Neues Projekt für jugendliche Häftlinge

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“Sollte das Theater überleben, so müsste es sich mehr mit dem Leben beschäftigen und weniger mit dem Theater.“ Mit diesem Zitat von George Tabori wird auf eine außergewöhnliche Uraufführung – in einem niederösterreichischem Gefängnis – hingewiesen.

„Date Your Destiny“ wird, geschrieben und gespielt von Insassen, am 3. Mai in der Justizanstalt für männliche Jugendliche in Gerasdorf am Steinfeld gezeigt.

Seit November 2004 leitet Tina Leisch – Nestroypreisträgerin 2003 für Taboris „Mein Kampf“ im Männerwohnheim Meldemannstraße in Wien – einen Theaterworkshop in der Justizanstalt in Gerasdorf am Steinfeld. Die Literatin Alma Hadzibeganovic schrieb gemeinsam mit jungen Häftlingen – die meisten davon Migranten der zweiten Generation – einen Stücktext, der nicht nur deren Erfahrungswelt darstellt, sondern sie auch literarisch hinterfragt, und damit die Insassen subtil in eine intellektuelle Reflexion ihrer Situation und ihrer Lebensentwürfe sowie gesellschaftlicher Zusammenhänge hineinlockt. Der Hip-Hop-Choreograf Zoran Bogdanovic zeichnet für rasante Tanzchoreografien verantwortlich, die Schauspielerinnen Sandra Selimovic und Pippa Galli geben in Videoprojektionen und auf der Bühne den jugendlichen Laiendarstellern schauspielerischen Halt.

Zum Inhalt: Muro, genannt der Philosoph, arbeitet als Gemüseverkäufer am Markt. Als seine türkische Verlobte ihr Kommen ankündigt, ist er verzweifelt: Er hat Emina und dem ganzen Dorf vorgemacht, ein reicher Filmproduzent und Kinobesitzer in Wien zu sein. Woher also schnell Geld nehmen? Die Frage führt zu Reflexionen über Ehre, traditionelle Vorgaben, Freundschaft, Liebe und Möglichkeiten der Lebensgestaltung als jugendlicher Migrant der zweiten Generation.

In weiterer Folge wird es dann Aufführungen des Stückes „Date Your Destiny“ in den Justizanstalten Schwarzau, Wien-Josefstadt, Wien-Simmering, Wien-Favoriten, Sonnberg, Hirtenberg, Stein (angefragt) und St. Pölten geben. Diese Vorstellungen werden der Aussendung zufolge teilweise auch für ein interessiertes Publikum zugänglich sein.

In der 1970 eröffneten einzigen Strafvollzugsanstalt für Jugendliche in Österreich sind derzeit 132 Insassen aus 21 Nationen untergebracht. 80 Prozent der Jugendlichen seien selbst Gewaltopfer gewesen, 95 Prozent haben Suchterfahrung. Das Personal umfasst neben 66 Justizwachebeamten drei Psychologen, vier Sozialarbeiter, drei Lehrer, vier Ärzte und vier Mitarbeiter des Bundesheeres. Hauptaufgabe ist Berufsausbildung in 14 Lehrwerkstätten, es gibt Förderunterricht, PC-Kurse, Therapie, psychologische Fachbetreuung und Erziehung zu friktionsfreier Freizeitgestaltung, wobei die Theatergruppe eine von mehreren Aktivitäten ist.

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