Mülheim Texas – Helge Schneider hier und dort – Trailer und Kritik zum Film

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Mülheim Texas – Helge Schneider hier und dort – Trailer und Kritik zum Film
Wenn der Name Helge Schneider fällt, ist das “Katzeklo” meist nicht weit. Der Hit, mit dem der deutsche Künstler 1994 ein Millionenpublikum erreichte, spielt in dem Porträt “Mülheim Texas – Helge Schneider hier und dort” von Andrea Roggon aber keine Rolle.

Sie zeigt in ihrem ersten abendfüllenden Film die vielen Facetten des Universaltalents. Im Vorspann knattert der 59-Jährige auf einem alten Motorrad, ohne Helm, über staubige Wege, singt, plaudert, steigt ab und hampelt vor einem Zaun herum.

Mülheim Texas – Helge Schneider hier und dort – Geschichte

Schnitt und Blick auf Helge Schneider im Sessel, in einem Studio, neben sich ein Keyboard, er spricht: “Ja meine Damen, dann wollen wir mal die intimen Fragen beantworten”, richtet sich Haar und Bart und harrt der Dinge. Die ganz persönlichen Fragen und Geständnisse bleiben aber aus. Das tut dem Film besser als Erwartungen einer voyeuristischen, nach billigen Sensationen gierenden Masse zu erfüllen. Denn Andrea Roggon, 1981 in Überlingen am Bodensee geboren, zeichnet ein gelungenes Porträt, eines das wohl hinter die Fassade blickt, und einen peniblen Arbeiter hinter dem Freak auf der Bühne zum Vorschein bringt.

“Man muss nicht unbedingt gefilmt werden, wenn man einkaufen geht, die Leute möchten manchmal so ‘n bisschen rätseln”, äußert sich Schneider. Geheimnisse bleiben dem in Mülheim an der Ruhr geborenen Unterhalter genügend übrig. Denn nicht immer ist klar fassbar, was Mensch, was Kunstfigur ist. Genauso wie Schneider sich ins reale Mühlheim fügt und in seine Fantasiewelt Texas. Ernst einen Schmäh und lachend die Wahrheit kund tun, das beherrscht er. Außerdem wahrt die Regisseurin eine angenehme Distanz, die den Mythos nicht zerstört – und Schneider macht auch seine Grenzen deutlich. “Ich muss jetzt dann gleich alleine sein!”

Mülheim Texas – Helge Schneider hier und dort – Kritik

Der Film ist in Themen wie “Studioland”, “Ruhr” und “Spontan” gegliedert. Schneider spricht über den Beginn seiner Karriere. “Ich wollt’ immer Oppa sein und auch Clown”, über “Konzerte der Superlative” von Sammy Davis Junior, Frank Sinatra und Tony Bennett, die ihn wohl zum Musikmachen gebracht hätten, und über Improvisation: “Ich hatte nie Angst, dass die Inspiration abbricht, weil ich immer machte, was ich wollte.” Zuspielungen aus früheren Tagen, beim Improvisieren auf der Bühne und als Jazzmusiker, aktuelle Konzertausschnitte und Probenszenen verdeutlichen die Vielseitigkeit des Künstlers, dem nachgesagt wird, jedes Instrument in kurzer Zeit erlernen zu können.

Bei Proben wirkt er perfektionistisch und penibel, in den Aufnahmen am Land in Mülheim oder in seinem Texas hingegen wie ein übermütiger Jungspund. “Ich rebelliere gegen den Irrsinn der Normalität” sagt Helge Schneider und man glaubt ihm, genauso wenn er sagt: “Ich mag es, nach strengen Richtlinien zu musizieren und auszubrechen”. Roggon versucht nicht, ihn in vorgepresste Szenen zu stecken, sondern begleitet den Luftikus und lässt ihn machen. Egal ob am Oldtimer-Traktor im Garten oder in seiner Badewanne im Freien. “Na jetzt haste doch wieder eine tolle Stelle für deinen blöden Film”, sagt Schneider im Paddelboot auf der Ruhr, nachdem er sich mit einem französischem Zitat selbst vorgeführt hat. Das Schmunzeln sieht und hört man.

Ganz wohl scheint ihm nicht immer bei der allgegenwärtigen Kamera, sei es, weil er nicht selbst das Heft in der Hand hat, sei es, weil es einmal nicht um eine seiner Rollen geht, sondern um ihn selbst. Gerade diese Ambivalenz macht den Charme des Films aus. Roggon fängt in langen Szenen viel von Helge Schneider ein, aber lässt dem Zuschauer auch noch Raum, diesen Tausendsassa aus Musiker, Schriftsteller, Schauspieler, Regisseur und Unterhalter selbst zu interpretieren.

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(APA)

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