Mordfall Dink: Vorwürfe gegen Polizei

Mordfall Dink: Vorwürfe gegen Polizei
Die türkische Polizei war nach übereinstimmenden Medienberichten vom Dienstag bereits im Februar vergangenen Jahres über Pläne zur Ermordung des Journalisten Hrant Dink informiert.

„Dink hätte nicht sterben müssen“, titelte die Istanbuler Zeitung „Radikal“. Wie andere Zeitungen und Fernsehsender stützte sich „Radikal“ auf Aussagen des im Zusammenhang mit dem Mord an Dink verhafteten Studenten Erhan Tuncel. Dieser soll in den vergangenen Jahren in der Schwarzmeerstadt Trabzon als Polizeispitzel gearbeitet haben.

Trabzon (Trapezunt) ist die Heimat des mutmaßlichen Dink-Mörders Ogün Samast und des als Anstifter verhafteten Yasin Hayal. Polizei-Informant Tuncel habe ausgesagt, die Trabzoner Polizei im Februar vergangenen Jahres darüber informiert zu haben, dass Hayal einen Mordanschlag auf Dink plane. Die Polizei habe den Hinweis an die Behörden in Istanbul weitergeleitet, aber weiter nichts gegen Hayal unternommen. Die Istanbuler Polizei habe Dink trotz der Hinweise auf die geplante Gewalttat keinen Personenschutz zukommen lassen. Der Istanbuler Gouverneur Muammer Güler sagte, Tuncels Aussagen würden noch untersucht.

Dink war am 19. Jänner vor der Redaktion seiner Zeitung „Agos“ im Istanbuler Stadtteil Sisli erschossen worden. Der Journalist war wegen seiner Äußerungen zum Massenmord an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs von türkischen Nationalisten als „Verräter“ bezeichnet und bedroht worden.

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