Muttertag im Spital: Ronald McDonald-Kinderhaus bietet Unterkunft für Eltern

Das Ronald McDonald-Kinderhilfehaus gegenüber dem St. Anna-Kinderspital.
Das Ronald McDonald-Kinderhilfehaus gegenüber dem St. Anna-Kinderspital. - © APA
Für Eltern und Angehörige, deren Kinder schwer krank sind und deshalb den Muttertag im Wiener St. Anna-Kinderspital verbringen müssen anstatt zu Hause, bietet sich das Ronald-McDonald-Kinderhilfe-Haus in der Kinderspitalgasse als Unterkunft an. Stefanie aus Südtirol ist derzeit Patientin im Kinder-Krankenhaus.

Eigentlich wollten Mutter und Tochter Pichler nur einige Tage nach Wien kommen – zu einer Kontrolluntersuchung. Mittlerweile sind sie seit drei Wochen hier. Stefanie hatte im Alter von vier Monaten eine Lebertransplantation, wenige Monate später auch eine Knochenmarkstransplantation. “Jetzt spinnt der ganze Organismus, wegen der Pubertät”, erzählte Ulrike Pichler der APA am Mittwoch bei einem Medientermin im Kinderhilfe-Haus. Seit dem Babyalter muss Stefanie regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen nach Wien.

Ronald-McDonald-Kinderhilfe ermöglicht Muttertag – am Krankenbett

Während dieser Zeit – so wie jetzt – leben die beiden im Ronald-McDonald-Kinderhilfe-Haus in der Kinderspitalgasse. Für die Pichlers sei die Unterkunft “lebensrettend”, wie die Mutter gestand: “Man ist gerne zuhause, aber man hat hier auch so was wie ein Zuhause.” Die Nacht kostet sechs Euro – ein Hotelzimmer über einen langen Zeitraum mieten, ist für viele nicht leistbar. Für Bedürftige gibt es Unterstützung.

“Für die Kinder ist es wichtig zu wissen, dass ihre Familie auch in der Nacht ganz in der Nähe ist. Oder dass ein Elternteil sie jederzeit zu den Behandlungen begleiten kann, dass sie nicht alleine sein müssen”, erzählte Sonja Klima. Die Ex-Frau des ehemaligen SPÖ-Kanzlers Viktor Klima ist seit 2010 geschäftsführende Präsidentin der Ronald-McDonald-Kinderhilfe Österreich.

“Kein Kind mit schwerer Krankheit soll ohne seine Eltern sein.”

Die Organisation wurde vom McDonald’s-Gründer Ray Kroc ins Leben gerufen. Die Vision lautet: “Kein Kind mit schwerer Krankheit soll ohne seine Eltern sein.” 1974 eröffnete das erste Haus in Philadelphia. Mittlerweile gibt es weltweit mehr als 350 solcher Einrichtungen. In Österreich sind es vier – in Wien, Graz, Salzburg und Innsbruck. Weitere Projekte sind in Planung, darunter ein Haus auf dem Gelände des Wiener Allgemeinen Krankenhauses (AKH).

Die Nachfrage ist jedenfalls sehr groß: “Es ist immer voll”, so Klima. Die meisten Familien kommen aus Österreich, dazu gesellen sich aber auch viele aus dem Ausland: Deutschland, Frankreich oder aktuell aus dem Iran. Wer einen Platz bekommt, das werde mit den Ärzten in den Spitälern abgestimmt, so Klima. Diese seien gut über die Situation in den betroffenen Familien informiert.

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Gegen gesundheitliche und finanzielle Probleme

Denn zum gesundheitlichen Drama kommen auch oft finanzielle Probleme hinzu: Elternteile die ihre Arbeit aufgeben müssen, die Wohnung nicht halten können. Vor allem Alleinerzieherinnen hätten es schwer, weiß Klima: “Sie verlieren meistens ihren Job.” Ziel der Betreuer in den Kinderhäusern ist, den Familien bei ihren Alltagsproblemen zu helfen. Das Innere der Gebäude ist betont bunt und fröhlich gestaltet – Spitalsatmosphäre soll nicht aufkommen. Es gibt Wohnzimmer, Gemeinschaftsküchen und unterm Dach sogar ein großes Spielzimmer.

Die Häuser werden durch Spenden finanziert. Klima wertschätzt ihre Arbeit: “Wenn man die Schicksale sieht, dann weiß man, warum man Tag und Nacht läuft, um Spenden zu akquirieren.” Und Schicksale gibt es viele – von an Krebs erkrankten Kindern bis aktuell hin zu einem Kind, das bei einem Grillunfall schwere Verbrennungen davongetragen hat. Die Aufenthaltsdauer im Kinderhaus variiert – manche bleiben wenige Tage, manche Jahren. Im Schnitt sind es 31 Tage.

Kinderhilfe-Haus für Angehörige von Patienten im St. Anna-Kinderspital

Stefanie freut sich “extrem”, wenn sie wieder nach Hause in St. Martin in Passeier darf: “Ich komme aus einem Dorf, daher mag ich die Großstadt nicht so gerne. Außerdem vermisse ich meine Freundinnen.”

Hausleiter Maximilian Steiner weiß aus Erfahrung, dass Kinder mit schweren Krankheiten meist anders umgehen als Erwachsene: “Gerade die jüngeren Kinder sagen, dass sie für ihre Eltern kämpfen.” Die meisten kleinen Hausgäste können irgendwann nach Hause zurückkehren: “70 bis 80 Prozent überleben.” Auch wenn er mit den vielen Schicksalen, mit denen er in seiner täglichen Arbeit konfrontiert wird, gut umgehen kann – kalt lassen sie natürlich ihn nicht, wie Steiner gestand. Und Klima fügte hinzu: Wer so ein Haus kenne, wisse auch, wie unbedeutend die eigenen Probleme oft seien.

(apa/red)

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