Niedergeschossener Wiener Geldbote: Urteil ausgesetzt

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Beim Prozess im Jahr 2013.
Beim Prozess im Jahr 2013. - © APA
Am Dienstag konnte nach fast zwei Jahren Verhandlung am Wiener Straflandesgericht der Prozess gegen einen 29-Jährigen abgeschlossen werden. Der Mann soll am 17. Juli 2012 an einem Überfall auf einen Geldboten beteiligt gewesen sein, bei dem ein damals 50-jähriger Mann in Wien-Margareten von drei Tätern ausgeraubt und niedergeschossen wurde, als er mit knapp 64.000 Euro ein Wettbüro verließ.

Mehrere Schüsse wurden auf den Boten abgebenen, der vier Mal im Bauch und einmal im Rücken getroffen wurde. Es grenzt an ein Wunder, dass er überlebte. Ihm mussten jedoch eine Niere und Teile des Dickdarms operativ entfernt werden. “Es geht ihm nach wie vor schlecht. Er geht nicht mehr außer Haus. Er hat große Probleme, wenn er sich bewegt. Die Schmerzen sind noch immer da”, sagte sein Rechtsvertreter, der sich dem Verfahren als Privatbeteiligter angeschlossen hatte, ehe sich die Geschworenen zur Beratung über die Schuldfrage zurückzogen.

Anklage: Schwerer Raub und versuchter Mord in Wien-Margareten

Dem Angeklagten – einem gebürtigen Serben, der den Coup mit zwei abgesondert verfolgten Landsmännern verübt haben soll – wird schwerer Raub und versuchter Mord vorgeworfen. Er hatte sich beim Prozessstart im November 2013 “nicht schuldig” bekannt und versichert, er wäre nicht am Tatort gewesen und habe mit dem Ganzen nichts zu tun. Er wurde jedoch von zwei Zigarettenstummeln belastet, die in einem an das Wettbüro unmittelbar angrenzenden Innenhof sichergestellt wurden. Darauf fanden sich DNA-Spuren des 29-Jährigen. Staatsanwältin Stefanie Schön hatte in ihrem Schlussplädoyer im Hinblick darauf “keinerlei Zweifel”, dass der Mann beteiligt war und auch Kenntnis davon hatte, “dass eine scharfe Schusswaffe im Spiel war”, wie sie betonte. Unter Verweis auf mehrere einschlägige Vorstrafen des Angeklagten trat sie für eine “entsprechend strenge Strafe” ein.

Prozess um niedergeschossenen Geldboten soll “Musterbeispiel” sein

Verteidiger Elmar Kresbach sprach demgegenüber von einem “Musterbeispiel” für den im Strafrecht geltenden Zweifelsgrundsatz, demzufolge ein Angeklagter freizusprechen sei, wenn ihm die inkriminierte Tat nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden könne. Im gegenständlichen Fall liege eine “sehr schwache, in Wahrheit nicht vorhandene Indizienkette” vor, sagte Kresbach. Er verwies unter anderem darauf, dass weder der Geldbote noch Zeugen seinen Mandanten als Täter wiedererkannt hätten. Auch ein angebliches “Häf’ngeständnis” – der Angeklagte soll im Gefängnis einem Zellengenossen den Raub gebeichtet haben – habe nicht “gehalten”.

Ein ehemaliger Mithäftling hatte am letzten Verhandlungstag als Zeuge erklärt, ihm habe der 29-Jährige stets erklärt, er habe die ihm vorgeworfene Tat nicht begangen. Mit der Urteilsverkündung dürfte nicht vor 16.00 Uhr zu rechnen sein.

Update: Urteil ausgesetzt

Der Schwurprozess gegen einen 29-jährigen Mann, der mit zwei abgesondert verfolgten Komplizen am 17. Juli 2012 in Wien-Margareten einen Geldboten überfallen und mit mehreren Schüssen schwer verletzt haben soll, muss wiederholt werden. Die drei Berufsrichter setzten das Urteil aus, nachdem die Laienrichter den Angeklagten sowohl vom versuchten Mord als auch vom schweren Raub freigesprochen hatten.

Die Abstimmung der acht Geschworenen zur Schuldfrage fiel in beiden Hauptanklagepunkten jeweils mit dem knappest möglichen Stimmverhältnis von 4:4 zugunsten des Angeklagten aus. Lediglich zu einem Urkundendelikt – der gebürtige Serbe hatte einen gefälschten slowenischen Reisepass verwendet – setzte es einen Schuldspruch. Der Senat unter Vorsitz von Richterin Martina Krainz kippte allerdings diese Entscheidung wegen Irrtums der Geschworenen. Nun muss die Verhandlung nach einer Überprüfung durch den Obersten Gerichtshof (OGH) von einem anderen, zur Gänze neu zusammengesetzten Gericht wiederholt werden. Der 29-Jährige bleibt bis dahin in U-Haft. Ein Enthaftungsantrag von Verteidiger Elmar Kresbach wurde abgelehnt.

(apa/red)

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