18. Januar 2012 16:49; Akt.: 18.01.2012 16:49

Mutmaßlicher Schlepper vor Gericht

Dauert etwas länger: Der Schlepperprozess in Eisenstadt Dauert etwas länger: Der Schlepperprozess in Eisenstadt - © Bilderbox
2005 war ein fleißiges Jahr: An die 150 Landsleute soll ein Moldawier über die Slowakei in selbigem nach Österreich geschleppt haben. Am Mittwoch stand der Mann in Eisenstadt vor Gericht.

Der Angeklagte wies in Bezug auf die Schleppungen jede Schuld von sich und gab lediglich zu, an einem Altmetalldiebstahl beteiligt gewesen zu sein und einen falschen Pass besessen zu haben. Der Prozess wurde vertagt.Der 42-Jährige sei als Mitglied einer moldawischen Schlepperorganisation “auf etwas gehobener Ebene, sicher nicht an der Spitze” an den Schleppungen beteiligt gewesen, die im Zeitraum von Ende Juni bis Ende November 2005 erfolgt waren, so der Leitende Staatsanwalt Wolfgang Swoboda. Dem Angeklagten wurde auch der Diebstahl von 150 Kilogramm Altkupfer im Jahr 2011 vom Gelände einer Baufirma in Wien sowie ein Diebstahlsversuch vorgeworfen. Er habe auch einen falschen tschechischen Pass besessen.

Warum dauert der Prozess so lange?

Dass ein so lange zurückliegendes Delikt behandelt werde, liege daran, dass mittlerweile eine große Menge von damals gesammelten Beweismitteln vernetzt werden konnten, so der Staatsanwalt. Die Schleppungen waren vor der Verlegung der Schengengrenze verübt worden. Der Kopf der Bande sei vergangenes Jahr verhaftet und verurteilt worden.

“Ich bin kein Schlepper!”

“Ich bleibe dabei, ich bin kein Schlepper. Ich habe selber für die eigene Schleppung bezahlt und für die meiner Frau”, erklärte der Angeklagte auf die Fragen der Vorsitzenden des Schöffensenats, Richterin Birgit Falb. Im Mai 2005 habe er einen Holzhandel in Moldawien begonnen und dabei rund 1.600 Dollar (1.247 Euro) im Monat verdient. Er habe die ihm angelasteten Taten deshalb gar nicht begehen können.

Eine bereits verurteilte Schlepperin hatte den Angeklagten auf Bildern als jenen Mann identifiziert, mit dem sie 2003 bis 2005 bei Schleppungen zusammengearbeitet habe, hielt die Richterin dem 42-Jährigen vor. Zu diesem Zeitpunkt habe er die Frau noch gar nicht gekannt, rechtfertigte sich dieser und meinte: “Ich kann mir nicht erklären, warum sie mich belastet.”

Handy in den Knast geschmuggelt

Als die mutmaßliche Komplizin in Wiener Neustadt in U-Haft saß, hatte sich der Moldawier auf Bitten ihres Ehemannes um die Bezahlung der Anwaltskosten gekümmert. Dazu wurde dem Angeklagten in mehreren Tranchen Geld überwiesen, das er dann an einen Mittelsmann weitergab. Mit einem ins Gefängnis geschmuggelten Handy soll der Moldawier auch mit der Inhaftierten telefoniert haben.

Die Verhandlung wurde schließlich auf unbestimmte Zeit vertagt. Die bereits verurteilte Schlepperin sowie ein Ermittler, der sich am Mittwoch entschuldigen ließ, sollen dann befragt werden. Außerdem sollen Ergebnisse der Telefonüberwachung im Detail erörtert werden.


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