New Order im Wiener Museumsquartier: Zwölf Keyboarder im Quadrad

New Order trat im Wiener Museumsquartier auf.
New Order trat im Wiener Museumsquartier auf. - © APA/GEORG HOCHMUTH
Die New-Wave-Legenden New Order traten am Samstag im Rahmen der Wiener Festwochen in der Halle E im Museumsquartier auf. Mit ihren zwölf Keyboardern spielte man zwischen Melancholie und Disco.

Was ihre Titel betrifft, da setzt die 1980 gegründete Band inzwischen auf die Abkürzung: Das im Vorjahr erschienene Live-Album hieß “NOMC15”, was für “New Order Music Complete 15” steht, nachdem es sich um einen Auftritt aus dem Jahr 2015 handelte. Ebenfalls im Vorjahr präsentierte die Band beim Manchester International Festival erstmals ihr gemeinsam mit dem Künstler Liam Gillick entwickeltes neues Live-Konzept “Σ(No, 12k, Lg, 17Mif)”.

In Wien nun leicht abgewandelt als “Σ(No, 12k, Lg, 18Wfw)” betitelt, also übersetzt als Summe aus New Order, zwölf Keyboardern, Liam Gillick und den Festwochen 2018. Diese Summe ergab einen fast ausverkauften Auftritt, bei dem sich die Band anfangs von ihrer härteren Seite zeigte.

Zwölf Keyboarder im Quadrad

Der britische Allround-Künstler Gillick war dabei verantwortlich dafür, dass man vor dem Erscheinen von Bernard Sumner und Band ein sehr unkonventionelles Bühnenbild erblicken konnte. Die zwölf Keyboarder und Keyboarderinnen wurden von ihm in zwei Reihen in quadratischen Boxen positioniert, die jeweils mit einer Art beweglichen Rollo versehen waren. Mit einem elegischen Opener leitete das Synthie-Orchester den Abend ein.

Das Ensemble des britischen Royal Northern College of Music war im weiteren Verlauf dann vor allem meist nur visuell dominant, entgegen der Erwartung bzw. Befürchtung lieferten die Damen und Herren an den Tasteninstrumenten keinen Dauer-Klangteppich, vielmehr standen die Drums in der leicht schwülen Halle E im Vordergrund. Was die als immersiv angekündigte Lichtarchitektur Gillicks betraf, so erwies sich diese als doch eher dezent, aber auf keinen Fall als eine als außergewöhnlich zu bezeichnende Zutat.

Drei Songs von Joy Division

Die Setlist offenbarte indes einen Verzicht auf manche der großen Hits, auf ein “Blue Monday” oder “True Faith” wartete man vergeblich, stattdessen ging man mit dem eher selten gespielten “Hey Joe what you’re doing?” an den Start. Andererseits gab es dafür aber auch gleich drei Songs der Vorgängerband Joy Division, und mit “Decades”, dem letzten Song aus dem posthum nach dem freiwilligen Tod ihres damaligen Sängers Ian Curtis im Jahr 1980 veröffentlichten Album “Closer”, ließ man den Abend sogar ausklingen.

Melancholie und Disco

Das rund 90-minütige Konzert blieb dann nicht bei der für New-Order-Verhältnisse doch eher harten Gangart, nach Joy Divisions “Heart and Soul” ging es in die gewohnten, harmonischeren Gefilde, wo sich Melancholie und Disco trafen. Und nicht nur die Mitglieder des Keyboard-Orchesters führten Tanzbewegungen aus, als New Order im letzten Drittel des Auftritts eine äußerst treibende und vom Publikum im Takt eingeklatschte Version ihres 80er-Hits “Sub-Culture” an den Start schickten. Auch die “Bizarre Love Triangle” aus derselben Dekade wurden mit einem Stampfbeat versehen präsentiert: Tanzen war zum Finale angesagt.

Der New-Order-Auftritt bei den Festwochen – bei dem Sumner wissen ließ, dass es “fabulous” sei in Wien zu spielen – zeigte die Band in ihrer stilistischen, über fast vier Dekaden erworbenen Wandlungsfähigkeit. Der Gig blieb aber bei allen Vorzeichen und trotz des Keyboard-Aufgebots am Ende eine konventionelle Sache, bei der die angekündigte Neuerfindung nicht auszumachen war. Ob dies nun aber wirklich ein Schaden ist, kann heute, Sonntag, noch ein zweites Mal in der Halle E überprüft werden.

(APA/red)

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