Nach Umbau: Mehr Moderne und Interreligiöses im Wiener Dommuseum

Der Eingang zum Wiener Dommuseum liegt jetzt direkt am Stephansplatz.
Der Eingang zum Wiener Dommuseum liegt jetzt direkt am Stephansplatz. - © APA (Sujet)
Seit Herbst 2012 ist das Wiener Dommuseum am Stephansplatz geschlossen. Grund dafür sind Umbauarbeiten, die mit der Wiedereröffnung am 7. Oktober 2017 abgeschlossen sein sollen. Direktorin Johanna Schwanberg verspricht den Besuchern ein optisch wie inhaltlich völlig umgekrempeltes Ausstellungshaus.

Man habe das Museum “komplett verändert”, sagt Schwanberg. Wobei die Eröffnung eigentlich schon für 2015 geplant war. Die Direktorin, seit März 2013 im Amt, begründet die Verzögerung damit, dass einige Abläufe doch zeitaufwendiger gewesen seien und grundsätzlicher erneuert werden hätten müssen als gedacht. Außerdem habe man mit schmalem Budget kalkuliert. Bis zum Opening-Wochenende am 7. und 8. Oktober wird jedenfalls dann auch der Stephansplatz, der derzeit neu gepflastert wird, so gut wie fertig sein.

Neuerungen des Wiener Dommuseums am Stephansplatz

Zum Museum selbst: Die aus Besuchersicht markanteste, weil schon von außen sichtbare Novität ist wohl der Eingangsbereich, der sich nun nicht mehr versteckt im Durchgang zur Wollzeile befindet, sondern direkt am Stephansplatz. Von dort gelangt man in eine Art Foyer mit Ticketkassa, Shop und einer zentralen Wendeltreppe samt rundem Glaslift, die in den ersten Stock und damit in den eigentlichen Ausstellungsbereich führen.

“Das Museum hat sich zum Platz hin völlig geöffnet”, freut sich die Direktorin. Obwohl die Schauflächen mit 1.200 Quadratmetern in etwa gleich geblieben sind, wirkt das vormals ziemlich verschachtelte und verbaute Museum – für die vier Mio. Euro teure Umgestaltung zeichnet Architekt Boris Podrecca verantwortlich – größer und luftiger.

Im ganzen Haus wird derzeit noch gewerkt. Wobei die Übersiedlung der Kunstwerke schon angelaufen ist. Zum Zeitpunkt des APA-Besuchs wurde beispielsweise eines der wertvollsten Objekte gerade ausgepackt: das um 1360 entstandene Porträt von Herzog Rudolf IV. “Das ist eine Ikone der Kunstgeschichte, weil es das älteste Porträt eines Menschen des Abendlands außerhalb eines sakralen Zusammenhangs ist”, erklärt die Chefin. Es zeige den Menschen in seiner ganzen Verletzlichkeit.

Die Highlights der neu konzipierten Dauerausstellung

Das Gemälde wird Teil der neu konzipierten Dauerausstellung, die thematisch aufgebaut sein wird. “Hier zeigen wir rund 70 Highlights der historischen Bestände rund um den Stephansdom und den Domschatz, aber auch aus den Pfarren und Diözesen”, wirbt Schwanberg. Diese Schmuckstücke, darunter auch Rudolfs Grabtuch, werden “durch gegenwärtige Arbeiten punktuell kommentiert oder in ein neues Licht gerückt”.

Überhaupt verspricht die Direktorin eine “stärkere Durchdringung” zwischen historischen Werken und Moderne. Merkbar sein soll das auch in der großen Ausstellungshalle mit Blick Richtung Dom. Sie ist für halbjährliche Wechselausstellungen reserviert: “Hier ziehen wir jeweils eine Fragestellung durch, vom frühen Mittelalter bis zu Gegenwartsarbeiten – auch mit neuen Aufträgen und Werken aus der Sammlung Otto Mauers.”

Der 1973 verstorbene Priester und Mäzen gilt als bedeutender Förderer der Nachkriegsavantgarde, der für seine Galerie nächst St. Stephan u.a. Maria Lassnig, Arnulf Rainer oder Friedensreich Hundertwasser sammelte. Ihm bzw. seiner Sammlung wird im neuen Dommuseum ein eigener Raum gewidmet sein.

Interkulturelles und Interreligiöses

Die erste temporäre Schau wird sich übrigens mit dem Verhältnis von Wort und Bild beschäftigen und den Bogen von frühen mittelalterlichen illustrierten Schriften über den Erfinder der Reliefradierung, William Blake (1757-1827), bis zur 1986 verstorbenen Pop-Art-Nonne Sister Corita spannen. Darauf folgt als zweite Wechselausstellung “Zeig mir deine Wunde”, in der sich alles um die Verletzlichkeit des Menschen drehen wird – von frühen Christus-Darstellungen bis zum Terrorismus.

Die Hausherrin will sich nicht auf die christliche Religion beschränken. “Wir sind ein Museum in kirchlicher Trägerschaft, aber interkulturelle und interreligiöse Fragen werden eine große Rollen spielen”, verspricht sie. Als Beispiel für ein “orientalisches Objekt in christlicher Zweitverwendung” nennt sie etwa Rudolfs Grabtuch selbst: “Der Stoff ist aus dem Iran, für den Sultanhof gemacht, eines der wertvollsten Kunstwerke orientalischer Webkunst. Spannenderweise ist Rudolf von Mailand aus in diesem Tuch über die Alpen nach Wien gebracht worden und war dann 500 Jahre in diesem Tuch im Stephansdom begraben”, erklärt die Museumschefin. Kooperationen soll es auch mit dem – nicht weit entfernt beheimateten – Jüdischen Museum Wien geben.

Acht Euro wird der reguläre Eintritt in das Dommuseum kosten. Eine konkrete Zielmarke in Sachen Besucher will Schwanberg nicht nennen. “Aber wir wollen das beste Jahr des alten Museums – ich glaube, das waren 18.000 – deutlich überbieten”, prophezeit sie.

Was die Programmierung anbelangt, genieße sie alle Freiheiten, versichert sie: “‘Bis jetzt hat mir noch niemand inhaltlich reingeredet.” Es gebe natürlich – wie überall – gewisse Sensibilitäten, mit denen gelte es behutsam umzugehen.

(APA/Red)

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