Neuer Totengräber-Krimi: Bernhard Aichners “Interview mit einem Mörder”

Bernhard Aichners "Interview mit einem Mörder" ist der jüngste Streich rund um Protagonist Max Broll
Bernhard Aichners "Interview mit einem Mörder" ist der jüngste Streich rund um Protagonist Max Broll - © Haymon Verlag / fotowerk-aichner.at
Krimi einmal anders: Unter den vielen Protagonisten der österreichischen Krimilandschaft zählen der Ex-Journalist und nunmehrige Provinz-Totengräber Max Broll und sein Spezi, der Ex-Fußballprofi Johann Baroni, zu den eigentümlichsten und liebenswertesten. Bernhard Aichners “Interview mit einem Mörder” ist unser Buch-Tipp der Woche.

Eigentlich wollen die beiden Protagonisten nichts lieber, als bei ein paar Bieren friedlich auf der Terrasse sitzen und über den Friedhof zu schauen. Doch dauernd passiert etwas.

Schussattentat unter Drogeneinfluss beobachtet

In “Interview mit einem Mörder” zum Beispiel wird Broll, vom frischen Eigenanbau-Stoff seines afrikanischen Pfarrers noch ganz high, dazu genötigt, an der Eröffnung von Baronis neuem Würstelstand teilzunehmen und wird dabei Zeuge eines Schussattentats auf seinen Freund. Als einziger sieht er den Täter. Dieser entpuppt sich jedoch als scheinbar harmloser deutscher Tourist, und die Tatsache, dass der Totengräber zum Zeitpunkt der Tat eingeraucht war, erhöht die Glaubwürdigkeit seiner Anschuldigungen nicht. Broll weiß es besser, und muss angesichts irritierender Tatenlosigkeit der Behörden auf eigene Faust versuchen, Beweise oder ein Geständnis heranzuschaffen. Mehr als vage Indizien und Verdachtsmomente kommen die längste Zeit jedoch nicht zusammen.

Als Krimiautor sehr erfolgreich: Bernhard Aichner

Der Tiroler Schriftsteller und Fotograf Bernhard Aichner, der mit stilsicheren, rasanten Romanen auf sich aufmerksam gemacht hatte, hat seit einigen Jahren als Krimiautor großen Erfolg. Aus den Abenteuern der Bestatterin Brünhilde Blum wurde eine “Totenfrau”-Trilogie, und auch der Totengräber Max Broll, der 2010 mit “Die Schöne und der Tod” das Licht der literarischen Welt erblickte, absolviert in “Interview mit einem Mörder” bereits sein viertes Abenteuer. Die Bestseller werden von einer Marketingstrategie begleitet, die den “Starautor” als internationalen Durchstarter mit baldiger US-Verfilmung verkauft. Auch das neue Buch “garantiert atemlos-spannende Lesestunden”, wird versichert. Etwas zu viel versprochen.

Aichner hat zwar auch diesmal einen tragfähigen Grundeinfall, dass nämlich zu einem Täter gemeinhin ein Motiv gehört, und er baut auch wieder seitenlange Dialogpassagen ein, die der Geschichte ebenso Schwung verleihen wie die extreme Kürze der Kapitel. Der Haupthandlung jedoch, der intellektuellen Auseinandersetzung zwischen dem eher grob gestrickten, doch hartnäckigen Totengräber und dem feinsinnigen, sich betont offenherzig-naiv gebenden Verdächtigen Konrad Maria Fink, mangelt es an Raffinesse, Tiefe und Glaubwürdigkeit.

Handfester Showdown in “Interview mit einem Mörder”

Um dies auszugleichen, wird mit einer Reihe farbenprächtiger Schauplätze aufgewartet. Fink lädt den Do-it-yourself-Ermittler ein, ihn auf seiner weiteren Urlaubsreise zu begleiten. Das ungleiche Paar reist nach Italien und begibt sich auf eine Kreuzfahrt, die bis nach Tunis führt. Eine Reihe mysteriöser Todesfälle mehrt Brolls Verdacht, mit Fink den Richtigen im Visier zu haben. Und eine attraktive, doch zunächst kratzbürstige deutsche Journalistin schlägt sich ebenso vorhersehbar wie publikumsfreundlich auf die Seite Brolls, der Variantenreichtum und Böswilligkeit seines Gegners sträflich unterschätzt.

Auf die klassische “Warum”-Frage liefert das “Interview mit einem Mörder” am Ende keine wirklich plausible Antwort. Doch bei einem Thriller-Profi wie Bernhard Aichner gibt es zum Abschluss wenigstens ein handfestes Showdown, das sich auch diesmal im Kino hervorragend machen würde. Seinen Weg vom Belletristik- zum Drehbuchautor geht Aichner konsequent. Und jetzt warten wir mal entspannt ab, wie das dann auf der Leinwand wirklich aussieht.

Bernhard Aichner: “Interview mit einem Mörder”, Haymon Verlag, 288 S., 19,90 Euro

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(apa/red)

 

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