Mutter in Baden getötet: Mordprozess in Wiener Neustadt fortgesetzt

Am Tatort in Altenmarkt an der Triesting, Bezirk Baden
Am Tatort in Altenmarkt an der Triesting, Bezirk Baden - © APA/THOMAS LENGER
Am Donnerstag waren am zweiten Tag im Indizienprozess gegen einen 42-jährigen Niederösterreicher, der am Dreikönigstag im Bezirk Baden seine Mutter (60) erschlagen haben soll, im Landesgericht Wiener Neustadt Zeugen am Wort.

Auch jene Frau, die der Angeklagte zum Verhandlungsauftakt vor einer Woche als mögliche Täterin beschuldigt hatte. Ein Urteil ist für den 12. Jänner 2016 geplant.

Sohn meldete Tod der 60-Jährigen

Am 6. Jänner 2015 in den Abendstunden hatte der Mann den Notruf gewählt und gab an, seine Mutter gefunden zu haben: Die 60-Jährige lag tot im Keller ihres Hauses. Tatzeugen gibt es keine, der Beschuldigte leugnet die Tat. Trotzdem ergibt sich für die Staatsanwaltschaft eine “geschlossene und in sich schlüssige Indizienkette” für den Mordvorwurf gegen den 42-Jährigen. Denn die Polizei fand einige Kilometer vom Tatort entfernt u. a. blutverschmierte Schuhe des Beschuldigten, die er hatte verbrennen wollen. Das war ihm allerdings nicht ganz gelungen. Am Donnerstag standen die Schuhe in Plastik verpackt als wichtigstes Indiz auf dem Richtertisch.

Ex-Lebensgefährtin im Zeugenstand

Von der Ex-Lebensgefährtin, auf die der Angeklagte die Schuld abzuwälzen versucht hatte, erfuhr man, dass sie von dem 42-Jährigen zweimal schwanger war und man sogar heiraten wollte. Letztendlich entschied sich die Frau aber gegen die Kinder. “Wir haben immer nur gestritten”, erklärte sie den Geschworenen. Konfrontiert mit den schweren Anschuldigungen, meinte die Zeugin: “Das ist doch lächerlich. Ich weiß nicht, wie er darauf kommt, dass ich seine Mutter umgebracht haben könnte.” Richterin Birgit Borns assistierte: “Ich finde diesen Grund auch nicht.”

Andere Zeugen aus dem Umfeld von Opfer und Angeklagtem waren auch zu hören: “Ich fühl’ mich seelisch verletzt”, sagte jene Frau, mit der der Angeklagte die Zeit über Silvester bis zum Tag, an dem seine Mutter getötet wurde, in einem Hotel verbracht hatte.

Bekannte des Opfers beschreibt Mutter

Eine Schulwartin hatte engen Kontakt mit der Getöteten. “Es ist unbeschreiblich, was sie mitgemacht hat. Sie hat gelitten. Sie hat kein Geld mehr gehabt, sogar ihre Lebensversicherung hat sie für seine angebliche Krankheit aufgelöst. Aber er war ihr Ein und Alles. Sie hat ihn immer in Schutz genommen”, beschrieb die Zeugin die Aufopferung der 60-Jährigen für den Sohn. Ein Freund des Angeklagten wiederum meinte: “Ich kann nichts Schlechtes über ihn sagen.”

Am ersten Prozesstag vergangene Woche war zu hören, dass der Angeklagte sich von seiner Mutter aushalten ließ, jahrzehntelang keiner geregelten Arbeit nachgegangen und ihr in der Tasche gelegen war, bei ihr auch bis zuletzt gelebt hat. Zu alledem soll er die 60-jährige Volksschulpädagogin um beinahe alle ihre Ersparnisse gebracht haben, indem er ihr eine Leukämieerkrankung vorlog, weshalb er teure Therapien machen müsse.

Bluttat in Wiener Neustadt: Mordprozess geht weiter

Da hakt auch die Anklage ein. Als die Mutter den Sohn deswegen zur Rede stellte, soll er sie im Streit erschlagen haben. Nächster Prozesstag ist der 18. Dezember. Da werden weitere Zeugen einvernommen, auch Gutachten werden erörtert.

(apa/red)

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