Norbert Hofer gratuliert Trump zu Wahlsieg – Van der Bellen sieht “Weckruf”

So reagierten Hofer und Van der Bellen auf den Wahlsieg von Donald Trump.
So reagierten Hofer und Van der Bellen auf den Wahlsieg von Donald Trump. - © AP Photo/Ronald
Unterschiedlicher hätte die Reaktion auf den Wahlsieg von Donald Trump in der US-Präsidentschaftswahl nicht ausfallen können: Während der freiheitliche Kandidat Norbert Hofer Donald Trump zu dessen Sieg gratulierte, ortet der von den Grünen unterstützte Alexander Van der Bellen einen “Weckruf” für die Präsidentschaftswahl am 4. Dezember.

“Ich gratuliere dem zukünftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika zu seinem Wahlsieg”, erklärte Hofer gegenüber der APA. Er hofft auf eine weiterhin gute Beziehung zwischen den beiden Ländern: “Ich bin überzeugt, dass wir die guten Wirtschaftsbeziehungen zwischen unseren Ländern weiter gut ausbauen.”

Norbert Hofer gratuliert Donald Trump

Seinen eigenen Wahlkampf will Hofer nun aufgrund von Trumps Wahlsieg nicht ändern: “In meinem Wahlkampf ändert sich gar nichts.” Er wolle nicht etwa selbst angriffiger werden: “Meine Stärke ist eben, dass ich mich nicht verstelle und authentisch bin und den Wahlkampf weiterführe wie bisher.” Das Wahlergebnis habe ihn nicht überrascht, weil: “Mich überraschen Wahlergebnisse schon lange nicht mehr. Eine Konstante gibt es, nämlich dass sich die Experten irren”, so Hofer.

US-Wahl als “Weckruf”

Die US-Wahl sei ein Weckruf für die Präsidentschaftswahl in Österreich, das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen und für einen respektvollen Umgang miteinander, erklärte hingegen Van der Bellen in einer Aussendung. Die Mehrheit der Amerikaner habe Trump zum US-Präsidenten gewählt und dieses Ergebnis sei “zu respektieren”. Er wünschte dem neuen Präsidenten für die kommenden Herausforderungen aber “die nötige Kraft, Besonnenheit und Achtsamkeit”.

Es sei nun “völlig offen”, in welche Richtung sich die USA innen- und außenpolitisch entwickeln, die schwierige weltpolitische Lage verlange aber eine Politik mit Augenmaß, gab Van der Bellen weiters zu bedenken. “Europa und die ganze Welt werden sensibel darauf achten, wie der neue US-Präsident mit diesen Herausforderungen umgehen wird. Im US-Wahlkampf sind viele Menschen vor den Kopf gestoßen worden”, so der Grünen-Kandidat.

Mobilisierung durch US-Wahl auf beiden Seiten möglich

Meinungsforscher und Politologen erwarten relativ wenig Auswirkungen durch die US-Wahl auf die österreichische Bundespräsidentenwahl. Während Peter Hajek den Einfluss auf die Wahl am 4. Dezember für “marginalst” hält, erwartet Wolfgang Bachmayer aber, dass Wahlkämpfe hierzulande grundsätzlich härter und angriffiger werden. Thomas Hofer rechnet mit Mobilisierungseffekten.

FPÖ-Kandidat Norbert Hofer könnte aus der US-Wahl laut OGM-Chef Bachmayer den Schluss ziehen, dass Samthandschuhe für den Wahlkampf nicht das richtige sind. Bis jetzt habe es kaum Auseinandersetzungen gegeben, nun könnte sich für Hofer aber zeigen, dass mit Samthandschuhen schwierig zu mobilisieren sei: “Gerade die freiheitlichen Wähler brauchen Tempo.” Es könnte sein, dass Hofer in den nächsten Wochen daher lauter, kantiger auftritt: “Die Wirkung der Provokation ist offensichtlich gegeben gewesen.” Trumps Aussagen seien zum Teil “unglaublich” gewesen: “Aber er wurde von vielen Wählern als Projektionsfläche gesehen, dass er sich zu sagen traut, was sich manche denken und dafür wurde er belohnt.”

Bachmayer geht davon aus, dass Hofer Alexander Van der Bellen stärker als bisher angreifen wird und dieser auch darauf reagieren werde: “Es geht darum, die Glaubwürdigkeit des gegnerischen Kandidaten zu untergraben. Das kann zu einer höheren Betriebstemperatur in den knapp vier Wochen führen.” Der Meinungsforscher erwartet sich auch bei künftigen Nationalratswahlen mehr Angriffigkeit: “Die Wahlkämpfe werden nicht freundlicher.” Österreicher könnten auf Trumps Wahl doch erschrocken reagieren, was wiederum dazu führen könnte, dass die sichere Seite gewählt wird, so Bachmayer. Er führt aber ins Treffen, dass der erhobene Zeigefinger des Establishments erst recht zu einer Gegenreaktion führen könnte.

Politberater Thomas Hofer “will nicht übertreiben”, aber auf FPÖ-Seite könnte man “zumindest indirekt” auf Mobilisierungseffekte hoffen: “Dass nach dem Brexit jetzt auch Trump gewählt wird, was niemand im Establishment für möglich gehalten hat, das kann schon die Wettbewerbslust wieder wecken.” Dies gelte aber auch für Van der Bellens Team, denn dieser könne nun warnen: “Schaut, was euch droht.” Das Ergebnis dürfe man nicht überinterpretieren, es könne aber für beide Seiten mobilisierende Effekte haben. Die FPÖ habe sich bis jetzt kaum zu Trump geäußert und dies sei auch richtig, meinte Thomas Hofer mit Verweis auf dessen Image. Van der Bellens Lager sei bereits gut mobilisiert, mit Trumps Wahlsieg komme nun ein weiterer Punkt dazu: “Man wird das nutzen.” Das Motiv “Hofer zu verhindern” war bereits jetzt ein starkes: “Aber es bekommt neues Futter”, stellte der Politberater fest.

Wahlkampf in Österreich anders

Die Verhältnisse in Österreich seien gänzlich andere als in den Vereinigten Staaten, daher erwartet Hajek (Public Opinion Strategies) auch nur geringe Auswirkungen. Er spricht von einem Momentum, wonach schwankende Wähler von FPÖ-Kandidat Norbert Hofer denken könnten, dass Hofer sehr viel konservativer ist als Donald Trump. Dieser habe “gegen jegliche Kampagnenlogik” gesellschaftliche Konventionen außer Kraft gesetzt, und dies sei in Österreich “überhaupt nicht der Fall”.

Schwankende Alexander Van der Bellen-Wähler wiederum wollen keinen rechtspopulistischen Bundespräsident wählen. Mit diesem Momentum könnten nun Kampagnenteams spielen. Hajek verwies etwa auf ein Video von linker Seite, in denen Aussagen von Trump und Hofer gegenüber gestellt wurden. Die österreichischen Wähler kümmern sich aber recht wenig darum, was in den USA passiert, stellte der Meinungsforscher grundsätzlich fest.

(APA/Red)

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