Neue Möbel braucht das Land

Neue Möbel braucht das Land
© Gebrüder Moped
Gastkommentar der Gebrüder Moped. Die Wahl ist im ersten Gang geschlagen. Und geschlagen wurden vor allem die Kandidaten der beiden Großparteien außer Dienst. Dieser Sonntag hat die zwei bisher dominierenden Lager der Zweiten Republik wohl nachhaltig in eine andere Liga geschossen: Jausengegner.

Der rote Rudolf Hundstorfer hat’s immerhin noch unter die Top-Ten gebracht und Andreas “Eigentlich hätte ich ja Erwin heißen sollen” Khol wird sich nun vielleicht wieder seiner großen Leidenschaft widmen: Charly Blecha.

Da scheißt sich der Verein an

Das Raunen der letzten 30 Jahre wurde also zum schrillen Schrei. Die satte Mehrheit einer durchaus satten Gesellschaft wünscht Veränderung. Eine folgenschwere Zäsur in unserer Politstruktur, die als solche auch zur Kenntnis genommen wird, außer freilich in den gesellschaftlichen Isolierstationen von Rot und Schwarz. Die vollkommene Immunität gegen jedwede Art von Realitätssinn, die noch am Wahlabend aus beiden Parteizentralen in Textbausteinen abgespielt wurde – “Da scheißt sich der Verein an!”, wäre Oma Moped selig dazu rausgerutscht.

Bei der Suche nach den Gründen für das dringende Volksbegehren nach einer neuen Inneneinrichtung für das Haus Österreich können wir also auf eine Selbstanzeige der bisherigen Bauherren nicht zählen. Es wird ihnen Pfusch vorgeworfen, allerdings gilt die Unschuldsvermutung. Für sich selbst, versteht sich.

Altdeutsche Eiche, ungehobelt

Welchen neuen Raumausstatter man aber für die Republik anheuert, davon wird abhängen, in welchem Stil wir uns da einrichten werden. Die noch zur Auswahl stehenden Schnittmuster für den 22.5. lassen uns zwei Modelle zum Gustieren. Zum einen “Altdeutsch”: Deutsche Eiche, braun gebeizt, ungehobelt, unter aufgebügelter Kaschier-Furnier in Blaues-Wunder-Optik aus der Kollektion “Fader von Öd” mit schwarz-rot-goldenen Borten. Für dieses Produkt haben sich auf den ersten Blick gleich acht unserer neun Bundesländer entschieden, aber jetzt amal in echt: Wenn mir die alte Möblage aus dem 20. Jahrhundert nicht mehr taugt, dann kauf ich mir stattdessen keinen kruden Krempel aus dem 19. Jahrhundert. Sondern lieber die frischere Ware, die sich letzten Sonntag schon Wien ausgesucht hat. Auch, wenn die schon ein bisserl nikotinvergilbt daherkommt.

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