Neuer Roma-Vorsitzender Klippl fordert mehr Unterstützung für die Volksgruppe

Christian Klippl, Vorsitzender des Kulturvereins österreichischer Roma, beim Interview
Christian Klippl, Vorsitzender des Kulturvereins österreichischer Roma, beim Interview - © APA/HERBERT PFARRHOFER
Christian Klippl, der neue Vorsitzende des Kulturvereins Österreichischer Roma, will von der Regierung mehr Unterstützung. So müsse endlich die Volksgruppenförderung erhöht werden, sagte er in einem aktuellen Interview. Auf europäischer Ebene solle ein EU-Kommissar für Roma installiert werden.

Die Zuwanderungs- und Flüchtlingspolitik gehe zum Teil auf Kosten der Volksgruppen, befürchtet Klippl zudem. Christian Klippl hatte die Leitung der Volksgruppenvertretung von seinem Onkel Rudolf Sarközi übernommen, der im März unerwartet verstorben war.

Christian Klippl wuchs in Wien auf

Der bisherige Schriftführer der Roma-Vertretung und gelernte Tischler wurde 1963 in Oberwart geboren und wuchs in Wien auf. Auch als Vorsitzender des Roma-Kulturvereins arbeitet Klippl weiterhin für die Gemeinde Wien im mittleren Management. Sein Stellvertreter ist Alexander Sarközi, Enkel des verstorbenen Vereinsgründers.

“Die Schuhe, die Herr Sarközi hinterlassen hat, da fällt man ja hinein”, meint Klippl, der zur neuen Aufgabe laut eigener Aussage “wie die Jungfrau zum Kind” gekommen ist. Zwei Angestellte zählt der Kulturverein, der als “Anlaufstelle” für in Österreich lebende Roma dienen soll. Zudem wird noch ein Dokumentationsarchiv betrieben und auch mit Behörden wird zusammengearbeitet, etwa wenn es “polizeilichen Ärger mit Bettlern und Hausierern” gibt. Oft werde auch fälschlicherweise angenommen, dass es sich dabei um Roma handelt.

Zurückhaltung bei konkreten Forderungen

Dass die Roma in Österreich als Volksgruppe anerkannt sind ist Verdienst von seinem Onkel Rudolf Sarközi. Mit konkreten Forderungen an die Politik hält sich Klippl allerdings zurück, nach 20 Jahren könnte aber zumindest die Volksgruppenförderung erhöht werden. Und auch das neue Volksgruppengesetz, das nunmehr seit Jahren auf Eis liegt, sollte wieder verhandelt werden. Klippl und Alexander Sarközi hoffen dahin gehend auf einen Termin bei Staatssekretär Thomas Drozda (SPÖ), zeigen sich aber auch verständnisvoll, dass dieser sich erst einmal einarbeiten müsse.

Zusätzliche Ansprüche zum vorliegenden Entwurf gibt es jedoch keine: “Für uns ist das nur eine Verbesserung.” Auch zweisprachige Ortstafeln, für die etwa die Kärntner Slowenen lange gekämpft haben, will Klippl keine. Mehr Mitspracherecht und Einfluss wünscht sich der Roma-Vorsitzende für den Volksgruppenbeirat. In der Regierung sieht sich Klippl durch Staatssekretär Drozda recht gut vertreten – im Gegensatz zur EU-Ebene. “Es gibt viele Roma in Europa, denen es nicht so gut geht wie in Österreich”, meint er. Ein Ansprechpartner, etwa ein Kommissar für Minderheiten, könnte Abhilfe schaffen.

Roma benachteiligt wegen Flüchtlingskrise?

Benachteiligungen der Volksgruppe befürchtet Klippl aufgrund der Flüchtlingskrise. “In der EU fehlt ein gewisser Führungsstil und eine gewisse Richtung”, meint er dazu. Vorwiegend müssten aber erst einmal Menschen, die sich bereits in Österreich befinden, eine gute Ausbildung erhalten: “Als Österreicher wäre es mir auch lieber: Bitte helft einmal denen, die da sind. Bitte holt nicht Unmengen herein.” Als Angehöriger der Roma werde man zudem gerne in einen Topf etwa mit Kriminellen geschoben. “Was wir in den 70er-Jahren aufgebaut haben, vom Rande in die Mitte zu kommen”, drohe nun durch Masseneinwanderung zu kippen.

Vorurteile oder Rassismus gegenüber österreichischen Roma gebe es nur noch selten, so Klippl. In seiner Jugend in Oberwart sei es zwar durchaus passiert, dass gerade Angehörige der Roma nicht in die Disco gelassen wurden, aber: “Ich muss mich jetzt nicht unbedingt darüber aufregen, warum es auf der Speisekarte einen Zigeunerspieß gibt und das zu Tode diskutieren.”

(apa/red)

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