Mutter in Brigittenau im Schlaf erstochen: Wiener in eine Anstalt eingewiesen

Am Tatort in Wien-Brigittenau
Am Tatort in Wien-Brigittenau - © APA
Ein 46-jähriger Mann, der im November 2015 in Wien-Brigittenau seine Mutter im Schlaf mit einem Küchenmesser erstochen hatte, ist am Donnerstag im Straflandesgericht in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen worden.

Er war zum Tatzeitpunkt aufgrund einer schizotypen Störung nicht zurechnungsfähig. Die Entscheidung ist bereits rechtskräftig.

Frage nach dem Warum hinter der Bluttat

“Ich kann mich nur erinnern, dass ich der Mama zwei Mal in den Bauch gestochen habe”, gab der Mann über den Vorfall in der Nacht auf den 4. November 2015 vor einem Schwurgericht zu Protokoll. “Warum?”, wollte der Vorsitzende Georg Olschak wissen. “Ich frag’ mich seit der Tat. Wirklich eine Antwort für mich hab’ ich nicht gefunden”, erwiderte der 46-Jährige. Er wisse noch, “dass ich beim zweiten Mal das Messer stecken hab’ lassen”.

Nachdem das Röcheln der 86 Jahre alten Frau abgeklungen war, legte sich der nur mit einem T-Shirt bekleidete Sohn neben die Leiche: “Ich war total erschöpft. Ich bin ziemlich bald eingeschlafen.” Er erwachte, als zur Mittagszeit einer seiner älteren Brüder in die mütterliche Wohnung in der Gasteigergasse kam: “Er war natürlich erschüttert. Ich hab’ mich gleich entschuldigt.”

Mutter in Wien-Brigittenau im Schlaf erstochen

Wie der Gerichtsmediziner Daniele Risser ausführte, wurde der Frau insgesamt fünf Mal in den Brust- und Bauchbereich gestochen. Eine Verletzung in der Herzregion war unmittelbar tödlich. Die Klinge der Tatwaffe maß 13,5 Zentimeter. Auf die Frage des psychiatrischen Sachverständigen Siegfried Schranz, wie er mit dem Geschehenen umgehe, erwiderte der Sohn, der seit seiner Festnahme medikamentös behandelt wird und darauf gut anspricht: “Das trifft mich sehr hart. Am liebsten würde ich die Tat ungeschehen machen. Ich kann mir selbst schwer verzeihen.”

Gerichtspsychiater Schranz bescheinigte dem Mann, in einem akut paranoid-wahnhaften Zustand gehandelt zu haben. Einige Tage zuvor hatte der 46-Jährige eigenen Angaben zufolge bemerkt, dass mit ihm etwas nicht in Ordnung war. Er fühlte sich verfolgt und suchte deshalb auch die Wohnung der Mutter auf: “Ich wollte bei meiner Mutter schlafen, weil ich mich zu Hause nicht mehr wohl gefühlt habe.” Er nahm ein Kampfmesser mit, “weil ich Angst gehabt habe, dass die Situation eskaliert und ich mich und meine Mutter verteidigen muss.”

46-Jähriger wollte Mutter die Freundin nicht vorstellen

Gemeinsam mit der Mutter nahm der 46-Jährige das Abendessen ein, wobei es zu einem Disput kam, weil die 86-Jährige noch immer nicht die 42 Jahre alte Frau kennengelernt hatte, in die sich ihr jüngster Sohn verliebt hatte. “Sie war eifersüchtig. Das Gespräch ist lauter geworden, weil sie geglaubt hat, ich will sie ihr vorenthalten.”

Indem man gemeinsam betete, habe man die Auseinandersetzung aber bereinigt, berichtete der 46-Jährige den Geschworenen: “Ich hab’ sie dann ins Bett begleitet und zugedeckt.” Er selbst fand aber keinen Schlaf, lag stundenlang wach, fühlte immer mehr Angst in sich hochsteigen und schaltete schließlich sämtliche elektronischen Geräte in der Wohnung und alle Lichtquellen ab. Am Ende stand er auf, bewaffnete sich mit einem Küchenmesser und trat damit ans Bett, in dem die Mutter schlief.

(apa/red)

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