Mumienstadt Wien: Einblick in die Welt der konservierten Körper

Von Verena Kaufmann
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Mumien haben auch die Menschen in Wien fasziniert.
Mumien haben auch die Menschen in Wien fasziniert. - © APA/Pichler Verlag
Mumien, konservierte Körperteile, Wachsleichen – Nicht nur Ägypten ist für seine Balsamierungskunst bekannt, mit der Körper mehrere tausend Jahre über konserviert werden konnten. Auch in der Donaumetropole war man seit jeher davon fasziniert, auch nach dem Tod die menschliche Hülle für die Ewigkeit erhalten zu können. Die Autoren nehmen den Leser auf eine erstaunliche Reise durch die Stadt mit und präsentieren die Vielfalt der in Wien erhaltenen mumifizierten Körper.

Heutzutage ist uns oft gar nicht mehr bewusst, dass Mumien vor langer Zeit ein wichtiges gesellschaftliches Phänomen waren – und das in Wien. Unverweste menschliche Körper entstanden damals zwar oft aus purem Zufall in Grüften oder belüfteten Grabkammern, mit Beginn der Neuzeit setzte in der Donaumetropole aber so etwas wie das “goldene Zeitalter” der Mumien ein. Das bedeutet, dass konservierte Körper nicht nur in Religion und Bestattungsbrauchtum wichtiger wurden, sondern auch in der Medizin ihre Verwendung fanden.

Die Autoren Hagen Schaub und Robert Bouchal dokumentieren in ihrem Buch “Mumienstadt Wien” die erstaunliche Vielfalt der in Wien erhaltenen mumifizierten Körper. Von ägyptischen Mumien im Kunsthistorischen Museum, über die oft als “Luftg’selchten” bezeichneten erhaltenen Leichname in der Michaelergruft, bis hin zu konservierten Körpern aus der Blütezeit der Balsamierungskunst – als Leser staunt man, welche Mumienkultur die Stadt eigentlich birgt.

Mumienstadt Wien: Zur Funktion von erhaltenen Leichnamen

Im Buch werden erstmals alle Aspekte der Wiener Mumienkultur in sorgfältiger Zusammenschau präsentiert. Das Interesse an Mumien und deren Balsamierungsverfahren in Europa entwickelte sich durch die Beschäftigung mit dem alten Ägypten. Das neugewonnene Interesse am menschlichen Körper zeigte sich vor allem bei Herrschern meistens in Personenkulten, die über das Leben hinausgingen: Inszenierte Aufbahrungen, prunkvollere Begräbnisstätten und insgesamt mehr Aufmerksamkeit für den Toten waren damit verbunden.

Der tote Körper erfuhr eine “Aufwertung”, vor allem Protestanten sollen an Mumifizierungen interessiert gewesen sein. In der Welt der Lebenden war plötzlich die Welt der Toten präsent, in der vor allem die Bedeutung des Adels “weitergelebt” wurde. Beispielsweise gab es bei Gruftbestattungen einen Innen- und Außensarg, der aufwändig verziert wurde. Die Särge wurden mit Holzspänen, Hopfen oder anderen Materialien, die der Leiche Flüssigkeit entziehen, gefüllt. Die Gruft selbst verfügte meist über ein Belüftungssystem, doch ob diese zur bewussten Mumifizierung eingesetzt wurden, ist derzeit reine Spekulation.

Mumien als beliebtes Arzneimittel im Alten Wien

Auch in der damals als modern geltenden Medizin kam Mumien in Form von “Mumia” eine große Bedeutung zu: Man schnitt getrocknete Körper aus dem alten Ägypten ohne Rücksicht auf und zermahlte sie zu Pulver, das dann als Rohstoff oder Bestandteil von Tinkturen in Europa angeboten wurde. Es verbreitete sich der Glaube, dass der gute Erhaltungszustand der Mumien durch Einnahme der Medikamente auf den lebenden Körper übergehe, sozusagen sollte “Mumia” als eine Art Jungbrunnen wirken.

Diese Denkweise ist heutzutage kaum mehr vorstellbar, doch damals war “Humanmedizin” nicht selten. Entweder besaß etwas göttliche Wirkung oder es hatte dämonisch-negativen Ursprung. Ägyptische Mumien galten als Teufelswerk, wie etwa das noch warme Blut von gerade Geköpften, das als Heilmittel becherweise verkauft wurde oder abgeschnittene Finger von Gehängten, die als Talisman Verwendung fanden. Bereits damals kam das “homöopathische” Prinzip zum Einsatz, in dem man Böses (Krankheiten) mit Bösem (Körperteile von Mumien) bekämpfte. “Mumia”-Medizin gab es in Apotheken zu kaufen, vor allem in adeligen Kreisen fand man treue Anhänger.

Gruselige Zeugen: Konservierte Körper als Teil unserer Kulturgeschichte

Die Autoren nehmen den Leser mit auf eine Entdeckungsreise durch Wien der etwas anderen Art. Das Buch “Mumienstadt Wien” ist auf jeden Fall für alle, die mehr über die Mumienkultur der Stadt erfahren möchten, sozusagen ein Ausflug in die Welt der konservierten Körper, des Kults und Brauchtums vergangener Tage. Eindrucksvolle Fotos des Autors führen in die faszinierende Welt der unverwesten Leichname.

Gewinnspiel: Wir verlosen zwei Exemplare des Buches

Wer nun ebenfalls mehr über die Mumienkultur der Stadt erfahren und lernen möchte, kann bei unserem Gewinnspiel mitmachen. Wir verlosen zwei Exemplare des Buches “Mumienstadt Wien”. Hier geht’s zum Gewinnspiel.

Buchtipp:

Mumienstadt Wien. Menschen, Mumien, Konservierte Körper.

Verlag: Pichler Verlag

Autoren: Hagen Schaub & Robert Bouchal (Fotograf)

ISBN: 978-3-85431-620-6

Das Buch ist in allen Buchhandlungen und versandkostenfrei auf www.styriabooks.at erhältlich.

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