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Neue Viennale-Direktorin Sangiorgi im Interview

Die neue Viennale-Leiterin Sangiorgi im Interview
Die neue Viennale-Leiterin Sangiorgi im Interview ©APA
Die neu bestellte Viennale-Chefin Eva Sangiorgi, die derzeit das Filmfestival Ficunam in Mexiko-Stadt leitet, will südamerikanischen Schwung an die Donau bringen.

Ein APA-Gespräch über die Balance zwischen Kontinuität und Wechsel, stressfreies Ambiente und darüber, weshalb die 39-Jährige das Herz einer Marathonläuferin hat.

APA: Wenn wir nach einem Motto für die Viennale unter Eva Sangiorgi suchen, wäre das “Veränderung” oder “Kontinuität”?

Eva Sangiorgi: Muss ich wirklich zwischen diesen zwei Gegensätzen wählen? Vielleicht wäre der Ausdruck “Aufpolierte Kontinuität” passend, oder vielleicht “Aufgefrischte Beständigkeit”? (lacht) Es wird in jedem Fall eine Mischung aus beidem. Es gibt hier eine große Tradition und Kraft, die darin begründet ist, dass die Viennale ein Festival ist, das nicht wie die anderen immer auf der Jagd nach Premieren auf Kosten der Qualität ist. Die Stärke der Viennale ist, dass sie ein Zusammentreffen ermöglicht – von Filmschaffenden, Produzenten und dem Publikum.

Und das alles in einem sehr entspannten Ambiente samt einer exzellenten Programmierung. Das möchte ich beibehalten. Aber klarerweise möchte ich auch meine eigene Duftnote setzen und ein bisschen frischen Wind einbringen. Das wäre etwa meine Erfahrung in der Einbindung anderer Kunstsparten – da möchte ich neue Verschränkungen schaffen. Und ich möchte verstärkt neue Kulturkreise einbinden wie Asien und natürlich in meinem Falle Lateinamerika.

Bis zur Viennale 2018 haben Sie, wenn Sie im März nach Wien übersiedeln, nur mehr ein gutes halbes Jahr Zeit. Ist das zu knapp?

Das bewährte Organisationsteam ist ja schon bei der Arbeit. Und wir können auch jetzt schon einige Ideen und Vorhaben besprechen. Auch bin ich in Mexiko arbeitstechnisch nicht aus der Welt. Natürlich ist für eine Programmierung die Zeit immer zu knapp, aber ich bin schon auf der Suche nach Filmen. (lacht)

Eine Kooperation zwischen Ihrem jetzigen Festival Ficunam und der Viennale ist nicht angedacht?

Na ja, das wäre dann doch zu einfach. Außerdem hat Ficunam als Festival eine andere Dimension. Es gab durch die Beziehung zu Hans Hurch einen gewissen Austausch in der Vergangenheit, aber nicht mehr. Ficunam ist eng verknüpft mit dem Filmarchiv in Mexiko-Stadt, und insofern gibt es bei mir das große Interesse an wiederentdeckten Werken, die Teil der Filmgeschichte sind. Deshalb möchte ich das Band mit dem Filmarchiv und dem Filmmuseum hier aufrechterhalten.

Sie haben als ein Ziel ausgegeben, die Trennung zwischen Dokumentar- und Spielfilmen aufzuheben. Was heißt das?

In der Realität ergibt diese Unterscheidung nicht mehr viel Sinn. Am Ende arbeiten sowohl Dokumentarfilme wie Spielfilme mit derselben Filmsprache. Ich glaube, dass viele Regisseure nicht glücklich damit wären, als “Dokumentarfilmer” bezeichnet zu werden. Die Viennale ist ein Festival, das sich sehr mit der filmischen Form beschäftigt. Und da die Grenzen zu ziehen, ist sehr schwierig. Das ist ein bisschen obsolet.

Bei der Viennale einen Wettbewerb einzuführen, ist kein Thema für Sie?

Ich glaube, das ist nicht nötig. Bei Ficunam haben wir einen Wettbewerb, aber eine andere Ausgangslage. Die Viennale hat sich eine große Nähe mit dem Publikum erarbeitet, weil sie ein entsprechendes Programm hat. Deshalb braucht man nicht die Aufmerksamkeit, die man durch Preise generiert. Ich war schon oft auf der Viennale, und die Filmschaffenden sind auch deshalb so entspannt hier, weil es nicht den Stress eines Wettbewerbs gibt.

Sie müssen nun nach 15 Jahren von Mexiko-Stadt nach Wien ziehen – zwei Städte, die wohl unterschiedlicher nicht sein könnten. Haben Sie Angst vor dem Wechsel an die Donau?

Ach nein. Angst hatte ich, als ich von Bologna nach Mexiko gezogen bin – das war ein echter Kulturschock. Natürlich habe ich mittlerweile eine tropische Seite in mir kultiviert, die ich mir auch hoffentlich behalten kann. Aber letzen Endes wird die Welt immer kleiner. Das fantastische Klima von Mexiko wird mir sicher fehlen – es ist nie heiß, sondern sehr ausgeglichen. Ich bin damals aus Bologna geflüchtet, wo es nur entweder heiß oder eiskalt ist. Im Vergleich zu Mexiko ist das Klima in Wien vielleicht schlechter, aber die Luft ist besser. (lacht) Man kann halt nicht alles haben. Und ich habe das Herz einer Marathonläuferin, liegt Mexiko-Stadt doch auf 2.300 Metern Seehöhe. Hier laufe ich die 42 Kilometer also innerhalb einer Stunde. (lacht)

(Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA/Red.)

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