Neue Ski, neues Glück – Sölden-RTL läutet Herren-Saison ein

Irgendwo liegt Schnee in Sölden, dort wird die Saison eingeläutet
Irgendwo liegt Schnee in Sölden, dort wird die Saison eingeläutet - © APA (AFP)
Die Spannung vor dem Sölden-Rennen ist ohnehin immer groß, weil die Weltklasse-Skirennläufer nicht nur ihrer eigene Form überprüfen, sondern auch aufgezeigt bekommen, wie sie im Vergleich zur Konkurrenz stehen. Heuer ist es zugleich die erste Bewährungsprobe für das neue Riesentorlauf-Material. Fix ist, dass Disziplinverteidiger Marcel Hirscher fehlt, fraglich ist, ob das Wetter mitspielen wird.

Mit dem Wechsel auf die Winterzeit wird es auch für die Skiherren ernst. Österreich bringt im ersten Rennen der Olympiasaison am Sonntag (10.00/13.00 Uhr, live ORF eins) mit Manuel Feller, Vize-Weltmeister Roland Leitinger und Marcel Mathis lediglich drei Läufer an den Start, die im vergangenen Jahr in dieser Disziplin gepunktet haben. Denn neben Hirscher fehlen auch Philipp Schörghöfer, Daniel Meier und Christian Hirschbühl verletzungsbedingt.

“Es ist eine Chance für die nachfolgenden und die jungen Athleten. Wir sind gut aufgestellt, nur vorne ist es dünn. Qualifikationen für die Top 30 müssen das Ziel sein”, meinte Rennsportleiter Andreas Puelacher. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel forderte volle Attacke: “Am schlimmsten ist eine schlechte Zeit im Ziel, aber rausfliegen ist keine Schande.”

WM-Silbermedaillengewinner Leitinger ist mit 26 Jahren der älteste Athlet des Aufgebots aus dem Gastgeberland, für ihn ist das keine Bürde. “Ich bin lange genug dabei, diese neue Situation sollte mich nicht einschränken”, sagte der Salzburger. “Mein Saisonziel ist, um Podestplätze mitkämpfen und in Richtung Rennsieg kommen. Wenn ich Sonntag mein bestes Resultat von Sölden verbessern könnte, wäre das super”, sagte der Sechste von 2015.

Mit dem alten Material sei er ganz gut zurechtgekommen, er hätte es befürwortet, wenn man es behalten hätte, aber er orientiere sich auch gerne neu. Auch das mögliche schlechte Wetter bereitet ihm kein Kopfzerbrechen. “Man kann ein Schönwetterskifahrer sein, aber das bin ich noch nie gewesen. Du siehst weniger am Boden, musst aber trotzdem attackieren können. Beim Weltcup sollten wir die Sicherheit haben, dass da keine großen Löcher daherkommen.”

Feller, vergangenen März RTL-Vierter in Kranjska Gora, hofft, dass der Wind kein großer Faktor werden wird. “Wind ist meistens ein bisschen eine Lotterie und es kann das Ergebnis verfälschen.” Was das Set up betrifft, habe er “Riesenfortschritte” gemacht. “Es geht so einfach und macht so viel Spaß wie ewig nicht mehr.” Er erwartet, dass mit der Materialumstellung das Feld wieder enger zusammenrücken wird. “Die Topathleten sind sicher immer noch Topathleten, aber es mischen wieder mehr mit.”

Zu den Topfavoriten in Sölden zählen neben Vorjahressieger Alexis Pinturault und seinem französischen Teamkollegen Mathieu Faivre auch der vierfache Gletscherauftakt-Sieger Ted Ligety aus den USA, der Norweger Henrik Kristoffersen und der Deutsche Felix Neureuther.

“Sonntag werden wir mehr oder weniger wissen, wie schnell wir sind, was wir noch verbessern müssen. Fünf Monate sind nicht viel, um ein Set up für alles zu haben. Ich fühle mich super, aber Sonntag wird abgerechnet”, sagte Pinturault, der Gesamtdritte der abgelaufenen Riesentorlaufsaison. Um während des Winters schneller an den Wettkampfstätten zu sein, wird er nach den Dezember-Rennen in Italien für mehrere Wochen ein Quartier nahe Altenmarkt beziehen.

Weisen wird sich Sonntag auch, wie fit Ligety nach seiner im Jänner vorgenommenen Bandscheibenoperation schon wieder ist. “Ich komme aus einer Verletzung zurück, möchte aber trotzdem so schnell wie möglich hier sein. Ich bin definitiv happy mit den neuen Ski, auch wenn ich auf den anderen auch gewonnen habe”, sagte der Jung-Vater. “Sölden ist immer interessant, es ist das erste Rennen des Jahres, es ist immer ein bisschen ein Mysterium, wo jeder steht, wie das Skifahren ist. Sölden ist ein guter Indikator für das Jahr, aber es ist auch noch viel Zeit bis zum nächsten Rennen in Beaver Creek.”

Der ebenfalls Papa gewordene Neureuther meinte: “Für mich ist immer wichtig, in die Rennen zu gehen, ohne mir Druck aufzubauen. Ich bin die letzten Jahre immer besser gefahren, wenn ich mit der niedrigsten Erwartung hingekommen bin und mich selbst überraschen konnte.” Auf den neuen Ski müsse man gnadenlos und mit viel Krafteinsatz fahren.

Kristoffersen ist nach Streitigkeiten mit dem Verband wegen der Athletenvereinbarung und eines privaten Kopfsponsors erst seit 1. Oktober wieder Teil des norwegischen Skiteams, er hat sich im Sommer alleine vorbereitet. “Was er seit 1. Oktober gezeigt hat, war sehr okay. Er ist kräftiger und schwerer geworden. Es schaut in Summe sehr gut aus”, erläuterte Norwegens Herren-Cheftrainer Christian Mitter, der froh ist, dass es eine Einigung mit dem Technik-Spezialisten gab.

(APA)

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