Nostalgischer Freddy Quinn in Wien

Akt.:
Freddy Quinn
Freddy Quinn
Freddy Quinn sang „Lieder, die das Leben schrieb“ – Zeitreise gemeinsam mit dem Konzerthaus-Publikum – Wiederholungskonzert am Mittwoch – Ausstellung ab September im Bezirksmuseum Josefstadt.

Wenn Freddy Quinn auf der Bühne steht, dann stehen über 50 Jahre deutschsprachige Show-Geschichte zum Angreifen vor einem. Auch gestern Abend, als der gebürtige Österreicher im Wiener Konzerthaus unter dem Titel „Lieder, die das Leben schrieb“ zu einer Zeitreise lud, wurden im Publikum alte Erinnerungen wach. Vor allem die zahlreich vertretenen älteren Semester waren mit Freddy und seiner Musik aufgewachsen und bis heute mit ihm mitgegangen. Dass der Publikumsliebling am 27. September seinen 75. Geburtstag feiert, merkte ihm kaum einer an.

„Sie sind ja alle wieder da!“

Ein achtköpfiges Orchester und drei Sängerinnen stimmen gleich eingangs das Motto an: „So ein Tag, so wunderschön wie heute.“ Als Freddy Quinn auf die Bühne kommt, wird er wie ein verlorener Sohn empfangen. „Sie sind ja alle wieder da!“ freut sich der Entertainer und legt in gewohnter Professionalität los. Zügig zieht er den ersten Teil seines Programms durch, erzählt aus seinem Leben und verbindet einen flotten Schlager mit dem anderen.

Bei seinem ersten großen Hit „Brennend heißer Wüstensand“ (aus dem Jahr 1956) reicht die Fanfare aus, um das Publikum in Fahrt zu bringen. Der mit rauchiger Stimme vorgetragene Washingtonbar-Song („Cigarettes And Whiskey“) bringt Irish-Flair ins Konzerthaus, Piraten belagern es beim bluesigen „Sixteen Tons“. Als Freddy zur Gitarre greift, weiß das Publikum bereits, was kommt: Die Geschichte von Jimmy Brown und Juanita („Die Gitarre und das Meer“) funktioniert auch beim x-tausendsten Mal. Jedenfalls bei den Anwesenden mit geschätztem Altersschnitt 60 plus.

Kinderfotos, Filmplakate,…


Auf einer großen Leinwand im Hintergrund kann man seine Geschichte und seine Erfolge nachvollziehen: Kinderfotos, Filmplakate, Sonnenuntergänge und abgelichtete Freunde. Erlebnisse und Situationen, die er mit dem nostalgisch gestimmten Publikum teilt. „Neulich…“ wird zum viel belachten Running Gag des Abends. Der alte Herr auf der Bühne strotzt nur so vor Lebenskraft und Energie, beim Rock’n’Roll-Song „So geht das jede Nacht“ kommt er richtig in Schwung und springt, als wollte er Bäume ausreißen. „Jede Nacht“ ist jedoch etwas übertrieben: Das zweite Wien-Konzert findet, nach einem Tag Pause, am Mittwoch statt.

Mit einer großen Portion Selbstironie („Mein Gott, der alte Sack, der steht immer noch“) kommt er aber wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. In einer kleinen Show-Einlage dürfen nun alle, die wollen, ihre Fotoapparate zücken. Noch zu Beginn des Konzertes hatte er dies mit Hinweis auf störendes Blitzlicht strikt untersagt. Nun zeigt er gar Verständnis, wenn der Blitz gerade in diesem so wichtigen Augenblick seine Arbeit nicht tun will: „Mein Blitz kommt auch nicht mehr so oft!“.

Auch Pause muss sein


Dazwischen empfängt er begeistert Küsse und Blumen von jungen weiblichen Fans. Beim angestimmten „Blue Spanish Eyes“, das Freddy dem 1980 verstorbenen Komponisten und Freund Bert Kaempfert widmet, erinnert sich die Mutter der Kritikerin daran, dass sie bei diesem Lied den Mann fürs Leben (und damit den Vater ihrer Tochter) kennen gelernt hat. Ein Medley mit „Wo die Nordseewellen trekken an den Strand“, „Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise“ oder „Das gibt’s nur auf der Reeperbahn bei Nacht“, rundet den ersten Teil der Show ab. Die Zuschauer klatschen und schunkeln im Takt und werden von Freddy mit einem mitleidigen „Sie sehen alle so erschöpft aus!“ in die Pause entlassen.

Der zweite Teil überzeugt weniger. Zwar enthält dieser die größten Hits („Große Freiheit Nr. 7“, “100 Mann und ein Befehl“, „La Paloma“, „Junge, komm bald wieder“), doch bremsen Verkleidungspausen unnötig. Ohne Seemannsjackett oder Fremdenlegionärsmütze ist der Abend scheinbar nicht komplett. Und bei mancher mittlerer Stimmlage klingt das Gebotene nicht mehr stimmgewaltig, sondern ein wenig dünn. Am Ende gab es dennoch Standing Ovations.

Niemand weiß an diesem Abend, ob er es ernst meint mit der Endgültigkeit seiner „Abschiedstournee“. Fest steht dagegen, dass rund um den 75er eine vom Freddy-Quinn-Archiv-Wien veranstaltete Ausstellung über den Entertainer im Bezirksmuseum Josefstadt zu sehen sein wird. Gut möglich, dass Freddy Quinn da persönlich vorbeischauen wird. Schließlich besitzt er nicht nur österreichische Wurzeln, sondern seit kurzem auch einen „Goldenen Rathausmann“.

Service:

  • Freddy Quinn Gala „Lieder, die das Leben schrieb“
  • Ausstellung “50 Jahre Weltkarriere. Sänger – Schauspieler – Artist“ von 5.9. bis 13.10 im Bezirksmuseum Josefstadt, Wien 8., Schmidgasse 18
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