Niedriger Frauenanteil in Betriebsräten: Karmasin reizt Gewerkschaft

Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) beim Interview
Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) beim Interview - © APA/ROLAND SCHLAGER
Sticheleien von Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) Richtung Gewerkschaft: 46 Prozent der Beschäftigten seien Frauen, aber nur 34 Prozent der Betriebsräte – “da müssen wir schon konstatieren, dass offensichtlich Gleichberechtigung selbst bei der Arbeitnehmerinnen-Vertretung nicht vorhanden ist”.

Es brauche eine “Selbstverpflichtung” der Gewerkschaft, forderte Karmasin. Die Ministerin wünscht sich unter dem Titel “Flexi-Quote”, “dass entsprechend dem Anteil der Frauen in einem Unternehmen auch der Anteil der Betriebsräte weiblich sein muss”.

Karmasin nennt mangelnde Gleichberechtigung “erschreckend”

Auch mit Blick auf die Führungsebene der Gewerkschaften sei es “schon erschreckend, dass hier ausschließlich Männer Fragen für Frauen, Gleichberechtigung und Vereinbarkeit verhandeln”, findet Karmasin.

“Das kann ja nicht sein, dass die Gewerkschaften am lautesten nach Gleichberechtigung schreien”, aber der Frauenanteil in ihren Betriebsräten “einfach unterdurchschnittlich ist”. Die Gewerkschaften sollten geeignete Kandidatinnen für Betriebsrats-Wahlen identifizieren und sie coachen, meinte Karmasin. Die Frage, wie das konkret funktionieren soll, spielte Karmasin weiter: Da seien “der Kreativität keine Grenzen gesetzt”.

Frauenanteil in Betriebsräten: ÖGB kennt Problem, Kritik an Karmasin

Die ÖGB-Frauen reagieren verschnupft auf den Vorschlag von Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP), für Betriebsräte eine “Flexi-Quote” einzuführen. Der Frauenanteil in Betriebsräten sei zu niedrig, man arbeite jedoch “mit Hochdruck” daran, das zu ändern, erklärte Bundesfrauensekretärin Isabella Guzi. 34 Prozent der Betriebsräte sind weiblich – ein zu geringer Anteil, wie auch die ÖGB-Frauen einräumen: “Der Befund der Ministerin ist an sich richtig. Es sei ihr aber versichert, dass wir mit Hochdruck daran arbeiten, das zu ändern”, so Guzi.

Bundesfrauensekretärin Guzi: “Billige politische Polemik”

“Aber sich als Ministerin einer Partei, die weder für emanzipatorisches Engagement, noch für ein modernes Frauenbild bekannt ist, ausgerechnet auf den ÖGB und Betriebsräte zu versteifen, zeigt, dass es Frau Karmasin weder um Gleichberechtigung, noch um Frauensolidarität geht, sondern um billige politische Polemik”, stellte sie fest.

(apa/red)

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