ÖVP-Spitzenkandidat Figl: “Das muss Stenzel mit ihrem Gewissen ausmachen”

Von Jennifer Schindl
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Markus Figl im VIENNA.at-Interview.
Markus Figl im VIENNA.at-Interview. - © Markus Figl
Nach Ursula Stenzels überraschendem Wechsel von der ÖVP zur FPÖ wurde gespannt eine Reaktion von Markus Figl, ÖVP-Spitzenkandidat für den 1. Wiener Gemeindebezirk, erwartet. VIENNA.at hat mit ihm gesprochen und interessante Antworten erhalten.

Wir haben mit Markus Figl über Ursula Stenzels Partei-Entscheidung und seine großen Ziele für die Wiener Innenstadt gesprochen. Der ÖVP-Spitzenkandidat für den 1. Bezirk über Ursula Stenzels Gewissen, ihre Veränderung und über seine trendwidrigen Urbanitätspläne:

VIENNA.at: Kam Ursula Stenzels Entscheidung für Sie überraschend?

Markus Figl: Ja, und ich bin auch ziemlich entsetzt darüber, dass sie zu einer Partei geht, die in Wirklichkeit für das Gegenteil von dem steht, wofür Ursula Stenzel bisher gestanden ist.

Sie können ihren Wechsel also nicht nachvollziehen?

Nein, den Wechsel kann ich nicht nachvollziehen, und ich finde auch, dass diese Entscheidung ein Verrat an den Bewohnerinnen und Bewohnern ist, da sie bisher völlig anders als die FPÖ aufgetreten ist –  und sich auch ganz anders zur Wahl gestellt hat.

Glauben Sie, Stenzel wird bei den Freiheitlichen etwas bewegen können?

Das kann ich nicht beurteilen, klar ist aber, dass sie den Anspruch auf den Bezirksvorsteher aufgegeben hat, denn sonst würde sie nicht bei den Freiheitlichen an dritter Stelle für die Gemeinderatswahl kanditieren.

Hatte die ÖVP keine Perspektive mehr für Stenzel zu bieten? Was hat sie zum Wechsel bewegt?

Wir haben in den vergangenen zwei Jahren zahlreiche Gespräche mit ihr geführt. Dabei hat sie uns gesagt, dass sie vor hat, aufzuhören. Als die Entscheidung dann feststand, war plötzlich alles anders. Sie hätte jede Möglichkeit gehabt, zu sagen, dass sie erneut antreten möchte – sowohl im Parteivorstand, bei dem sie nicht war, als auch im Gespräch mit mir, eine Woche vor dem Nominierungsvorstand. Das hat sie alles nicht getan. Im Vorstand wurde eine eindeutige Entscheidung getroffen: Einstimmig bin ich von der ÖVP bereits im November zum Spitzenkandidaten nominiert worden – das ist für mich Verpflichtung und Auftrag.

Ursula Stenzel sagte in einem Interview: “Ich bin die Gleiche geblieben, die anderen [die ÖVP] haben sich verändert” – was meinen Sie dazu?

Mit diesem Schritt finde ich schon, dass sie sich sehr verändert hat. Sie war eine der pro­non­ciertesten Pro-Europa-Politikerinnen der ÖVP. Deshalb ist sie auch mit so hoher Zustimmung ins Europa-Parlament gewählt worden. Die FPÖ vertritt genau das Gegenteil, daher verstehe ich diesen Schritt nicht, aber das muss sie mit ihrem Gewissen ausmachen.

Sie schreiben in Ihrer Aussendung, die FPÖ sei “eine gefährliche Bedrohung für den Bezirk” – wieso?

Die ÖVP möchte, dass die Wiener Innenstadt weiterhin ein bewohnter Bezirk bleibt – also ein Stadtkern, der auch lebt und Urbanität ausstrahlt. Die FPÖ steht für das Gegenteil.

Die FPÖ ist laut Umfragen derzeit im Aufwind, in der Steiermark und im Burgenland konnten die Blauen große Erfolge verbuchen, wird das in Wien im Oktober auch so sein?

Ich möchte nur für die Wiener Innenstadt sprechen: Bei der letzten Wahl konnte die FPÖ lediglich zehn Prozent im 1. Bezirk verbuchen, das ist eine ganz andere Dimension als auf anderen Ebenen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass für die Partei hier eine reelle Chance besteht, so stark zuzulegen.

Was sind Ihre großen Ziele für die Wiener Innenstadt in Hinblick auf die Wahl?

Es gibt die internationale Tendenz, dass Stadtkerne zunehmend aussterben. Ich möchte aber, dass die Innere Stadt ein bewohntes Stadtzentrum bleibt. In den vergangenen Jahrzehnten hat der 1. Bezirk einen Verlust-Trend verzeichnen müssen und auch die Zukunftsprognosen besagen, dass – trotz Bevölkerungszuwachs in der Stadt Wien – die Bewohnerzahl in der Wiener Innenstadt weiter abnehmen wird. Dem möchte ich entgegenarbeiten. Wien braucht einen bewohnten Stadtkern. Das ist das große Ziel, die Vision und dafür kämpfen wir mit einer Fülle von Maßnahmen, die notwendig sind, um die Lebensqualität für die Bewohnerinnen und Bewohner zu erhalten und auszubauen.

Welche Maßnahmen werden dazu gesetzt?

Im Verkehrsbereich haben wir das Anrainerparken durchgesetzt, die City-Busse sollen erhalten und zur besseren Anbindung an die anderen Bezirke ausgebaut werden und ein bereits vorgestelltes Familienpaket soll den Bezirk lebenswerter für alle Generationen machen. Dazu gehören familienfreundliche Parkanlagen, ein barrierefreies Bewegen mit Kinderwägen und ein Angebot von betreuten Wohnoptionen für Senioren.

Können die Wähler sich sicher sein, dass Sie bei der ÖVP bleiben?

Mein Familienname und meine Herkunft sind dafür eine gute Garantie. Ich habe mich bereits in den 1990er Jahren dazu entschieden, der Partei beizutreten. Da hat die ÖVP auf allen Ebenen verloren und es hat geheißen, die Partei sei am Ende. Ich habe mir das sehr gut überlegt und trotzdem alle anderen möglichen Optionen ausgeschlossen. Die Menschen können sich 100%ig sicher sein, dass die ÖVP meine Heimat ist  – Für alle die mich kennen, ist das selbstverständlich.

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