“Objektiv 2015”: Pressefotos des Jahres wurden zum 10. Mal ausgezeichnet

Das Siegerbild in der Kategorie Chronik von Daniel Schaler mit dem Titel "Hausbesetzung?! Welche Hausbesetzung?"
Das Siegerbild in der Kategorie Chronik von Daniel Schaler mit dem Titel "Hausbesetzung?! Welche Hausbesetzung?" - © APA/DANIEL SCHALER
Zum 10. Mal wurde am Donnerstagabend der österreichische Pressefotopreis “Objektiv” verliehen. Mit dabei: Eine Frauenquoten-geplagte Ministerin, Hausbesetzer, Kinder mit schweren Behinderungen und die Leiterin der Hypo-Untersuchungskommission als Lichtgestalt.

Großer Gewinner beim von der APA – Austria Presse Agentur und Canon Österreich initiierten Preis war “Standard”-Fotograf Christian Fischer.

“Standard”-Fotograf Fischer gewann Hauptpreis

Fischer gewann den Hauptpreis sowie die Kategorie Innen- und Außenpolitik. Für die Jury war Fischers Foto von Bildungs- und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek am Rande einer SPÖ-Sitzung zur Frage der Frauenquote in der Partei eine “perfekte Momentaufnahme”, die das brisante Thema Quotenregelung “entlarvend und dennoch charmant” dokumentiert, sagte “Kurier”-Fotochefin und “Objektiv”-Jury-Mitglied Dragana Heiermann. “Ein bisschen Ironie ist nie schlecht”, meinte Fischer selbst zu seiner Aufnahme.

Event im Wiener Musiktheater

APA-Chefredakteur Michael Lang hielt zum Auftakt der Veranstaltung im Wiener Musiktheater ein Plädoyer für die Pressefotografie und die Unabhängigkeit der Bildberichterstattung. “Professioneller und qualitativer Fotojournalismus besteht nun einmal darin, die Realität so objektiv wie möglich abzubilden und ist damit auch ein ganz wesentliches Element der Pressefreiheit. Und um diese ordentlich zu kämpfen, zahlt sich schon aus”, meinte Lang. “Es zahlt sich aus, wenn Popstars glauben, sie könnten Fotografen zwingen, nur noch schöne oder geschönte Aufnahmen zu verbreiten. Es zahlt sich aus, wenn Politiker glauben, sie könnten Bildjournalisten, die unangenehme Aufnahmen machen, einfach von Veranstaltungen ausschließen. Und es zahlt sich aus, wenn Fotografen beschuldigt werden, Fotos gestellt oder inszeniert zu haben, nur weil einem das Abbild einer bestimmten Situation nicht passt.”

Objektiv 2015: Bedeutung der Pressefotografie

Die Bedeutung der Pressefotografie strich auch Canon-Geschäftsführer Peter Saak hervor. Der “Objektiv” sei dabei eine wichtige öffentliche Plattform und ein “toller Botschafter für Qualität und Emotion”, so Saak. “Es werden heute mehr Fotos als je zuvor produziert, leider nicht mit Produkten in entsprechender Qualität.”

Um Qualität und Emotion ging es dann auch bei der Auszeichnung der Pressefotos des Jahres. Gleich zwei Preise gewann das Nachrichtenmagazin “profil”: Philipp Horak konnte die Kategorie Fotoserie mit einer berührenden Porträtreihe über Kinder mit schweren Behinderungen für sich entscheiden. Walter Wobrazek war in der Jubiläums-Kategorie Ikonen mit einem Bild des früheren Bundespräsidenten Kurt Waldheim siegreich. Horak kündigte an, seinen Preis mit dem Kinderhospiz Momo zu teilen.

Bestes Pressebild der Chronik: Hausbesetzer-Aufnahme

Fotografen der Gratiszeitung “Heute” holten beim “Objektiv 2015” zwei Auszeichnungen. In der Kategorie Chronik lieferte Daniel Schaler mit einer Aufnahme von der Hausbesetzung der Pizzeria Anarchia das beste Foto, Helmut Graf gewann die Kategorie Wirtschaft mit einem Bild von Hypo-Untersuchungskommissions-Leiterin Irmgard Griss. “Großes Kino”, streute APA-Chefredakteur Lang den “Heute”-Fotografen Rosen. Die Kategorie Kunst und Kultur gewann APA-Fotograf Georg Hochmuth für ein Bild von der Aufhängung eines Velazquez-Gemäldes im Kunsthistorischen Museum in Wien. “Eine Arbeit, die selbst wie ein Gemälde wirkt”, so Laudatorin Petra Bernhardt. Im Sport machte Reuters-Fotograf Heinz-Peter Bader mit einer Vienna City Marathon-Aufnahme das beste Foto.

APA-Chefredakteur Lang zeigte sich angesichts der ausgezeichneten Fotos überzeugt, dass die Pressefotografie auch gegen Megatrends wie Bewegtbild und Videojournalismus bestehen kann: “Natürlich ist Video eine spannende Geschichte, aber es ist eine ganz andere Erzählform als die Pressefotografie. Und ich sehe heute Abend hier kein einziges Bild, bei dem ich sagen würde, schade drum, es wäre viel schöner, wenn es sich bewegen würde – im Gegenteil.”

(apa/red)

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