Österreichischer Buchpreis geht an Eva Menasse

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Holt Robert Menasse nach dem Deutschen auch den heimischen Buchpreis?
Holt Robert Menasse nach dem Deutschen auch den heimischen Buchpreis? - © APA (dpa)
Auch der Österreichische Buchpreis geht an ein Mitglied der Familie Menasse. Einen Monat, nachdem ihr Bruder Robert für seinen Roman “Die Hauptstadt” mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde, erhielt Eva Menasse am Dienstagabend für ihren Erzählband “Tiere für Fortgeschrittene” den Österreichischen Buchpreis. Den Debütpreis erhielt Nava Ebrahimi für ihren Roman “Sechzehn Wörter”.

Die von der Gruppe “Mischwerk” musikalisch umrahmte Verleihungszeremonie vor rund 300 geladenen Gästen im Burgtheater-Kasino hatten die beiden Burgschauspieler Dorothee Hartinger und Philipp Hauß als Moderatoren ganz unter das Motto “Torquato Tasso” gestellt. Minister Thomas Drozda (SPÖ), Wiens AK-Direktor Christoph Klein, Buchhandels-Präsident Benedikt Föger, die Jurysprecher und schließlich auch die Preisträgerinnen mussten aus Goethes Schriftstellerdrama hergeleitete Fragen beantworten.

Erst Siegerin Eva Menasse erhielt Gelegenheit zu freier Rede. Dies nutzte sie, um sich u.a. bei ihrem Bruder, aber auch bei den Erfindern des im Vorjahr erstmals vergebenen Österreichischen Buchpreises zu bedanken. Anders als sein deutsches Pendant gelte dieser nämlich nicht nur für Romane, sondern sei ausdrücklich für alle literarische Gattungen offen – ein Lob, das der “Preiserfinder” Ex-Kulturminister Josef Ostermayer besonders gerne hört.

“Mit dem Österreichischen Buchpreis 2017 wird ein Erzählband ausgezeichnet, der auf pointierte und stilistisch ausgefeilte Weise zeigt, dass auch in der kleinen Form die großen zwischenmenschlichen und gesellschaftspolitischen Themen verhandelt werden können”, hieß es in der Jurybegründung. “Eva Menasse schaut in ‘Tiere für Fortgeschrittene’ mit präzisem, zugleich emphatischem und unsentimentalem Blick auf heutige Beziehungen und deren Abgründe – um die Frage, wie wir in der Familie zusammenleben wollen, geht es dabei genauso, wie um die Möglichkeiten eines sozialen Miteinanders.” Sie verstehe es, “ihre Charaktere zu sezieren, ohne sie zu denunzieren, vielmehr bringt sie diese in der ihr eigenen Schönheit und Tragik zum Sprechen”.

Die fünfköpfige Jury – bestehend aus der Buchhändlerin Petra Hartlieb, dem Germanisten Klaus Kastberger sowie den Journalisten Klaus Nüchtern, Kristina Pfoser und Wiebke Porombka – hatte insgesamt 141 belletristische, essayistische, lyrische und dramatische Werke gesichtet. Neben Eva Menasse waren Robert Menasse (“Die Hauptstadt”), Paulus Hochgatterer (“Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war”), Brigitta Falkner (“Strategien der Wirtsfindung”) und Olga Flor (“Klartraum”) auf die Shortlist für den mit 20.000 Euro dotierten und heuer zum zweiten Mal vergebenen Preis gekommen. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an Friederike Mayröcker.

In ihrem Debütroman “Sechzehn Wörter” erzählt die 1978 in Teheran geborene und seit fünf Jahren in Graz lebende Nava Ebrahimi anhand von systematisch ausgewählten Begriffen sechzehn Facetten einer iranisch-deutschen Familiengeschichte. “Mit viel Witz und abseits gängiger folkloristischer Klischees schildert die Autorin das Ineinander der Kulturen in einer ebenso unangestrengten wie hellsichtigen Sprache. Ebendieser Tonfall und ihre Beobachtungsgabe sind es, die erhoffen lassen, dass Nava Ebrahimi mit ihren folgenden Büchern auch in Zukunft neue Horizonte erschließen wird”, befand die Jury, die ihr den mit 10.000 Euro dotierten Debütpreis zuerkannte.

(APA)

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