Mutmaßlicher Serien-Vergewaltiger: Angeklagter bei Prozess in Wien teilgeständig

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Der Angeklagte beim Prozess in Wien
Der Angeklagte beim Prozess in Wien - © APA/HERBERT NEUBAUER
“Ich achte die Frauen und respektiere sie”: Am Wiener Straflandesgericht ist am Dienstag der Prozess gegen einen jungen Mann gestartet, der von November 2015 bis Februar 2016 in der Bundeshauptstadt serienweise Frauen zu vergewaltigen versucht haben soll.

Dem 23-Jährige werden zudem sieben Fälle von sexueller Belästigung und eine versuchte Nötigung vorgeworfen. Er bekannte sich teilweise schuldig.

Auftakt zu viertägigem Prozess in Wien

Nachdem der 23-Jährige die ihm angelasteten Taten bisher in Abrede stellte, sollte er am Dienstag beim Auftakt des viertägigen Prozesses sechs sexuelle Belästigungen zugeben, wie sein Anwalt Wolfgang Haas in seinem Eröffnungsplädoyer ankündigte. Der Angeklagte hielt allerdings fest, dass er nicht die Absicht hatte, die Frauen zu vergewaltigen. “Ich achte die Frauen und respektiere sie”, sagte er der Schöffensenatsvorsitzenden Martina Krainz.

In seiner Befragung durch die Richterin relativierte der Mann jedoch das von Anwalt Haas angekündigte Geständnis. In zwei von der Staatsanwaltschaft als versuchte Vergewaltigung angeklagten Fällen gab er zwar an, die Frauen verfolgt und auf den Rücken gegriffen, unsittlich berührt habe er sie nicht. Allerdings wurden in beiden Fällen seine DNA auf den Hosen der Frauen feststellt. Bei einem Übergriff im Jänner in der Donaustadt packte er die Frau an ihren Oberschenkeln, versuchte sie so zu Boden zu bringen und berührte mit seinem Gesicht ihr Gesäß. DNA-Gutachterin Christina Stein hatte an der Stoffhose eindeutig Speichelspuren des 23-Jährigen festgestellt. Dem bedrängten Opfer gelang es noch, an einer Wohnungstür zu läuten. Ehe der Mann die Flucht ergriff, schickte er ihr laut Richterin Krainz noch Luftküsse zu und bedachte sie mit obszönen Gesten.

Sexuelle Belästigung und Nötigung durch 23-Jährigen

Bei den zur Anklage gebrachten sexuellen Belästigungen soll der Mann den Betroffenen von hinten in den Schritt gegriffen oder sie am Gesäß bzw. Oberschenkel intensiv berührt haben. Beängstigend verlief für ein 14-jähriges Mädchen am 4. Februar 2016 die Zugfahrt vom Bezirk Gänserndorf nach Wien. Der Mann sprach sie im Abteil an, nahm den ihr gegenüber liegenden Sitzplatz ein, und als das Mädchen am S-Bahnhof Floridsdorf ausstieg, verfolgte er sie, hielt sie fest und versuchte sie zu küssen, ehe sie sich losreißen konnte. Dieses Faktum wird von der Anklagebehörde als versuchte Nötigung qualifiziert. Der 23-Jährige gab zu, das Mädchen festgehalten zu haben. Dass er sie dabei auch sexuell belästigt haben soll, verneinte der Angeklagte.

Bei drei weiteren Fällen, zu denen der Angeklagte geständig ist, konnte er sich an die Opfer nicht mehr erinnern, meinte Verteidiger Haas. Alle anderen ihn angelasteten Übergriffe will der 23-Jährige nicht begangen haben. “Was wollten sie denn von den Frauen”, fragte die Richterin. Er wollte sie eigentlich gar nicht kennenlernen, meinte der Angeklagte, er habe eine Verlobte zu Hause. Vor der Polizei hat der 23-Jährige nämlich ausgesagt, dass er “nur spielen” und “seinen Spaß haben” wollte, zitierte Krainz aus der Vernehmung. Vor Gericht gab der 23-Jährige dann doch zu, ab und zu “die Kontrolle zu verlieren”. “Das dauert aber nicht länger als eine Minute”, sagte der Beschuldigte.

Brutaler Übergriff auf eine Frau mit Messer

Besonders dramatisch gestaltete sich der Überfall auf eine Frau am 27. August 2015. Nach einem Lokalbesuch war sie auf dem Heimweg, als sie vom 23-Jährigen angesprochen wurde. Sekunden später soll er sie am Hals gepackt, in ein Wohnhaus gezerrt und in ein nicht abgesperrtes Kellerabteil gezerrt haben, wo er sie mit einem Messer bedrohte und würgte. Dessen ungeachtet entschloss sich die Frau zur Gegenwehr und griff sogar nach dem Messer, worauf der Täter flüchtete.

Eine Frau, über die der 23-Jährige in einer Tiefgaragen-Einfahrt in der Wehlistraße herfiel, biss ihm in die Hand. Während er sich vor Schmerz kurz von ihr abwandte, gelang es ihr sich aufzurappeln. Der Täter kam jedoch noch ein Mal auf sie zu, warf sie wieder zu Boden und machte sich neuerlich an ihr zu schaffen. Erst als die Frau ein zweites Mal zubiss, ließ er endgültig von ihr ab und lief davon.

Mutmaßlicher Serien-Vergewaltiger arbeitete als Pizzakoch

Der 23-Jährige war im Jahr 2014 aus seiner mazedonischen Heimat nach Österreich gekommen, wo er gelegentlich als Pizzakoch arbeitete. Bereits an seiner Arbeitsstelle soll der Mazedonier Probleme bekommen haben, weil sich Frauen von ihm belästigt gefühlt haben, berichtete sein damaliger Chef. Staatsanwältin Gabriele Müller-Dachler zufolge handelt es sich bei ihm um einen Serien-Täter, der sich in der U-Bahn, S-Bahn oder auf der Straße an die Fersen von Frauen heftete. Er folgte ihnen unbemerkt teilweise bis in ihre Wohnhäuser, um sie in einem günstigen Moment anzugreifen und zu Boden zu bringen. Es kam nur deshalb zu keiner Vergewaltigung, weil sich sämtliche Opfer zur Wehr setzten oder lautstark um Hilfe schrien, sagte Müller-Dachler.

Für die Einvernahme der Opfer wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Die Verhandlung ist auf vier Tage anberaumt, das Urteil soll am 29. Juli fallen.

(apa/red)

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