Nena ließ Homogenität vermissen

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Nena ließ Homogenität vermissen
Nena in Wien: Am Sonntag trat sie in der Wiener Stadthalle auf. Der mittlerweile 50-jährige Popstar verzichtete peinliche Oldie-Party-Auftritte, arrangierte die Klassiker um und versuchte, sich neu zu erfinden. Aber irgendwie fehlte dem Auftritt die Homogenität.

1983 hatte das damalige deutsche Fräuleinwunder, qualitatives Aushängeschild der kommerziellen Seite der Neuen Deutschen Welle, der Bundeshauptstadt erstmals live mit naiv-fröhlichem Power-Pop den Kopf verdreht. Nach Höhen und Tiefen kehrte Gabriele Susanne Kerner als mehrfache Mutter 2003 in die Stadthalle zurück, um rund 10.000 Besucher mit einer mitreißenden Darbietung anlässlich des 20-Karrierejahre-Jubiläums- und gleichzeitig Comeback-Albums “Nena feat. Nena” in Ausnahmestimmung zu versetzen. 2010 fasziniert die Stimme und Dynamik der mittlerweile zweifachen Oma, die da über die riesige, mit allerlei technischen Spielereien ausgestattete Bühne fegte, immer noch.

Der Titelsong aus der aktuellen Platte “Made In Germany” machte den Anfang, allerdings mit umgeänderten Refrain: “Austria, hier gehör ich hin, weil ich hier am allerliebsten bin”, ließ sich der oft Richtung Nachbarland motzende Wiener gerne von der Deutschen schmeicheln. Mit nur “Nur geträumt” gab es Nenas allerersten Hit an dritter Stelle im Set, in einer streckenweise mutig harten, aber bei weiten nicht mit dem unwiderstehlichen Drive des Originals ausgestatten Version. Wenn hier noch der Wille zählte, der Vergangenheit nicht nachzuhängen, so wünschte man sich bei einigen folgenden Stücken aus jüngerer Zeit den Charme von früheren Produktionen zurück. Oder zumindest etwas mehr geradlinige Pop-Kracher im Programm.

Nena ist nicht zuletzt auch wegen ihrer Persönlichkeit Kult. Man nimmt ihr Zeilen wie “Fürchte dich vor gar nichts, denn die Angst belebt dich nicht” (aus: “Lass die Leinen los”) ab, so wie man die trotz des einfachen Textes unpeinliche Hymne “Wunder geschehen” mitsingt – wobei es lautstärkemäßig kaum auffiel, dass weit weniger als vor sieben Jahren gekommen waren. Mit dem “Leuchtturm”, den “99 Luftballons” und dem obligaten “Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann” am Ende oder dem jüngeren “Liebe ist” (am Laufsteg schön reduziert geboten) gab es auch das erwartete Hit-Feuerwerk. So zünden konnten leider nicht alle Stücke.

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