab zwar vereinzelt Zusammenstöße, blieb aber im Vergleich zum Vorjahr und den beiden darauffolgenden Jahren relativ ruhig.

1989 – Molotov-Cocktails und Auto als Prellbock

1989 tauchte erstmals die Parole “Eat the Rich” bei der Opernballdemo auf. Es folgte einer der gewalttätigsten Proteste überhaupt. Zwar war ein Protestzug genehmigt worden, zwei weitere wurden jedoch untersagt. Es flogen Molotow-Cocktails, Steine, Farbbeutel und Knallkörper gegen die Polizei, diese setzte ihrerseits Tränengas, Wasserwerfer und Schlagstöcke ein. Die Demonstranten stoppten einen Ballbesucher in einem Mercedes. Der Lenker brachte sich in Sicherheit, die Limousine wurde daraufhin als Prellbock gegen die Polizeisperren benutzt. Am Ende standen mehrere Dutzend Verletzte auf beiden Seiten und zwölf Festnahmen.

Ein Jahr später, am 22. Februar 1990, gab es am Beginn der angemeldeten Opernballdemo Blumen für die Polizei. Doch wie schon in den Jahren zuvor wurde es eine lange und gewalttätige Nacht. Erneut waren Dutzende Verletzte zu beklagen, zehn Personen wurden festgenommen. Das Resümee lautete: So arg wie 1989 waren die Krawalle nicht.

1991 – Kein Opernball – Demo fand trotzdem statt

1991 stellte eine Zäsur dar: Wegen des ersten Golfkrieges wurde der Opernball abgesagt – nicht aber die Demo. 300 Demonstranten standen einer Übermacht an Polizisten gegenüber. Die folgenden Jahre waren davon gekennzeichnet, dass sich immer weniger Manifestanten bei den Opernballdemos einfanden und diese auch weitgehend friedlich blieben.

2000: 15.000 Opernball-Demonstranten

Erst das neue Jahrtausend und der Wechsel von der großen zur ÖVP-FPÖ-Koalition brachte wieder Brisanz in die Proteste gegen den Opernball. Im Jahr 2000 kamen plötzlich 15.000 Teilnehmer zur Opernballdemo, nachdem in den beiden Jahren davor sich gerade noch an die 20 Manifestanten eingefunden hatten. Es blieb aber weitgehend friedlich. Anders 2001, obwohl die Teilnehmerzahl deutlich gesunken war: 42 Festnahmen und deutlich mehr als 20 Verletzte, lautete die Bilanz nach einer Nacht mit Krähenfüßen, Pflastersteinen, brennenden Müllcontainern und Schlagstöcken.

Bereits 2002 war es wieder deutlich ruhiger: Zwar kam es noch vereinzelt zu Scharmützeln zwischen einigen der rund 1.000 Demonstranten und der Polizei, große Auseinandersetzungen gab es jedoch nicht. Ähnlich war es 2003, obwohl die Polizei rund 60 Personen festnahm. 2004 war endgültig erkennbar, dass die Proteste rund um die Oper wieder abflauen. Die Zahl der Teilnehmer sank und tendierte in den vergangenen Jahren gegen null. 2010 gab es zum ersten Mal in diesem Jahrtausend kein Platzverbot um die Oper.

2017: Erste Opernballdemo seit Jahren

2012 schrieb die APA schließlich, dass der Opernball als Protestgrund ausgedient habe. Bis 2017: Erstmals gibt es heuer wieder eine Demo-Anmeldung, für die in größerem Rahmen mobilisiert wird. Einen Grund für ein Platzverbot sieht die Polizei dennoch nicht. Die Organisatoren planen nicht einmal, den Protest zur Staatsoper zu tragen.

(APA)

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