Neu im Tourismus: Reisen in den Himmel

Neu im Tourismus: Reisen in den Himmel
© Waiting For The Word (CC BY 2.0)
Satirischer Gastkommentar der Gebrüder Moped: Urlaub am Bauernhof war gestern. Während wir reizgeprüften Großstadtneurosen aller Geschlechter noch vor einigen Jahren unsere sommerliche Entspannung mit Schweinen, Kühen und dem heiteren Provinzdialekte-Raten gefunden haben, zieht dieser Schmäh heute einfach nicht mehr.

Wir Wiener brauchen Neues. Und wir bekommen es. Dank sei Gott dem Herrn. Und seinen Schäfchen.

Begrüßungsweihwasser im Hotelzimmer

Immer mehr Pfarrhöfe öffnen ihre Pforten für Touristinnen und Touristen. Urlaub in der Pfarre. Das ist der wirklich neue heiße Scheiß. Die heiligen Urlaubsorte mit geistlichem Elevationshintergrund bieten ihren Gästen den Kick am Zahn der Zeit. Kirchen-Camp statt Wellnesstempel: Sauna für Männer, Frauen. Und Buben. Inklusive Weihwasserdampfbad – und als Spezialangebot für wahre Sauna-Profis: die Fegefeuer-Kabine.

Bet and win

Dazwischen eine wohltuende Runde Selbstgeißelung unter der fachkundigen Anleitung des Herrn Pfarrers, gemeinsames Wettbeten, Teilnahme am örtlichen Preisbeichten oder die gemütliche abendliche Runde bei einem zünftigen Stamperl selbstgebranntem Spiritus Sancti. Buchen Sie jetzt auf Bet-at-home! Ob in der Selbstversorger-Kartause oder unser All-In-Package “Pfarrersköchin”.

I am fromm

Für betuchtere Gäste gibt’s das klerikale Candle Light Dinner in der Ewald Stadler Suite und die Flitter Lounge in Bethlehems Stall. Dazu Sauna mit Weihrauch und Weihwasseraufguss, sowie geistliche Animation von der morgendlichen Auferstehung bis zur motorisierten Abend-Vespa. Auch dem schmaleren Börserl bietet die katholische Kirche ein caritatives Ersatzprogramm: Reisen in den Himmel zum Nullkostenpreis. Einfach brav sein und ein bisserl Geduld. Halleluja!

Heilig ist hip

Den größten Anklang finden Urlaube am Pfarrhof allerdings bei jungen Menschen. Auch hier hat das traditionelle Angebot – vom Kirschkernspucken über das einst legendäre GTI-Weitwerfen bis hin zum altbackenen Luftgitarre-Contest – mehr als ausgedient. Wer zu den wirklich Jungen und Hippen zählen möchte, bucht seinen Event-Urlaub in der örtlichen Pfarre. Zum Koma-Taufen. Prost. Und Amen

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