Nomaden mit Zahnbürste: imagetanz reist 2018 mit dem brut

Das Künstlerhaus wird saniert – und während seiner nomadischen Spielzeit bringt das Wiener brut auch das imagetanz-Festival mit auf Wien-Tour. Mit fünf neuen heimischen Produktionen sowie zwei internationalen Gastspielen lockt man etwa ins Eldorado am Petersplatz, in den dschungel oder in die Brunnenpassage. “Bisher haben uns alle begleitet”, freute sich brut-Leiterin Kira Kirsch am Mittwoch.

Bei den bisherigen Stationen – von einer Bushaltestelle bis ins Jörgerbad – erfreute man sich einer Auslastung von insgesamt 90 Prozent, bis Saisonschluss wird man an 18 Spielstätten rund 30 verschiedene Projekte realisiert haben. Mit April wird die Probebühne in der Zieglergasse auch als Spielstätte wiedereröffnet – da wurde ebenfalls saniert -, wann die Rückkehr ins Künstlerhaus möglich sein wird, ist offen, wie es hieß.

Wichtig für einen Nomaden ist es jedenfalls, eine Zahnbürste dabei zu haben, zumindest ziert dieses Sujet das imagetanz-Plakat in einer Fotografie von Maxime Guyon. Die Eröffnung am 2. März am Petersplatz steht im Zeichen des 20-jährigen Bühnenjubiläums von Lone Twin. Das britische Performanceduo hat Weggefährten eingeladen, Songs aus ihrer mighty playlist auszuwählen, die sie seit 1997 erstellen. Das Ergebnis wird ein Stück mit Songs, “die wir alle vielleicht schon ein bisschen zu oft gehört haben”, so Dramaturg Flori Gugger.

Aus der Wiener Szene melden sich Magdalena Chowaniec und Valerie Oberleithner mit einer “Therapie-Performance” zu Internetsucht zu Wort, die sie als “iChoreography” mit Jugendlichen erarbeitet haben, Mirjam Stöger entwickelte “Rays” über elektromagnetische Strahlung, Hip-Hop-Tänzerin Farah Deen und die Hungry Sharks setzen sich mit religiöser und weiblicher Identität auseinander. Sara Lanner zeigt “Guess What” und Eva-Maria Schaller setzt sich in “Vestris 4.0.” mit der Übersetzung einer historischen Choreographie ins Heute auseinander. Neben Lone Twin ist der norwegische Choreograph Ludvig Daae mit “Dance To Dance To” als Gastspiel eingeladen.

Neben den Performances werden beliebte Festivalbegleitformate weitergeführt – etwa die “Handle With Care”-Studiobesuche oder die “Saturdance”-Workshops in der brunnenpassage. Die brut-Saison führt nach dem imagetanz-Festival in etwas ruhigere Gewässer, wenn die Probebühne in der Zieglergasse ab April wieder als Spielstätte genutzt werden kann. Dort wird man unter anderem die neue Arbeit von Georg Blaschke und Jan Machacek herausbringen, im Casino Baumgarten präsentiert Veza Fernandez ihr 12-köpfiges Ensemble aus der queeren Wiener Performanceszene mit “Wenn Auge Mund wird” und im Waschsalon im Matteottihof lädt Thomas J. Jelinek mit “Entropy” zur Gehirnwäsche.

Als “kleines Format”, das an verschiedenen Orten als Lectureperformance auftauchen kann, wird “Running gag” des Duos Sööt/Zeyringer angekündigt – eine Spurensuche in der Geschichte des weiblichen Humors. Noch vor Start des imagetanz-Festivals richtet das brut einen kleinen politischen Schwerpunkt aus: Das Kollektiv Freundliche Mitte errichtet ab kommenden Mittwoch am Petersplatz eine begehbare Theaterinstallation namens “Bergeins”, in der über die neue Normalität rechten Gedankenguts reflektiert wird. Zum selben Thema gibt es am 17. Februar im Werk X-Eldorado auch ein Symposium.

(APA)

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