Müssen Rapid-Fans Kirchensteuer zahlen?

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Müssen Rapid-Fans Kirchensteuer zahlen?
© Gebrüder Moped
Ein Gastbeitrag der Gebrüder Moped. Rapid Wien geht dieser Tage neue Wege zur Finanzierung des Baus des Allianz Stadions. Und zwar mittels “Crowdinvestment”. Fans und Financiers können der Rapid mittels “Rapid InvesTOR” ein so genanntes “qualifiziertes Nachrang-Darlehen” gewähren.

Rapid ist bekanntlich auch Religion, und da denkt der Verein nun eben daran, dass die Anhänger der Glaubensgemeinschaft gleich auch ein Glaubensbekenntnis ablegen und Gläubiger werden können, um das neue grünweiße Gotteshaus für die Messen ab der Saison 2016/2017 zu finanzieren. Das ist insofern legitim, als man ja auch anderswo Kirchensteuer zu zahlen hat. Noch dazu winken Bonuszinsen, so sind viele dazu bereit und haben sich das auch schon dick auf ihren Notizzettel geschrieben.

Solche Notizzettel sind bei Rapid-Fans meistens fein säuberlich zurechtgeschnittene “Rapid-Aktien” aus den Jahren 1991 bis 1994, wo sie dann letztlich vom Handel ausgesetzt werden mussten, da sie endgültig den Realwert eines Post-its unterschritten hatten. Die mutige Ansage von Rapid Präsident Michael Krammer diesmal: “Wir zahlen die Zinsen lieber unseren Fans, als den Banken.” Bleibt die Hoffnung, dass die treuen Fans am Ende nicht im Regen stehen gelassen werden und auf Rettungsschirme angewiesen sind.

Grundsätzlich aber: Gute Idee! Für eine ähnliche alternative Finanzierungsidee hatte “Waldviertler” und “GEA” Chef Heini Staudinger jahrelange massive Konflikte mit der österreichischen Finanzmarktaufsicht auszufechten. Doch beim Rapid-Modell ist alles koscher. Es wurde nämlich offensichtlich eine geeignete politische Lösung gefunden. Und zwar durch das mit September in Kraft getretene Alternativfinanzierungsgesetz. Der bekennende Politiker und bekennende Rapidler, Staatssekretär Harald Mahrer meint dazu: “Mit dieser einzigartigen Crowdinvesting-Aktion wird ein weiteres Stück Rapid-Geschichte geschrieben”. Außerdem werde er selbst auch investieren. Vergelt’s Gott, Herr Staatssekretär!

Gut, wenn Entscheidungen über politische Gesetzgebung sich unmittelbar am faktischen Bedarf orientieren. Gut, wenn politische EntscheidungsträgerInnen auch den Mut haben zu handeln. Denn dafür werden sie bezahlt, und dafür sollen sie auch gut bezahlt werden. Gut sollen sie dann aber halt auch sein, die Entscheidungen. Und ein Unsinn ist es, zu meinen, dass der Sport nichts mit Politik zu tun haben sollte. Denn Sport ist gesellschaftsrelevant. Und die Politik hat aktiv Rahmenbedingungen für unser Miteinander zu schaffen. In allen gesellschaftlichen Belangen. Auch den weniger populären. Sonst verlieren die Schäfchen aller Farben ihren Glauben daran. Amen.

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