Opernball: Gewinnträchtige Tradition

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Opernball: Gewinnträchtige Tradition
Der Name „Opernball“ ist inzwischen als Marke registriert – und die Organisatorin Elisabeth Gürtler tut alles, um diesem Label auch den konservativen Glanz zu erhalten, mit dem es inzwischen weltweit in Verbindung gebracht wird.

Dass mit Elisabeth Gürtler eine Diplomkauffrau das Opernball-Steuer übernommen hat, macht sich nicht nur bei den satten Gewinnen der Abende in der Staatsoper bemerkbar. Der Name „Opernball“ ist inzwischen als Marke registriert – und die Organisatorin macht alles, um diesem Label auch den konservativen Glanz zu erhalten, mit dem es inzwischen weltweit in Verbindung gebracht wird. Und so setzt man auch 2004 vor allem auf Bewährtes. „Man muss das Gute nicht verändern, nur verbessern“, sagte Gürtler bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien. Mit diesem Konzept dürfte sie nicht falsch liegen: Der Ball am 19. Februar ist seit September restlos ausverkauft, die Logen für kommendes Jahr sind allesamt bereits vergeben.

Traditionell-konservativer Ball mit Künstlern im Mittelpunkt

Das Konzept eines traditionellen Balles mit den Künstlern der Oper im Mittelpunkt hat inzwischen voll gegriffen. So sucht man heuer – wohl auch Dank des „sehr seriösen“ Gastes von Richard Lugner in der Person der US-Schauspielerin Andie MacDowell – vergeblich nach Skandälchen oder Aufgeregtheiten. Die Probleme, mit denen sich die Organisation herumschlagen mussten, waren vielmehr, ob die Blumen, mit denen das Sangeshaus geschmückt wird, auch unter „ethisch korrekten“ Bedingungen verarbeitet wurden oder wie man es schafft, dass die Debütanten-Pärchen nicht um die besten Plätze streiten.

Letzteres wird heuer übrigens mittels Los entschieden. Unter jenen Pärchen, die nicht auf Grund der Bekanntheit ihrer Eltern in günstige Kamerapositionen gerückt werden müssen, werden die Plätze gezogen. Die Blumen verlangten hingegen einiges an Organisation: Da der Vorjahressponsor heuer nicht 60.000 Rosen zur Verfügung stellte, mussten die Veranstalter Ersatz suchen. Ein holländisches Unternehmen wird nun 15.000 Rosen spendieren, die mit österreichischen Tulpen gemixt werden.

Das Programm des dieses Mal in rot-violett gehaltenen Balles: Nach der Fanfare, den Hymnen und der Fächer-Polonaise von Carl Michael Zierer, bei dem auch der erste Teil des Jungdamen- und Jungherrenkomitees einzieht, folgt die Carmen-Quadrille von Eduard Strauß. Dazu tanzen Solisten und der Corps de ballet des Wiener Staatsopernballetts eine Choreografie von Renato Zanella.

Danach singt Michael Heltau ein Medley „Auf Wien“ mit Werken von Franz Lehar, Robert Stolz und Hermann Leopoldi. Richtiggehend fetzig wird die Hopser-Polka von Johann Strauß Sohn, die Zanella für die Ballettschule der Staatsoper choreografierte. „Das ist beinahe Hip-Hop“, schmunzelte der Chefchoreograf. Ein weiterer Höhepunkt: Die junge Diva Anna Netrebko schmachtet bei dem Lehar-Lied „Meine Lippen, sie küssen so heiß“.

Ein Besuch am Opernball macht sich alleine wegen der Spenden bezahlt. Die Damen erhalten heuer eine Schale der Porzellanmanufaktur Augarten. Die Firma Mattel sorgt dafür, dass kein Frackträger ohne weibliche Begleitung nach Hause gehen muss: Die Herren bekommen eine extra für den Abend kreierte Opernball-Barbiepuppe an die Seite.

Gewinnerwartung von über einer Million Euro

Einer braucht allerdings keinerlei Spenden, um mit einem Gewinn nach Hause zu gehen. Der Kaufmännische Geschäftsführer der Wiener Staatsoper, Thomas Platzer, erwartet heuer „bei aller kaufmännischen Vorsicht“ wieder einen Gewinn von über einer Million Euro für die Staatsoper.

Der ORF übertragt den Ball über mehrere Stunden. Ab 20.15 Uhr führen Arabella Kiesbauer und Alfons Haider durch den Abend. Erst gegen 0.30 Uhr nach der Mitternachtsquadrille können die Besucher – vor allem die Stargäste Andie MacDowell, der ehemalige Bürgermeister von New York, Rudolph Giuliani, sowie der Moskauer Bürgermeister, Juri Luschkow – ganz unbeobachtet über das Parkett schweben.

Redaktion: Elisabeth Skoda

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