Noch einmal Jungfrau sein

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Noch einmal Jungfrau sein
Neuester Trend in der plastischen Chirurgie in den USA sind Vaginaloperationen, bei denen die Jungfräulichkeit der Patientinnen wieder hergestellt wird.

Was im Nahen Osten und in Südamerika längst üblich ist, weil dort die Jungfräulichkeit der Braut bei der Vermählung entscheidend ist, wird in den USA nun allerorten angepriesen: In Magazinen, im Internet und in Rundfunksendern verspricht die Reklame den Frauen mit Hilfe der Operation ein erfüllteres Sexualleben oder gar einen zweiten Frühling.

Auch Jeanette Yarborough, eine 40-jährige Arzthelferin aus San Antonio im US-Bundesstaat Texas, ließ sich ihr Jungfernhäutchen wieder zusammennähen. Die Operation schenkte sie ihrem Ehemann zum 16. Hochzeitstag. „Ich war keine Jungfrau, als wir heirateten und ich dachte, ich könnte meinem Mann nichts Besseres schenken als die Wiederherstellung meiner Jungfräulichkeit“, sagt die Mutter von vier Kindern. Mit diesem Geschenk der besonderen Art habe sie für ihren Mann etwas neu erschaffen können, und er sei wirklich begeistert gewesen. „Das war jeden Penny wert“, freute er sich.

Zwischen 1.800 und 5.000 Dollar (rund 1.500 bis 4.150 Euro) zahlen Frauen in den USA für eine Vaginal-OP. Dabei lassen sich Patientinnen nicht nur ihr Jungfernhäutchen zusammennähen, sondern oft auch die Haut der Vagina straffen. Nach Einschätzung von Leroy Young, der einer neu geschaffenen Trend-Arbeitsgruppe der US-Gesellschaft Plastischer Chirurgen vorsteht, sind die Risiken bei den Eingriffen gering, wenn interessierte Frauen den Eingriff nicht einfach in einer der vielen Kliniken vornehmen ließen, die derzeit „wie McDonald’s“ aus dem Boden schießen, sondern sich eine behördlich geprüfte Klinik suchten.

Die Chirurgen-Gesellschaft sieht in Vaginaloperationen eine der schnellstwachsenden Trends in der plastischen Chirurgie. Young glaubt allerdings nicht an ein Überschwappen der Mode nach Europa. Die Jungfernhäutchen-OPs seien mehr eine Laune von Frauen in den USA, insbesondere an der Westküste. „Das ist mehr ein Gag-Geschenk,“ glaubt er.

Esmeralda Vanegas, Besitzerin des Ridgewood Health and Beauty Center in New York, freut sich jedenfalls über den derzeitigen Trend. In ihrer Klinik werden monatlich fünf Jungfernhäutchen wieder hergestellt. Bei den Patientinnen handle sich um Frauen, die ihrem Mann oder Liebhaber eine Freude machen wollten. „Sie wissen, dass er Sex mit einer Jungfrau erleben will“, sagt Vanegas.

Diese Bemühungen, Vergangenes vergessen zu machen, stößt jedoch auch auf Kritik. „Eines der offensichtlichen Probleme ist, dass behauptet wird, vorher sei nichts passiert“, beklagt Mary Blum, Autorin eines Buches über kosmetische Chirurgie. So wie die optische Verjüngung eines Körpers durch Schönheitschirurgie seine Geschichte auslösche, werde durch ein neues Jungfernhäutchen seine sexuelle Geschichte ausgelöscht. Vaginaloperationen würden in den USA mittlerweile als allgemein übliches Konsumprodukt verkauft und nicht als potenziell gefährliche medizinische Eingriffe. Dabei könnten Frauen laut Blum Männer mit derartigen Bedürfnissen auf viel einfachere Art glücklich machen – mit einer aufblasbaren Gummipuppe.

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