Nach Festival-Absagen: “Der Markt in Österreich ist übersättigt”

Das Festival-Angebot in Österreich ist so groß wie noch nie.
Das Festival-Angebot in Österreich ist so groß wie noch nie. - © APA/Sujet
Zahlreiche neue Festivals prägten das Musikangebot 2016, wer als Konzert-Fan heuer seinen Urlaub geplant hat, der konnte aus dem Vollen schöpfen. Doch sei deswegen auch der Wettbewerb im kleinen Österreich “extrem verschärft” worden, so Rainer Praschak von mica (Verein Music Austria).

Neue Veranstalter und damit neu eingeführte Festivals sorgten heuer für ein nie da gewesenes Angebot – und letztlich auch einige Absagen bzw. recht leere Räume vor den Bühnen. Dass neben Barracuda Music, hinter etablierten Events wie Nova Rock oder Frequency stehend, nun auch die DEAG (Rock in Vienna) sowie Arcadia Live (seit heuer für diverse musikalische Freiluftangebote im burgenländischen Wiesen zuständig) mitmischen, hat laut Rainer Praschak “den Wettbewerb extrem verschärft”.

Der beim Verein Music Austria für die Bereiche Musikwirtschaft sowie Pop, Rock und Elektronik zuständige Experte erklärte: “Jeder versucht jetzt, sein Feld abzustecken. Und wo gehobelt wird, da fallen Späne. Das merkt man heuer recht stark, auch durch die Absagen.”

Jazz Fest Wiesen, One Drop und Nuke abgesagt

Dass Formate wie Jazz Fest oder One Drop in Wiesen sowie das eigentlich für das Wochenende in Graz angesetzte Nuke ausfallen mussten, hänge Praschak zufolge aber nicht nur mit der neuen Konkurrenzsituation zusammen. “Ich würde sagen, dass der Markt im Moment übersättigt ist. Das wird sich einspielen, jetzt sind wir in einer Konsolidierungsphase. Also wird sich das wohl wieder auf ein entsprechendes Niveau gesundschrumpfen. Nicht nur die Anzahl der Festivals ist momentan nicht wirtschaftlich durchzuführen, sondern auch die Größe der Festivals spiegelt nicht den Markt wieder.”

Zudem habe sich die Situation in den vergangenen 15 bis 20 Jahren insgesamt verändert. Neue Konkurrenz sei nicht nur im Inland, sondern auch im benachbarten Ausland zu erkennen. “Außerdem hat man mittlerweile im Sommer beispielsweise in Wien pro Woche mehrere Veranstaltungen, die zum Teils gratis sind”, verwies Praschak auf das Popfest oder Angebote im Umfeld des ImPulsTanz-Festivals. “Das Freizeitangebot ist einfach größer geworden.”

Musikfestivals als Freizeitangebot

Und apropos Freizeit: Ein Musikfestival ist mittlerweile ja längst mehr als eine rein musikalische Sache. “Der Erlebnisfaktor ist ohne Zweifel sehr wichtig geworden”, betonte Praschak angesichts regelrechter Festivalstädte mit umfangreichen Vergnügungs- und Kulinarikappendix.

“Das unterscheidet sich aber auch von Zielgruppe zu Zielgruppe gewaltig”, gab der Experte zu bedenken. Wo Mainstream-Großevents auch mit Bungee-Jumping punkten können, stehe bei kleineren und mittelgroßen Veranstaltungen noch stärker die Musik selbst im Fokus. “Natürlich gibt es dann Zusatzassets, die gut sind. Aber das sind Faktoren, die das Festivalfeeling betreffen.” Im Gegensatz dazu könne man sagen: “Je größer und kommerzieller das Festival, desto mehr gehen die Leuten aufgrund des Events hin.”

Gesteigerte Nachfrage erhöht den Preis

Und so fallen für mehrere Tage Eskapismus mitunter recht ordentliche Summen an. Wobei für die Preisgestaltung aus der Sicht von Praschak nicht zuletzt die Agenturen mitverantwortlich sind, welche die Bands vermitteln. “Warum die aber so viel verlangen können, hat seinen Grund darin, dass es so viele Festivals gibt. Die gesteigerte Nachfrage erhöht den Preis.”

Den Kampf zwischen den Veranstaltern sieht er indes in nächster Zeit noch weiter gegeben. “Eingeführte Marken mag man nicht aufgeben und sie nur ungern verkleinern. Es wird also zwei, drei Jahre dauern”, so Praschak. Für einige Festivals werden sich Fragen wie “Strategie, Booking und Budget” stellen. “Sie werden sich teils etwas überlegen müssen.”

(Christoph Griessner/APA)

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