Online gestellt:
01.07.2009 15:27
Aktualisiert:
01.07.2009 15:28
Es ist ein Wunder, wir können es nicht fassen, dass wir in diesem Flammeninferno noch am Leben sind": Roberto Fochesato, der mit seinem Kollegen Andrea D'Alessandro den mit Flüssiggas beladenen Güterzug in Viareggio steuerte, ist sichtbar geschockt.
"Ich habe dem Tod vor mir gesehen. Als der Zug entgleist ist, haben wir sofort einen starken Gasgeruch bemerkt. Wir haben die Sicherheitsbremse gezogen und sind aus dem Zug gesprungen und weggerannt. Wenige Sekunden später ist alles explodiert. Wir haben die Hölle gesehen", berichtete Fochesato nach Angaben italienischer Medien.
Die Lok- Führer, die beide aus der ligurischen Hafenstadt La Spezia stammen und langjährige Berufserfahrung haben, bestreiten jegliche Verantwortung für das Unglück. "Wir haben keine Schuld an dieser Katastrophe. Der Zug fuhr mit einer Geschwindigkeit von 90 Stundenkilometern, also unter der vorgeschriebenen Grenze von 100 Stundenkilometern, als er entgleist ist. Wir haben die Gefahr sofort erkannt, weil uns ein starker Gasgeruch entgegen gekommen ist, als wir den Motor der Lokomotive stoppten. Nachdem wir weggerannt sind, haben wir eine riesige rote Flamme und eine Explosion gesehen. Die Temperatur ist unerträglich heiß geworden. Es war wie in einem Kriegsfilm", so Fochesato.
Auch der Chef der italienischen Bahngesellschaft (FS), Mauro Moretti, schloss eine Schuld der Lok- Führer an dem Unglück aus. Die Verantwortung liege ganz bei der Firma Gatx Rail Austria, Eigentümer des betroffenen Kessels, die für die Sicherheitskontrollen verantwortlich sei. "Wir haben eine Erklärung von Gatx verlangt, der Kesselwagen ist zuletzt am 2. März kontrolliert worden. Der Besitzer des Kesselwagens ist seit der Liberalisierung des europäischen Güterverkehrs für die Kontrollen zuständig", so Moretti.
Der italienische Verkehrsminister, Altero Matteoli, berichtete am Mittwoch vor der Abgeordnetenkammer, dass eine Untersuchung über den Zustand des Kesselwagens im Gange sind. "Der Kesselwagen ist kontrolliert worden. Auch sein Gewicht war in Ordnung", berichtete Matteoli.
Der Zivilschutzverantwortliche für die Region Toskana, Marco Betti, berichtete, dass im Kesselwaggon ein Balken gebrochen sei, der zum Teil stark vom Rost angegriffen gewesen sei. Betti berichtete, dass es vor dem Unglück in Viareggio bereits zwei Balkenbrüche bei Güterwaggons in der Toskana gegeben habe. Er verlangte schärfere Sicherheitskontrollen im Güterverkehr.