Nationalbank: Wirtschaft in Österreich wächst stärker als in Deutschland

OeNB-Chef Ewald Nowotny und OeNB-Chefvolkswirtin Doris Ritzberger-Grünwald stellen Österreichs Wirtschaft ein gutes Zeugnis aus
OeNB-Chef Ewald Nowotny und OeNB-Chefvolkswirtin Doris Ritzberger-Grünwald stellen Österreichs Wirtschaft ein gutes Zeugnis aus - © APA/GEORG HOCHMUTH
Gute Neuigkeiten für Österreich. Laut Nationalbank brummt die Wirtschaft und auch der Arbeitsmarkt erholt sich. Etwas Sorgen bereitet aber die steigende Inflation.

Für 2018 geht die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) von 2,8 Prozent realem Wirtschaftswachstum im Land aus, für 2019 und 2020 wird mit einer Abschwächung auf 1,9 bzw. 1,6 Prozent gerechnet. Die Arbeitslosenquote wird vom Höchststand im Jahr 2016 von 6,0 Prozent 2017 auf 5,5 Prozent und bis 2020 auf 5,0 Prozent zurückgehen. Die Inflation soll laut Prognose von 1,0 Prozent im Vorjahr auf 2,2 Prozent heuer steigen und bis 2020 auf 1,9 Prozent sinken.

Kopfzerbrechen bereitet der OeNB dabei der – in jüngster Zeit noch angewachsene – “Vorsprung” Österreichs, was die Höhe der Teuerungsrate betrifft. Im September sei die Jahres-Inflation mit 2,5 Prozent (nach HVPI-Rechnung) “überraschend hoch” gewesen und die Differenz zu Deutschland in den letzten drei Monaten auf 0,9 Prozentpunkte angestiegen, sagte Doris Ritzberger-Grünwald, Direktorin der OeNB-Hauptabteilung Volkswirtschaft. Der größte Beitrag zu dem Abstand komme aus dem Dienstleistungsbereich, dabei (seit 2011) allein knapp über ein Viertel Prozentpunkt aus Bewirtungsdienstleistungen. Der Punkt Nächtigungen, etwa in Hotels, habe sich demgegenüber nicht als Triebfeder für die Inflationsdifferenz erwiesen.

Besonders Gastronomie sorgt für Teuerung

Vielmehr würden in Österreich offenbar lieber als in Deutschland Speisen und Getränke außer Haus konsumiert – und seien daher auch stärker gewichtet in Preisindex, so Ritzberger-Grünwald. Restaurants, Cafes, Tanzlokale und Kantinen hätten bei uns ein Gewicht von 11,8 Prozent, in Deutschland von 4,3 Prozent – das erkläre einen Gutteil des Unterschieds. Dass die Preise im Tourismus höher seien, sei ja nicht unbedingt grundsätzlich negativ, meinte Nowotny dazu. Denn es zeige, dass die heimischen Betriebe, der höheren Nachfrage Rechnung tragend, ihre Produkte zu höheren Preisen verkaufen. Es handle sich also auch um eine “Verbesserung der terms of trade”. Und für Ritzberger-Grünwald interessant: Der Effekt unterschiedlich teurer Bewirtung bleibt auch, wenn statt des HVPI der heimische VPI betrachtet wird, also bereinigt um ausländische Gäste. Die OeNB werde sich das Teuerungsthema näher ansehen und dazu im Jänner mehr Informationen veröffentlichen.

Die Gründe für das kräftige Wirtschaftswachstum liegen laut OeNB in der Belebung des Welthandels, was zu einer Zunahme der realen Exporte um 5,6 Prozent in diesem Jahr führt. Auch in der für Österreichs Exporteure wichtigen Region CEE sehe man ein gutes Wachstum, deutlich über Weltniveau, so Nowotny. Was früher als mögliches Risiko angesehen worden sei, stelle sich nun als große Chance heraus. Bis 2020 wird ein gradueller Rückgang des Exportanstiegs bis auf 4,0 Prozent erwartet.

Auch Arbeitsmarkt verbessert sich

Auch die Lage am Arbeitsmarkt verbessert sich deutlich. “Die Arbeitslosigkeit sinkt, das ist eine weitere schöne Nachricht”, meinte die OeNB-Ökonomin. Das Arbeitskräfteangebot wachse zwischen ein und zwei Prozent jährlich, die Beschäftigung lege aber noch stärker zu. Deshalb könne die Arbeitslosenquote zurückgehen. “Die Hochkonjunktur beschert uns das”, so Ritzberger-Grünwald. Die Anzahl der unselbstständig Beschäftigten wird 2017 und 2018 um 1,8 bzw. 1,9 Prozent steigen. Die Arbeitslosenquote (Eurostat) von 6,0 Prozent im Jahr 2016 bis auf 5,0 Prozent 2020 zurückgehen.

Ob es bereits eine Arbeitskräfteknappheit in bestimmten Bereichen gebe, wird die Expertin gefragt. Ja, es werde in den sogenannten Mangelberufen “schwieriger jemanden zu finden”. Vor allem in Handwerksberufen sehe man eine beginnende Knappheit. Zudem nehme auch der Lohndruck zu, und die Löhne würden steigen. Die heimische Inflation soll heuer ihren Höhepunkt mit 2,2 Prozent erreichen und bis 2020 auf 1,9 Prozent zurückgehen. Bestimmt werde die Inflationsprognose durch höhere Rohstoffpreise, die bessere Konjunktur, aber auch eine Inflationsüberschätzung in einzelnen Komponenten.

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